Roman Humenscheimer (l.) und der FC Nordkirchen sind Tabellenführer in der Bezirksliga 9, doch andere Teams haben auf sich aufmerksam gemacht. © Nico Ebmeier
Fußball

Unruhen und Oberliga-Neuzugänge: Die Aufstiegskandidaten der Bezirksliga 9 im Check

Nordkirchen, Roj und Mengede. Das waren die Namen, die vor der Saison eigentlich Jeder auf dem Aufstiegszettel hatte. Nach einem langen Winter könnten aber noch andere Teams oben mitmischen.

Hätte es im Juli oder August 2020, wenige Wochen vor dem Start in eine hoffentlich corona-freie Bezirksligasaison, eine Trainerumfrage gegeben, wer denn wohl am Ende ganz oben im Tableau stehen würde, wären die Antworten wahrscheinlich eindeutig gewesen. Nach einem langen Winter, vielen Transfers und ein paar Unruhen bei den Aufstiegskandidaten, könnten sich aber plötzlich neue Mannschaften in den Vordergrund spielen. Immer unter der Voraussetzung, dass der Ligabetrieb in Westfalen irgendwann nochmal starten wird.

FC Nordkirchen – Platz 1, 8 Spiele, 19 Punkte Den Aufstieg als wirkliches Ziel ausgesprochen hatte beim Staffelwechsler aus Nordkirchen vor der Saison niemand. Dennoch war natürlich klar, dass mit dieser Mannschaft, die in den vergangenen zwei Jahren nur knapp am Aufstieg gescheitert war und sich nun auch noch hochkarätig verstärkt hatte, die Spitze angepeilt werden musste.

Zum Lockdown führt der FCN die Bezirksliga-Tabelle nun auch an und träumt von der Landesliga, doch der Winter verlief ganz und gar nicht nach dem Geschmack von Trainer Mario Plechaty und Co. Mit Top-Torjäger Daniel Krüger sowie Thomas Eroglu, Philipp Sandhowe und Tim Bröer vermeldeten gleich vier Stammkräfte ihre Sommerabgänge zum SV Herbern. Das überraschte selbst den Coach. Zwar werden diese Spieler alle noch den Ligaendspurt mit Nordkirchen angehen, etwas Unruhe in die sonst ruhigen Gewässer brachten diese Nachrichten aber dennoch.

Auf der Habenseite steht vor Allem die Verpflichtung von Viktor Schumacher. Der Ex-Westfalenliga-Spieler kommt aus der Fußball-Rente und möchte den Tabellenführer sofort zum Aufstieg verhelfen. Zusätzlich glich die Mannschaft zwischenzeitlich einem Lazarett und man ist beim FCN mehr als froh, wenn alle verletzten Spieler wieder zur Verfügung stehen.

Sollten die Sommer-Abgänge ihre Vor-Corona-Form bestätigen, bleibt Nordkirchen also der klare Favorit auf den Aufstieg. Denken Krüger und Co. allerdings schon an die Landesliga im Herbern-Dress, könnte es eng werden.

FC Roj – Platz 2, 7 Spiele, 16 Punkte

Neben Nordkirchen war der FCR der zweite große Aufstiegsfavorit vor der Saison und zumindest mit einem Sieg im Nachholspiel steht man dem Tabellenführer punktetechnisch auch in nichts nach. Doch ähnlich wie beim großen Konkurrenten gab es auch in Roj ein paar Nachrichten, die Unruhe in den Verein brachten. Gleich sechs Spieler verließen den Dortmunder Verein Anfang Januar – drei wechselten und drei wurden suspendiert. Gerade die Suspendierungen weisen darauf hin, dass bei Roj aktuell nicht unbedingt alles perfekt läuft.

Auf der anderen Seite vermeldeten die dortigen Verantwortlichen aber auch echte Kracher-Neuzugänge, die den Tabellenzweiter am Liebsten sofort nach ganz oben katapultieren sollen. Mit Rody Daruesh angelte sich Roj einen vielversprechenden Bezirksliga-Spieler, mit Hakan Cevirme kam sogar Verstärkung aus der Landesliga.

