Ein Derby mit Sprengstoff-Charakter boten sich im November 2005 der SuS Merklinde (weiße Hemden, hier mit Martin Broll) und die Spvg Schwerin. © Jens Lukas
Sportgeschichte

Vor 15 Jahren war Wacker Obercastrop nur eine kleine Nummer – und ein Derby explodierte

Im November 2005 war „Pandemie“ nur ein Fremdwort im Biologiebuch. Vor 15 Jahren war im Castrop-Rauxeler Fußball ein Club mit-tonangebend, den es nicht mehr gibt - und der SV Wacker eine kleine Nummer. Ein Rückblick mit vielen Bildern.

Während im November 2020 der Begriff Corona-Pandemie in aller Munde ist, tauchte die Vokabel Pandemie vor 15 Jahren nur im Biologie-Unterricht oder im Hollywoodfilm „Outbreak – Lautlose Killer“ (von 1995) auf. Wir schauen zurück auf das Castrop-Rauxeler Sportgeschehen im Winter 2005.

November 2005: Wackeraner sind Spitzenreiter

Das werden die Obercastroper gerne hören: Vor genau 15 Jahren waren der SV Wacker Spitzenreiter. Die Vorgänger der heutigen Westfalenliga-Kicker backten damals allerdings deutlich kleinere Brötchen als die aktuellen – in der Kreisliga A. Mittendrin als Stammspieler: der heutige Vorsitzende Martin Janicki.

Und auch der derzeitige Landesligist FC Frohlinde kickte nur im Kreisliga-Oberhaus. Kurz vor dem Jahreswechsel 2006 war der FCF Dritter mit nur einem Punkt Rückstand auf die Wackeraner. Am Ende der Saison stand für Obercastrop der Bezirksliga-Aufstieg, Frohlinde wurde Vierter.

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2005: Derby zwischen Merklinde und Spvg Schwerin

Tonangebend waren im Castrop-Rauxeler Fußball also andere Vereine. Die heimische Kicker-Zunft hatte noch keinen Westfalenligisten oder Landesligisten vorzuweisen. Dafür waren aber vier Teams aus der Europastadt in der Bezirksliga-Staffel 15 beheimatet, die es damals noch gab: die Spvg Schwerin, im November 2005 Tabellenzweiter, der VfB Habinghorst (3.) mit Trainer Dieter Beleijew, der 2012 aufgelöste SV Yeni Genclik (6.) und der SuS Merklinde (9.).

Viel Zunder stecke in den Lokalderbys in diesem Quartett. Am 4. November explodierte beinahe das Duell zwischen Merklinde und Schwerin am Fuchsweg. Beim 3:0 (1:0)-Sieg der Blau-Gelben gingen sich gar auch die Trainer Armin Theis (Merklinde) und Peter Wongrowitz (Schwerin) während der 90 Minuten mehrfach verbal an die Wäsche. Ihre Schützlinge versuchten sich oftmals beim echten Textil-Test.

Im Angriffs-Modus war im November 2005 der damalige Schweriner Trainer Peter Wongrowitz (l.) im Derby beim SuS Merklinde gegen Coach Armin Theis. © Jens Lukas © Jens Lukas

Nach ausgeglichenen ersten 15 Minuten schnürten die Schweriner die Gastgeber in deren eigener Spielhälfte ein. Zunächst allerdings ohne Tor­-Erfolg. Aber bevor die Zu­schauer mit ihrem Gesprächs­stoff zu den Themen „Lieblingsbier“ und „Kosten für das Kassen-Brillengestell“ abdrifteten, wurde es richtig bunt.

Merklindes Torwart David Kulina attackierte – nachdem er zunächst einen Ball locker abfing – urplötzlich Schwerins Stürmer Patrick Podwysocki in der Manier eines Judoka. Schiedsrichter Karsten König (Westfalia Herne) zeigte Kulina „Rot“ und verhängte einen Elfmeter. Markus Pollok verwandelte diesen gegen den neuen Keeper, Dominik Franke, zum 1:0 (30.).

Merklindes Torwart David Kulina (rotes Hemd) sah in der ersten Halbzeit die Rote Karte. © Jens Lukas © Jens Lukas

Kulina hatte seinem Team einen „Bärendienst“ er­wiesen. Denn das Theis-Team hatte die ersten vorsichtigen Aufbäumungsversuche in Richtung Schweriner Tor ge­startet. Bis zum Halbzeitpfiff stand jetzt SuS-Keeper Franken mit Paraden gegen Podwysocki im Mittelpunkt, während sich Kulina versuchte, im Streitgespräch mit Coach Theis zu rechtfertigen.

Nach dem Seitenwechsel gab es prompt die erste „Schrecksekunde“ für den Schweriner Trainer Wongrowitz (auch Trainer bei Borussia Dortmund) und den frisch operierten Coach Karsten Gowik: Michael Maier musste mit einer Platzwunde am Auge ins Krankenhaus.

Der ,Übeltäter kam aus dem eigenen Lager: Markus Pollok hatte die Stiefelspitze zu hoch angesetzt und Maier getroffen. Danach erarbeiteten sich die Schweriner drei Torchancen im Minuten-Takt. Aber Christian Grond, Marc Gerresheim und Podwysocki scheiterten an Franke, der damals vom B-Liga-Aufsteiger Victoria Ha­binghorst II gekommen war und seine Bezirksliga-Feuertaufe bravourös bestand.

Beim 2:0 (75.) durch den eingewechselten Jimmy Thimm war aber er machtlos, nachdem ihn Podwysocki mit einem Heber überspielt hatte. Armin Theis hatte den Schützen im Abseits und weitere Fehlentscheidungen gesehen. Schwerins Wongrowitz kam daraufhin wenig später zu einem „Gespräch unter Fachmännern“ zur Merklinder Bank geeilt. Der Trainer-Disput wurde wieder zum Nebenschau­platz, als Schwerins Podwysocki gegen seinen alten Stammverein zum 3:0 (80.) traf.

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Lokalsport Castrop-Rauxel
Ein Journalist macht sich aus Prinzip keine Sache zu eigen, nicht einmal eine gute (dieses Prinzip ist auch das Motto des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises).
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