Abrissbagger sind bestellt: Alte Lichtgitter-Hallen sollen für Wohnbebauung weichen

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Die Tage der alten Lichtgitter-Hallen an der Kreuzstraße sind gezählt. Bald soll eine Wiese grünen, wo jetzt noch Betonplatten dominieren. Fernziel aber ist der Bau neuer Wohnhäuser.

Stadtlohn

, 16.01.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Umsäumt von grünen Gärten und Einfamilienhäusern liegt mitten in Stadtlohn eine graue Industriebrache. Auf über 10.000, zu weiten Teilen betonierten Quadratmetern stehen verlassene und marode Werkshallen und Verwaltungsgebäude. Auf einigen Dächern schlagen schon Bäume und Gebüsch ihre Wurzeln.

Abrissbagger sind bestellt: Alte Lichtgitter-Hallen sollen für Wohnbebauung weichen

Das ehemalige Betriebsgelände der Firma Lichtgitter an der Kreuzstraße grenzt unmittelbar an die Wohnbebauung. Auch auf dem ehemaligen Gewerbegrundstück sollen demnächst Wohnbaugrundstücke ausgewiesen werden. © Geodaten Kreis Borken

In den alten Industriehallen der Firma Lichtgitter an der Kreuzstraße wird schon lange nichts mehr produziert. Das Stadtlohner Vorzeige-Unternehmen ist schon seit über 40 Jahren an der Siemensstraße erfolgreich tätig. Die Hallen an der Kreuzstraße dagegen stehen seit Jahren leer. Ein nagelneuer Bauzaun aber zeigt nun an, dass sich hier bald etwas tun wird.

Schweres Gerät rollt in den nächsten Wochen an

„Ja, jetzt geht es los. Der Auftrag für den Abriss ist vergeben“, sagte Lichtgitter-Geschäftsführer Hermann Stengel am Mittwoch auf Anfrage unserer Redaktion. In aktuellen Baubesprechungen werde noch geklärt, wie einige Asbest-Hotspots eingehaust und fachgerecht entsorgt werden können.

Danach kann das schwere Gerät anrollen. Das könnte in zwei oder drei Wochen der Fall sein. Größere Altlastenprobleme bei der Bodenentsorgung erwartet Hermann Stengel nicht. Die Voruntersuchungen hätten jedenfalls keine Hinweise darauf ergeben.

Grüne Wiese im Mai

Im Mai, so Hermann Stengel, sollen die Hallen verschwunden sein. Dann werde eine grüne Wiese eingesät. Das ist aber nur eine Zwischenlösung, allerdings auf unbestimmte Zeit. Stengel: „Das Areal ist aus unserer Sicht bestens für eine Wohnbebauung geeignet: relativ ruhig und in guter Innenstadtlage.“ Die Fläche grenzt im Süden an den Radweg auf der alten WLE-Trasse und bis zum Markt sind es gerade mal 400 Meter.

Abrissbagger sind bestellt: Alte Lichtgitter-Hallen sollen für Wohnbebauung weichen

Die Werkshallen auf dem ehemaligen Betriebsgelände von Süden (Radweg) aus gesehen. © Stefan Grothues

Gibt es einen Zeitplan für die Bebauung? „Nein“, sagt Hermann Stengel, „das kann noch Jahre dauern.“ Schließlich fehle für diese Fläche noch ein Bebauungsplan. Jetzt seien erst die Stadt Stadtlohn, der Kreis und die Bezirksregierung am Zuge, die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die Entwicklung eines Wohngebietes zu schaffen.

Stadt begrüßt Wohnbaupläne

„Wir freuen uns, dass der Auftrag für den Abriss jetzt vergeben ist und dass es nun vorangeht“, erklärte Günter Wewers, der Erste Beigeordnete der Stadt Stadtlohn auf Anfrage unserer Redaktion. Die Stadt begrüße die Schaffung von neuen Wohnbauflächen an dieser Stelle.

