Schotten dicht: Die Platzanlage des FC Rot-Weiss Dorsten war nur für wenige Tage wieder geöffnet. © Ralf Pieper
Corona-Lockerungen

Fußballer stürmen den Platz des FC RW Dorsten

Den Platz öffnen, damit wenigstens die Läufer ihre Runden drehen können? Nichts würde der FC Rot-Weiss Dorsten lieber tun. Doch die letzten Tage haben gezeigt: Es geht einfach nicht.

Stefan Cremer hatte es vielleicht geahnt. Als es Anfang der Woche der Woche darum ging, ob der FC Rot-Weiss Dorsten seine Anlage am Jahnplatz fürs Fußball-Einzeltraining öffnen sollte, verwies der FC-Vorsitzende auf die vergangenen Monate, als die Anlage ja geschlossen war: „Selbst da sind immer wieder Leute über den Zaun gestiegen und haben zu acht oder zu zehnt gekickt.“ Doch was Cremer in dieser Woche erleben musste, sprengte alle Vorstellungskraft.

„Da waren 60, 70, 80 Leute – in erster Linie Jugendliche – auf dem Platz“, berichtete er am Freitagmorgen im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Konsequenz des Vereins: Der FC machte die Öffnung der Anlage für Läufer, die auf der Aschebahn ihre Runden drehen, umgehend rückgängig. „Schade für die Läufer“, so Cremer, „aber wir kapitulieren vor der Unvernunft.“

Der FC-Vorsitzende ärgert sich: „Das ist wirklich an Dummheit nicht zu überbieten. Selbst wenn man Corona leugnet oder den Querdenkern nahe steht, sollte man doch einsehen, dass solch ein Verhalten einfach nicht geht.“

Der Stadt teilte der FC Rot-Weiss seinen Entschluss bereits am Donnerstag mit. Damit wird sogar eine Vorschrift außer Kraft gesetzt, die eine Verbindung der Straßen „Am Jahnplatz“ und „In der Miere“ quer über das Sportplatzgelände vorsieht. „Da geht natürlich die aktuelle Coronaschutzmaßnahme vor“, erklärte Dorstens Sportkoordinator Michael Maiß: „Die Anlage muss abgeschlossen werden, die Leute müssen dann den kleinen Umweg um den Platz herum in Kauf nehmen.“

Maiß: „Verantwortlichkeit bei den Vereinen“

Michael Maiß will die Situation am Jahnplatz natürlich im Auge behalten: „Ich werde die Dorstener Sportanlagen weiter zu unterschiedlichen Zeiten abfahren und kontrollieren.“ Bei den bisherigen Kontrollrunden waren dem Sportkoordinator keine Verstöße gegen die geltenden Coronaschutzbestimmungen aufgefallen. „Die Verantwortlichkeit für die Kontrollen haben wir ja den Vereinen übertragen.“ In der entsprechenden Presseerklärung der Stadt hatte Maiß dazu erklärt: „Nur sie können gewährleisten, dass die geltenden Regeln eingehalten werden.“ Maiß und Bürgermeister Tobias Stockhoff appellierten an die Sportler, „jegliche Entscheidungen der Vereine zu akzeptieren. Es sollte jedem klar sein, dass eine dauerhafte Überwachung von ehrenamtlichen Vereinsvorständen nicht zu jeder Zeit zu realisieren ist.“

Auf Anfrage unserer Redaktion kündigte die Stadt am Freitag allerdings an, dass der Kommunale Ordnungsdienst ein besonderes Augenmerk auf die Sportanlage am Jahnplatz haben werde. „Der K.O.D. reagiert stets auf die aktuelle Lage und richtet seine Kontrollen danach aus. Er nimmt den Jahnplatz in seine Runde auf“, sagte Dorstens Pressesprecher Ludger Böhne.

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Sportredaktion
Sport ist für den Wulfener nicht nur ein wichtiger Bestandteil seines Arbeitslebens. Seit 1993 schreibt er als Mitarbeiter der Dorstener Zeitung über das Sportgeschehen in der Lippestadt, seit 1999 ist er als Redakteur für den Lokalsport in der Lippestadt verantwortlich. Dabei fasziniert ihn besonders die Vielfalt der Dorstener Sportszene, die von Fußball bis Tanzen und von Basketball bis Kitesurfen reicht.
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