Noch mehr Hoffnung bringt allerdings der Transfer von Adjany Ibeme. Der Ex-Wattenscheider spielte bis zum Lockdown in der Oberliga und könnte eine entscheidende Stütze im Aufstiegskampf werden. „Wir müssen in die Landesliga“, zeigte der Sportliche Leiter Nagdet Magid dieser Zeitung den klaren Weg für die restlichen Spiele.

Es bleibt also abzuwarten, wie stark sich die teaminternen Unruhen auf die Ergebnisse auswirken werden. Zumindest qualitativ steht Roj nun aber sicher mindestens auf einer Ebene mit dem Ligaprimus aus Nordkirchen.

Mengede 08/20 – Platz 3, 6 Spiele, 15 Punkte

Ähnlich wie beim Tabellenführer geht man auch beim Dritten aus Mengede ohne echten Druck in die entscheidenden Spiele. „Wir würden den Aufstieg mitnehmen, aber er ist kein Muss“, sagte der Sportliche Leiter Joachim Kerner im Januar. Und dabei wären die Dortmunder mit zwei Siegen in den Nachholspielen sogar Spitzenreiter der Staffel 9. Auch sonst zeigen sich die Rot-Gelben sehr gelassen in der Corona-Phase, verlängerten gleich mit 19 Spielern und auch sehr wahrscheinlich bald mit dem Trainerteam.

In diesem Winter wird außerdem kein Spieler den Tabellendritten verlassen und es wurde auch kein Neuer geholt. Auch im kommenden Sommer wird die Mannschaft nur durch einen A-Jugendlichen sowie einen bisher noch namenlosen Abwehrspieler verstärkt. Es wird also auf Kontinuität und Ruhe gesetzt.

TuS Eichlinghofen, RW Germania, Blau Gelb Schwerin

Während dem TuS Eichlinghofen schon von Beginn an durchaus Chancen zugesprochen wurden, die „Großen Drei“ der Bezirksliga 9 zu ärgern, wussten RW Germania und Blau Gelb Schwerin ordentlich zu überraschen. Besonders Letztere hätten mit ein wenig Glück so richtig für Furore sorgen können, denn gegen Roj verlor man in einem hochklassischen Schlagabtausch knapp mit 2:4 und Nordkirchen brauchte einen Elfmeter in der Nachspielzeit, um überhaupt einen Punkt zu retten.

Im Winter blieb es allerdings bei allen drei Teams ruhig. Die meisten Spieler verlängerten und auch sonst werden bei einem möglichen Re-Start keine neuen Gesichter zu sehen sein. Eine etwas größere Meldung gab es vor wenigen Wochen nur aus Eichlinghofen. Trainerlegende Marc Risse wird dort nämlich im Sommer sein Traineramt abgeben und durch Marc Neul ersetzt.

Die größte Chance, die Teams an der Spitze zu ärgern, wird dennoch wohl weiterhin die Spielvereinigung Blau Gelb Schwerin haben, die bei erfolgreichen Nachholspielen sogar mit Nordkirchen gleichziehen könnten. Deshalb hat man die Nachrichten dort auch besonders interessiert beobachtet. „Es wird in Nordkirchen zur Charakterfrage, ob diese Spieler noch etwas erreichen wollen oder nicht“, so Trainer Dennis Hasecke. Sonst könnten die Schweriner zum lachenden Dritten werden.

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Gebürtig aus dem wunderschönen Ostwestfalen zog es mich studienbedingt ins Ruhrgebiet. Seit ich in den Kinderschuhen stand, drehte sich mein ganzes Leben um Sport, Sport und Sport. Mittlerweile bin ich hierzulande ansässig geworden und freue mich auf die neuen Herausforderungen in der neuen Umgebung.
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