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Die Vorteile liegen auf der Hand: An der Kreuzstraße können im Zuge der Innenverdichtung zentrumsnah Wohnbaugrundstücke geschaffen werden, ohne zusätzliche Flächen zu versiegeln. Im Gegenteil: Durch den Bau von Wohnhäusern mit Gärten könnten unterm Strich sogar Fläche entsiegelt werden.

Abrissbagger sind bestellt: Alte Lichtgitter-Hallen sollen für Wohnbebauung weichen

Warnschilder weisen auf die kommenden Abbrucharbeiten an der Kreuzstraße hin. © Stefan Grothues

Wewers: „Wir sind überzeugt davon, dass in diesem Bereich zwischen Kreuzstraße, Owwering und Südring Wohnen besser hinpasst als Gewerbe.“ Das sehe auch die Politik in Stadtlohn so. Darum erwarte er eine baurechtliche Anpassung.

Die Stadt sei mit dem Eigentümer in Abstimmungsgesprächen über die Zukunft des Areals. Denn noch ist nicht entschieden, wie der Wohnungsbau auf dem Areal entwickelt werden soll. Die Frage, ob das Unternehmen Lichtgitter die Fläche an die Stadt Stadtlohn verkaufen wird oder das Wohnbauprojekt in Eigenregie entwickelt und vermarktet, sei noch offen, so der Erste Beigeordnete.

Städtebaulicher Rahmenplan bezieht auch das Spahn-Areal mit ein

Im übrigen so Wewers, sei die Entwicklung der Lichtgitter-Brache auch im Zusammenhang mit der benachbarten Spahn-Brache zu sehen. Die Stadtlohner CDU hatte schon 2018 beantragt, einen städtebaulichen Rahmenplan für das rund 30.000 Quadratmeter große Areal nördlich der Bahnallee zu entwickeln. „Die Vorabplanungen laufen bereits“, sagte Fachbereichsleiter Mathias Pennekamp im Oktober. „2020 werden wir für das Spahn-Areal in die Bauleitplanung einsteigen.“

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Die Überplanung des Lichtgitter-Areals könnte übrigens auch noch etwas Plätscherndes ans Tageslicht bringen: Stadtlohns versteckter Bach, die Garwerts Mähre, fließt in diesem Bereich unterirdisch kanalisiert. Hermann Stengel: „Wir wissen noch nicht genau, wie wir damit umgehen müssen.“

Möglicherweise sei man im Rahmen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie verpflichtet, den Bachlauf im Zuge der Neugestaltung freizulegen und zu renaturieren. Hermann Stengel: „Das hätte den Nachteil, dass Flächen für die Wohnbebauung verloren gingen. Andererseits würde es die Attraktivität des künftigen Wohngebietes erhöhen.“

Kleine Lichtgitter-Chronik

  • 1929 wurde das Unternehmen Lichtgitter in Stadtlohn gegründet. Karl Martin hatte seinerzeit einen englischen Unternehmer, der Gitterroste produzieren wollte, auf das Betriebsgelände an der Kreuzstraße aufmerksam gemacht. Hier hatte die Familie Martin zuvor eine Stuhlfabrik betrieben, der die Weltwirtschaftskrise zum Verhängnis geworden war.
  • 1945 wurde die Produktionsstätte an der Kreuzstraße bei Fliegerangriffen auf Stadtlohn völlig zerstört. Aus diesem Grund wird der Kampfmittelräumdienst das Gelände noch eingehend auf mögliche Blindgänger untersuchen müssen.
  • 1955 übernahm Dr. Hans Martin die Geschäftsführung des damals kränkelnden Unternehmens und führte es zu dauerhafter Blüte.
  • 1977/78 zog das Unternehmen von der Kreuzstraße zum neuen Standort an der Siemensstraße. Die alten Hallen wurden bis 2017 nur noch als Lagerstätte genutzt.
  • Heute ist die Lichtgitter-Gruppe international tätig. Sie beschäftigt im Westmünsterland mehr als 700 Mitarbeiter und 1300 weltweit.
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