51-Jähriger bringt angeblich eine Bombe ins Rathaus und nennt das „Sicherheitskontrolle“

hzGerichtsprozess

Mit einem Karton ist ein 51-Jähriger im Juli 2019 ins Stadtlohner Rathaus gekommen. Angeblich sollte sich darin eine Bombe befinden. Vor Gericht erklärte er, das sei ein Test gewesen.

Stadtlohn

, 23.09.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Darf ich den Beutel hier ablegen?“, fragt der Angeklagte, als er den Saal am Amtsgericht Ahaus betritt. „Der ist auch kontrolliert worden“, ergänzt er. „Ja, da muss man bei Ihnen ja vorsichtig sein“, meint der Richter.

Der 51-jährige Stadtlohner ist angeklagt, weil er im Stadtlohner Rathaus behauptet hat, er habe eine Bombe dabei. Die Juristen nennen das Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten.

Angeklagter wollte eigentlich nur Fundsachen im Rathaus abgeben

Das Ganze hat sich am 8. Juli 2019 abgespielt. „Ich habe einen Karton mit Schuhen, eine Gabel und eine Gertänkedose gefunden“, erzählt der Stadtlohner. Er wollte die Fundsachen im Stadtlohner Rathaus abgeben. „Da habe ich mir gedacht, ich mache mal eine Sicherheitskontrolle“, erzählt der Angeklagte vor Gericht.

Gegenüber einer Mitarbeiterin im Rathaus behauptete er, dass es in dem Karton ticke, weil sich darin eine Bombe befinde. „So viele Leute sind nicht vorbereitet, das haben die letzten Jahre ja gezeigt. Ich weiß, dass das der völlig falsche Weg war, aber damals habe ich gedacht, es ist meine Aufgabe, die Sicherheit zu überprüfen“, berichtet der 51-Jährige.

Psychische Probleme und rechtliche Betreuung

Nach eigenen Angaben habe er sich zum Tatzeitpunkt in einer „manischen Phase“ befunden. Seit 22 Jahren ist er wegen verschiedener psychischer Krankheiten auf Medikamente angewiesen, wurde immer mal wieder unter rechtliche Betreuung gestellt.

„Immer wenn Sie Ihre Medikamente nicht nehmen, geht es bergab mit Ihnen“, sagt der Richter nach einem Blick in die Akten. Deswegen will er wissen, wie es ihm am Tag der Tat ging. „Ich würde sagen, ich bin zu 50 Prozent straffähig“, antwortet der Angeklagte. „Ich will keinen Freispruch erwirken, ich will das auch nicht auf die Krankheit schieben. Das war total irre, was ich da gemacht habe.“

Stadtlohner gesteht vor Gericht weitere Taten

Im Moment nimmt er wieder Medikamente und hat eine rechtliche Betreuerin. Vor Gericht macht er einen halbwegs klaren Eindruck, auch wenn er sich offenbar einiges von der Seele reden will. So erzählt er, dass er noch weitere „Sicherheitskontrollen“ durchgeführt habe. Bei Banken habe er die Geldautomaten verstopft, an Bushäuschen die Scheiben und Fahrpläne beschädigt. „Ich habe alles verwüstet. Ich habe noch viel mehr Schaden angerichtet als mir vorgeworfen wird.“

Der Richter macht zu all dem eine klare Ansage: „Niemand braucht Sie, um Banken und Stadtzentren zu kontrollieren.“ Weil ein erstes Gutachten ergeben hat, dass das kritische Urteilsvermögen des Angeklagten eingeschränkt und zum Teil aufgehoben ist, stellt sich dem Richter die Frage nach der Schuldfähigkeit.

Gutachter soll die Schuldfähigkeit bewerten

Deswegen wird das Verfahren ausgesetzt und überprüft, ob der 51-Jährige zum Tatzeitpunkt schuldfähig war. Bei einem neuen Termin in drei bis vier Monaten werden dann vermutlich auch die weiteren Straftaten mitverhandelt. Eines gab der Richter dem Mann mit auf den Weg: „Nehmen Sie auf jeden Fall Ihre Medikamente weiter.“

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