Abfallgebühren in Stadtlohn sinken – trotzdem müssen Bürger mehr zahlen

hzMüllentsorgung

Obwohl die Stadtlohner für das kommende Jahr weniger Geld für die Entsorgung ihres Mülls bezahlen müssen, entstehen ihnen in der Summe dennoch höhere Kosten – weil eine andere Gebühr steigt.

Stadtlohn

, 03.12.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was auf den ersten Blick gut klingt, hat auf den zweiten Blick aber kaum Auswirkungen für das Portemonnaie der Stadtlohner: Obwohl die Abfallgebühren für das kommende Jahr sinken, müssen die Stadtlohner trotzdem (etwas) tiefer in die Tasche greifen.

Der Grund dafür: Die Schmutzwassergebühr steigt – und zwar in so einem Maße, dass die niedrigeren Müllgebühren weniger ins Gewicht fallen. Am Beispiel eines Vier-Personen-Haushalts bedeutet das einen minimalen Anstieg der Kosten. Ein Durchschnittshaushalt zahlt im kommenden Jahr 1,60 Euro mehr (siehe Beispiel im Infokasten).

Erste Erhöhung seit 2016

Bei der Schmutzwassergebühr müssen die Statdlohner im kommenden Jahr mehr Geld in die Hand nehmen. Der aktuelle Preis von 2 Euro pro Kubikmeter steigt 2020 um 14 Cent auf 2,14 Euro pro Kubikmeter.

Unter Berücksichtigung, dass die Schmutzwassergebühr letztmalig in 2016 angehoben worden ist und in Zukunft mit weiteren Kostensteigerungen zu rechnen ist, erfolgt die Anhebung – heißt es in der Festsetzung der Kanalbenutzungsgebühren für das Jahr 2020.

Rücklagen aufgebraucht

Der Grund für die Erhöhung liegt bei den Kläranlagen. „In den vergangenen Jahren wurde viel Geld in saubere Kläranlagen investiert. Dadurch hatten wir als Stadt eine geringere Abgabe, da das Wasser sehr rein war“, erklärt Matthias Wesker. Dadurch wurden Rücklagen gebildet, die bereits im vergangenen Jahr aufgebraucht waren – deswegen die Erhöhung der Gebühren.

Dagegen sinken die Beiträge für die Müllentsorgung: Für eine 80 Liter-Restmülltonne, die von den Anwohnern am häufigsten genutzt wird, fallen die Beiträge um über zehn Prozent: Mussten im Jahr 2019 noch 160,80 Euro bezahlt werden, sind im kommenden Jahr nur noch 144 Euro fällig. Bei der großen 240-Liter-Restmülltonne sinkt die Gebühr sogar um fast 20 Prozent: 272,40 Euro statt aktuell 338,40 Euro.

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Auch die Beseitigung des Biomülls wird günstiger: Die Entsorgung der 80-Liter-Biotonne kostet im kommenden Jahr nur noch 64,80 Euro statt bisher 75,60.

Die Senkung der Abfallgebühren hat in erster Linie zwei Ursachen: Zum einen entfallen für die Stadt die Nachsorgekosten für die Deponien im Kreis Borken. Bislang wurde hierfür seit dem Jahr 2011 vom Kreis ein Betrag von 8 Euro je Einwohner erhoben. „Die Maßnahme wurde damals beschlossen, weil die Pflege der Deponien finanziell aufwendiger war als gedacht“, erklärt Karlheinz Gördes, Pressesprecher des Kreises Borken.

Abfallgebühren in Stadtlohn sinken – trotzdem müssen Bürger mehr zahlen

In Stadtlohn wird die Papiertonne alle vier Wochen abgeholt. © Markus Gehring

Von Anfang an wurde jedoch beschlossen, dass die Nachsorgekosten auf einen Zeitraum befristet sind. „Jetzt ist die Zeit abgelaufen und damit entfällt die Gebühr“, sagt Karlheinz Gördes.

Ein weiterer Grund, der zur Senkung der Abfallgebühren beigetragen hat: das Entsorgungsverhalten der Stadtlohner in Sachen Sperrmüll. „Dadurch, dass etwa 60 Prozent der Bewohner ihren Sperrmüll selbst zum Wertstoff bringen, wirkt sich das auf die Abholkosten der Stadt aus, die damit geringer werden“, erklärt Matthias Wesker, Kämmerer der Stadt. Die Stadt kalkuliere hierbei mit 50 Prozent, die selbst zum Wertstoffhof fahren.

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Zudem wurde in Stadtlohn vor einiger Zeit beschlossen, dass eine Entsorgung des Sperrmülls nicht zu festen Terminen im Jahr möglich ist, sondern die Bewohner selbstständig zweimal im Jahr eine Abholkarte ausfüllen können. Diese wird dann im Rathaus abgegeben und die Abholtermine werden dem Abfallbesitzer rechtzeitig mitgeteilt, wie auch auf dem Abfallkalender der Stadt beschrieben wird.

„An die neuen Reglungen bezüglich des Sperrmülls mussten sich die Stadtlohner erst mal gewöhnen. Daher ging die Menge des Sperrmülls im vergangenen Jahr deutlich zurück, in diesem Jahr hat sich der Umfang aber wieder dem langjährigen

Durchschnitt angepasst“, beschreibt Matthias Wesker die Situation.

Abfallgebühren in Stadtlohn sinken – trotzdem müssen Bürger mehr zahlen

In Stadtlohn wird der Müll in vier unterschiedlichen Tonnen entsorgt: eine für Restabfall, eine für den Biomüll, eine für Papier und eine für den gelben Sack. Ab 1. Januar 2020 gibt es dann die gelbe Tonne für den Plastikmüll. © Markus Gehring

Weitere gute Nachrichten für die Stadtlohner Bevölkerung: Wenn Bewohner die Größe ihrer Mülltonne – unabhängig ihrer Art – ändern wollen, bleibt dieser Tausch kostenlos. „Ein Wechsel einer Mülltonne fällt meist an, wenn sich Säuglinge oder Senioren im Haushalt befinden“, sagt der Kämmerer. Zudem bleibt die Abholung der Papiertonne kostenlos.

Veränderung Abfall- und Schmutzwassergebühren

  • Ausgangspunkt: ein Musterhaushalt mit vier Personen [zwei Erwachsene und zwei Kinder], dazu Durchschnittswerte beim Verbrauch
  • Verbrauch: 200 m³ Schmutzwasser, 130 m² versiegelte Fläche für Niederschlagswasser
  • Abwasserbeseitigungsgebühren: 2019: 492,30 Euro; 2020: 520,30: Anstieg um 28 Euro.
  • Abfallbeseitigungsgebühren (Beispiel: 80 Liter-Biotonne und einer zweiwöchentlichen Leerung): 2019: 75,60 €; 2020: 66 Euro. Verbraucher sparen hierbei 9,60 Euro.
  • Abfallbeseitigungsgebühren (Beispiel: 80 Liter-Restmülltonne bei zweiwöchentlicher Leerung): 2019: 160,80 €; 2020: 144€ in 2020. Verbraucher sparen hierbei 16,80 Euro.
  • Papier- und Sperrmüllentsorgung bleiben kostenlos.
  • Insgesamt fielen so in 2019 für einen Musterhaushalt Gebühren von insgesamt 728,70 Euro an, die in 2020 um 1,60 Euro – das entspricht 0,2 Prozent – auf jährlich 730,30 Euro steigen werden.
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