Seit 1979 knüpft der AIW Netzwerke in der Region. Zum 40. Geburtstag des Unternehmensverbandes spricht Geschäftsführer Andreas Brill über eine Erfolgsregion und das digitale Niemandsland.

Stadtlohn

, 27.11.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Andreas Brill führt seit dreieinhalb Jahren den Unternehmensverband AIW (Aktive Unternehmen im Westmünsterland). Nach Jahren des Mitgliederschwunds haben Brill und sein Team den Verband in die Erfolgsspur zurückgebracht. Aus Anlass des 40-jährigen Verbandsbestehens haben wir mit Andreas Brill gesprochen.

AIW knüpft Netzwerke in einer Erfolgsregion – und im digitalen Niemandsland

Den Unternehmen in der Region – hier ein Blick auf das Stadtlohner Gewerbegebiet – beweisen wirtschaftliche Stärke. „Aber wir müssen sehr viel tun, damit das so bleibt“, sagt AIW-Geschäftsführer Andreas Brill. © Bernd Schlusemann

Der AIW wird 40 Jahre alt. Was haben Sie eigentlich 1979 gemacht?

(lacht) Oh, da muss ich mal kurz überlegen ... Ich habe damals in Köln in der Mineralölbranche gearbeitet. Ich war 23. Davor hatte ich eine Lehre zum Groß- und Einzelhandelskaufmann gemacht, und zwar bei Klöcker in Borken. Das Unternehmen ist auch im Mineralölbereich tätig. Dorthin bin ich 1982 auch wieder zurückgekehrt. Und da habe ich die ganze Karriere durchlaufen: vom Sachbearbeiter bis zum alleinvertretungsberechtigten Geschäftsführer.

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Was hat die AIW-Gründer vor 40 Jahren angetrieben?

Mit Zeitzeugen konnten wir jetzt zum Jubiläum leider nicht mehr sprechen. Die Gründer waren damals ja alle schon über 50 Jahre alt. Aber wir kennen natürlich die Historie unseres Verbandes. Einige große Unternehmen wie van Delden und Amoco in Gronau haben sich zu einem Industrieverein zusammengeschlossen. Damals ging es nicht nur um den Austausch von Ideen und Erfahrungen, sondern auch konkret um gemeinsamen Einkauf von Energie.

Wie wurde denn aus dem Industrieverein Gronau der Unternehmensverband Aktive Unternehmen im Westmünsterland?

Der Verband hat sich sukzessive geöffnet, allen Branchen und auch mittleren und kleineren Unternehmen. Und geographisch. Heute decken wir den ganzen Kreis Borken ab. Seit dem Umzug nach Stadtlohn 1997 liegt auch unsere Geschäftsstelle zentral im Kreisgebiet. Auch in Coesfeld haben wir Mitgliedsunternehmen. 1999 waren es insgesamt 300. 2016 hatten wir aber nur noch 178 Mitgliedsunternehmen.

Wie kam es denn zu dieser Delle?

Peter Budweg war in den 1990er-Jahren Geschäftsführer des AIW. Und er war ein exzellenter Verkäufer. Er hat intensiv neue Mitglieder geworben. Viele konnte einfach nicht ‚Nein‘ sagen. Und dann hat der Verband offenbar die Erwartungen nicht erfüllen können. Manchen galt der AIW als ein etwas behäbiger Unternehmerverband, bei dem man sich auch die Mitgliedsbeiträge sparen konnte.

Wie teuer ist denn die Mitgliedschaft im AIW?

Wir haben Mitgliedsunternehmen mit einem Mitarbeiter und mit 2000 Mitarbeitern. Die Mitgliedsbeiträge für die Unternehmen sind nach Mitarbeiterzahl gestaffelt. Sie liegen zwischen 650 und 4200 Euro im Jahr.

Seit 2016 sind Sie Geschäftsführer des AIW. Haben Sie den Negativtrend stoppen können?

Meine Vorgänger Harald Genge und Horst Dreyer hatten den Umbruch schon eingeleitet, das war auch dringend notwendig. In den letzten drei Jahren ist der AIW sichtbarer und präsenter geworden. Das ist nicht mir alleine, sondern uns als Team gelungen. Wir haben jetzt aktuell wieder 218 Mitgliedsunternehmen. Das ist doch eine Bilanz, die sich sehen lassen kann. Und der Erfolg strahlt aus. Unternehmen vom Niederrhein sind auf uns zugekommen. Dort gründen wir 2020 einen Schwesternverband: den AAN, Aktive Unternehmen am Niederrhein.

Was ist das Geheimnis des „neuen“ AIW?

Unser Ziel ist nicht, dass sich die Unternehmer treffen. Wir wollen, dass sich die Unternehmen treffen. Das schließt auch das mittlere Management mit ein, zum Beispiel die Personalverantwortlichen oder die Datenschutzbeauftragten. Denen wollen wir ein Forum für den Erfahrungsaustausch bieten. Mit rund 100 Veranstaltungen im Jahr sind wir jetzt deutlich näher am Puls der Zeit. Wir sind jetzt auch besser mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft und den Kommunen vernetzt, die jetzt auch alle Mitglieder bei uns geworden sind. Wir haben neue Formate gefunden wie neue Interessengruppen zur Standortentwicklung, das Digitalcafé in Gescher und den AIW-Kongress, der kürzlich in Ahaus stattgefunden hat.

Wie haben Sie persönlich eigentlich den Weg zum AIW gefunden?

Bei Klöcker in Borken habe ich mich 2001 als Geschäftsführer überflüssig gemacht, weil ich die Gesellschafterkinder erfolgreich an die Unternehmensleitung herangeführt habe. Schon zu der Zeit stand ich in engem Kontakt mit dem AIW. Das hat sich auch nicht geändert, als ich nach 2001 Geschäftsführer bei Lanfer Systemhaus und später bei Sysdata wurde. Ich kannte den AIW gut und hatte auch schon im Vorstand mitgearbeitet. Die Netzwerkaufgabe hat mich gereizt. Darum habe ich 2016 den Schritt in die Geschäftsführung gewagt.

Welchen Herausforderungen warten denn nun auf den AIW – gerade auch angesichts heraufziehender Rezessionswolken?

Heute sind wir als Region sehr gesund. Aber wir müssen sehr viel tun, damit das so bleibt. Fachkräftemangel, Standortfragen und vor allem die Digitalisierung – das sind wir ja noch ein Niemandsland – , das sind die Aufgaben, denen wir uns widmen müssen. Zwar stehen wir mit der Breitbandversorgung in unserem Raum besser da als viele andere Regionen. Aber viele Unternehmen sind noch nicht ausreichend auf die digitale Zukunft eingestellt. Unternehmen sind zu oft mit vielen Herausforderungen der Gegenwart befasst. Wir als AIW wollen das Bewusstsein für diese strategische Frage schärfen.

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