Im heimischen Amateurfußball ist derzeit Corona das Thema Nummer Eins. © Jens Lukas
Amateurfußball

Klarer Termin vom FLVW: Dennoch gibt es Probleme und Widersprüche

So sind sie, die Belgier. Aktuell wieder kompromisslos wie einst Asterix und Obelix aus der Feder des belgischen Zeichners Albert Uderzo. Das Nachbarland hat die Amateurfußball-Saison abgebrochen.

Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) zeigte am Freitag (29. Januar) endlich klare Kante und legte Fakten auf den Tisch. Als da wären: Ein Re-Start im westfälischen Fußball wird es vor dem 1. April nicht geben – Turniere dürfen bis zum 30. Juni nicht stattfinden. Ob und wie es ab dem 1. April weitergehen könnte, entscheidet die dann aktuelle Corona-Infektions-Lage.

Belgier entscheiden schneller: Abbruch

Die hohen Covid-19-Infektionszahlen in Belgien gaben den Ausschlag für das Aus im dortigen Amateurfußball. Warum geht das nicht auch in Deutschland? In Belgien ist ein Saison-Abbruch einfacher – dort müssen sich nur der flämische und wallonische Fußballverband einig sein. Fußball-Deutschland ist indes ein „Flickenteppich“ mit 21 Landesverbänden, die unterschiedliche Pläne verfolgen, ob sie die Saison ohne weiteren Spielbetrieb auslaufen lassen, abbrechen oder einfrieren und im Herbst fortsetzen wollen. Ein Überblick.

In Deutschlands 21 Landesverbänden gibt es viele Interessen und verschiedene Spielordnungen. In der Hamburg ist ein frühzeitiger Saison-Abbruch möglich. Dort stimmten die Vereine bereits für Abbruch, wenn es spätestens am 26./27. Februar keinen Re-Start gab. Die Spielordnung des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) lässt einen schnellen Abbruch nicht zu, ohne einen Rattenschwanz an Prozessen befürchten zu müssen.

Andreas Pelzing, Fußball-Obmann des Kreises Herne/Castrop-Rauxel, sagt: „Die belgischen Corona-Zahlen sind höher als bei uns. Belgien liegt von Westfalen ein stückweit entfernt – und hat daher ganz andere Sorgen. Bei uns wird es Termin-Probleme geben bei einem Re-Start erst im April.“

Was aber sagen Castrop-Rauxeler Trainer zum FLVW-Datum 1. April für den frühesten Re-Start im Amateurfußball – und den Saison-Abbruch in Belgien?

Tino Westphal, Coach des Bezirksligisten SG Castrop, findet es „schade, dass wir so lange warten müssen, bis wieder Fußball gespielt werden darf – es ist aber wohl die vernünftigste Entscheidung“. Und: „Es wurde Zeit, dass der FLVW überhaupt mal eine klare Aussage getroffen hat.“ Da es nach einem Re-Start weitere Corona-Spielabsagen geben werde, kann sich Westphal nicht vorstellen, dass diese Saison zu Ende gespielt wird. Daher plädiert der SG-Trainer dafür, so wie in Belgien die Saison endgültig zu beenden.

Tino Westphal ist Trainer des Bezirksligisten SG Castrop. © Marcel Witte © Marcel Witte

Marc Olschewski, Trainer des VfB Habinghorst, erklärt: „Die FLVW-Entscheidung, bis zum 1. April zu pausieren, ist für mich ein logischer Schritt und absolut nachvollziehbar. Dieser Schritt ist sogar einer zu wenig – ein Saison-Abbruch wie in Belgien wäre konsequenter gewesen. Denn ich glaube nicht, dass wir im April wieder Fußball spielen dürfen.“

Marc Olschewski, Trainer des VfB Habinghorst © Volker Engel © Volker Engel

Für Torsten Heermann, Trainer des C-Kreisligisten SuS Pöppinghausen, kommt die Entscheidung des FLVW, dass bis zum 1. April der Fußball ruht, nicht überraschend: „Ich habe nicht damit gerechnet, dass wir vor April spielen dürfen. Positiv ist, dass die Vereine jetzt eine gewisse Planungssicherheit haben.“ Dass diese Saison, wie jetzt in Belgien passiert, in Westfalen nicht sofort abgebrochen wird, findet Heermann völlig okay: „Spekulieren ist in Ordnung – vielleicht klappt es ja doch, dass wir eine Halbserie zu Ende spielen können.“

Torsten Heermann, Trainer des SuS Pöppinghausen. © Volker Engel © Volker Engel

Björn Brinkmann, Trainer des SuS Merklinde, ist froh, dass vom FLVW überhaupt etwas gesagt wurde: „Mich hat nur der 1. April gewundert. Was ist, wenn die Politik nach dem 14. Februar Fußball erlaubt – macht der FLVW dann eine Rolle rückwärts? Als Anhaltspunkt ist das Datum 1. April aber okay.“

Letztlich glaubt Brinkmann ich nicht, dass diese Saison zu Ende gespielt wird. Das Festhalten des FLVW, nach zwei Wochen Training wieder zu spielen, gehe gar nicht, so Brinkmann, „nach dann fünf Monaten ohne Training“. Die fairste Lösung für alle sei ein Saison-Abbruch – wie es die Belgier vorgemacht haben.

Björn Brinkmann ist Coach des SuS Merklinde © Volker Engel © Volker Engel

Steffen Golob, zusammen mit Aytac Uzunoglu Trainer beim Westfalenligisten SV Wacker Obercastrop, lehnt einen Kalt-Start mit nur zwei Wochen Training ebenfalls ab: „Da ist das Verletzungsrisiko viel zu hoch.“ Es drohen muskuläre Verletzungen en masse.

Steffen Golob (r.) trainiert mit Aytac Uzunoglu den SV Wacker Obercastrop in der Westfalenliga. © Marcel Witte © Marcel Witte

Golob: „Man kann doch nicht davon ausgehen, dass sich alle Fußballer individuell im hohem Maße fithalten. Das ist noch nicht einmal davon abhängig, ob jemand in der Kreisliga C oder in der Westfalenliga spielt.“ Der Wacker-Verantwortliche plädiert für mindestens vier Trainingswochen vor dem ersten Spieltag – besser seien gar sechs Wochen.

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Ein Journalist macht sich aus Prinzip keine Sache zu eigen, nicht einmal eine gute (dieses Prinzip ist auch das Motto des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises).
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Über 30 Jahre als Sportredakteur aktiv, bin ich nun im "Unruhestand" seit der Saison 2018/2019 als Freier Mitarbeiter für den Castroper Sport am Ball - eine neue, spannende Erfahrung. Meine journalistischen Fachgebiete sind alle Ballsportarten, die Leichtathletik und Golf. Mit den deutschen Spitzen-Fechtern war ich in den frühen 2000er-Jahren bei Welt- und Europameisterschaften in der "halben Welt" unterwegs.
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