Pascal Formann war zu Gast im Podcast von Stephan Schäuble. © Pascal Formann
Fußball

Wie Zähneputzen: Profi-Torwarttrainer Pascal Formann über das richtige Training in der Kreisliga

Im zweiten Teil des „Im Kopf des Trainers“-Podcasts spricht der Südkirchener über Elfmeter, das perfekte Timing und den Unterschied zwischen England und Deutschland.

Jeden Montag spricht der Journalist Stephan Schäuble für seinen „Im Kopf des Trainers“-Podcasts mit Fußballtrainern aus allen Bereichen des Sports. Vor knapp zwei Wochen war dann der Südkirchener Pascal Formann, bekanntlich Torwarttrainer beim Bundesligisten VfL Wolfsburg, zu Gast. In dieser Woche ging nun Folge Zwei des Podcasts online und darin sprach er über Elfmetertraining und vor allem die richtige Ausbildung von jungen Torhütern.

Zuerst ging es dabei im Gespräch mit Stephan Schäuble um das Elfmetertraining, denn gerade hier scheinen deutsche Torhüter besonders gut trainiert zu sein. Wolfsburgs Torwart Koen Casteels hielt in dieser Saison auch schon immerhin zwei Strafstöße.

„Wirklich Elfmeter zu trainieren macht eigentlich keinen Sinn“, erklärt Pascal Formann aber. „Letztendlich ist es meistens Instinkt des Torwarts, weil die Spieler in der Bundesliga einfach zu gut sind, um sich wirklich darauf einzustellen. Als Tipp für die Kreisliga kann man aber durchaus sagen, dass die Spieler meistens über ihr Standbein schießen. Das bedeutet, dass Rechtsfüße vorrangig ins rechte Towarteck schießen und Linksfüße in die linke Ecke. Das hängt ganz einfach damit zusammen, dass du so viel härter schießen kannst und so vielleicht sogar treffen kannst, selbst wenn der Torwart in der Ecke ist.“

Torwarttraining ist wie Zähneputzen bei Kindern

Anders als das Elfmeterschießen trainiert Formann mit den Wolfsburgern aber immer wieder das Torwart-Timing. Für den Südkirchener der wichtigste Teil einer Keeper-Einheit. „Der Torwart muss in jeder Sekunde wissen, wo er sich gerade befindet und wann er wie abspringen muss. Das ist eigentlich für das Torwartspiel das A und O.“, so der Bundesliga-Coach, der auch einen Tipp hat, wie gutes Timing bestmöglich beigebracht werden kann.

„Letztendlich ist das wie Zähneputzen bei Kindern. Man muss es jeden Tag, bei jeder Einheit trainieren. Immer wieder die gleiche Übung mit mehreren Wiederholungen. Man fängt dann vielleicht erst mit leichteren Übungen an und steigert sich dann immer weiter“, so der 38-Jährige.

Eine häufig gestellte Frage bei der Torhüter-Ausbildung ist dazu, wann der perfekte Zeitpunkt ist, um mit dem positionsspezifischen Training anzufangen. Auch der Wolfsburger hat da keine genauen Ideen: „Ich weiß zum Beispiel, dass in Bayern häufig ohne Torwart gespielt wird, aber generell würde ich sagen, dass man schon in der U12 mit dem Torwarttraining anfangen kann. Wichtig ist immer, dass die Spieler Spaß haben. Dann sind sie mal beim Training Manuel Neuer und Roman Bürki. Gerade zu Beginn sollte die Technik nicht immer im Vordergrund stehen.“

„Vielleicht schaut er sich im Fernsehen was von seinen Idolen ab“

Eben durch solche Spielchen könnten die Trainer dann schnell erkennen, ob ihre Spieler das „Zeug zum Torwart“ haben. „Ich glaube schon, dass man das erkennt. Das fängt damit an, ob sich die Kinder zum Training vernünftig kleiden und vielleicht schon früh Handschuhe kaufen. Vielleicht schaut er sich im Fernsehen dann auch mal was von seinen Idolen ab und bringt das auf den Platz.“

Im Podcast von Stephan Schäuble haben dazu Hörer auch die Möglichkeit, dem Gast ein paar Fragen zu stellen. Bei Pascal Formann ging es meistens um den Vergleich zwischen Deutschland und England. Schließlich spielte und trainierte Formann insgesamt knapp zehn Jahre auf der Insel.

„Es wird immer oft gesagt, dass die englischen Torhüter schlechter sind, als die Deutschen. Das stimmt aber sicher so nicht. Sie haben leider oft bei größeren Spielen gepatzt und das brennt sich dann im Kopf ein. Generell sind sie aber alle sehr schnell und vor allem auch fußballerisch super ausgebildet.“

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Gebürtig aus dem wunderschönen Ostwestfalen zog es mich studienbedingt ins Ruhrgebiet. Seit ich in den Kinderschuhen stand, drehte sich mein ganzes Leben um Sport, Sport und Sport. Mittlerweile bin ich hierzulande ansässig geworden und freue mich auf die neuen Herausforderungen in der neuen Umgebung.
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