Die Vorsitzende der Wiesentaler, Jana Liemann, sieht in der Entscheidung für die neuen Probenräume das „große Los“. © Wiesentaler
Musikvereine

Aus Kita wird Probenhaus: Wiesentaler und Spielmannszug unter einem Dach

Nicht nur die Liebe zur Musik eint die Wiesentaler und den Spielmannzug. Auch die Sorge um Probenräume verbindet die Musiker. Jetzt gibt es eine Lösung. Doch die kostet Geld und viel Arbeit.

Der Spielmannszug vorneweg, gefolgt von den Schützen und der Wiesentaler Kapelle – an dieses stimmungsvolle Bild aus Vor-Coronazeiten erinnern sich viele Stadtlohnerinnen und Stadtlohner gerne.

Oder an die Karnevals- und Nikolausumzüge, an Open-Air-Auftritte und Weihnachtskonzerte. Die beiden Musikvereine sind aus dem Leben der Stadt nicht wegzudenken. Das lässt die Stadt sich jetzt einen sechsstelligen Betrag kosten.

In den ehemaligen Kindergarten an der Straße
In den ehemaligen Kindergarten an der Straße „Am Bach“ zieht bald neues musikalisches Leben ein. Hier erhalten die Wiesentaler und der Spielmannszug neue Probenräume. Dafür ist noch ein Anbau erforderlich. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Beide Vereine eint seit Jahren die Sorge um zukünftige Probemöglichkeiten. Der Mietvertrag der Wiesentaler für ihr Vereinshaus an der Buningsweide läuft bald aus. Der dortige Probenraum ist für das gewachsene Orchester ohnehin zu klein geworden. Und noch härter hat es den Spielmannszug getroffen. Ihr Probenraum im Kellergeschoss des Gymnasiums ist aufgrund eines Wasserschadens schon seit zwei Jahren nicht mehr nutzbar.

Suche nach neuen Probenräumen dauert schon Jahre

Gemeinsam mit der Stadt haben beide Musikvereine lange nach einer Lösung gesucht. Jetzt wurde sie gefunden: Das ehemalige Kindergartengebäude an der Straße Am Bach soll künftig beiden Vereinen ausreichend Raum für Proben- und Vereinsaktivitäten bieten.

Am Mittwochabend hat der Sport-, Kultur- und Sozialausschuss einstimmig beschlossen, 40.000 Euro für den Umbau im Bestand und 95.000 Euro für eine Erweiterung bereitzustellen. Den vielen Musikerinnen und Musikern, die die Sitzung verfolgten, fiel spürbar ein Stein vom Herzen.

„Wir haben das große Los gezogen“

„Ich bin überwältigt von dem Votum und von der großen Anteilnahme der Musiker. Wir haben das große Los gezogen, ich bin richtig dankbar“, sagt Jana Liemann im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Vorsitzende der Wiesentaler Musikkapelle ist erleichtert, dass die schon über drei Jahre lange Suche nach einem neuen Vereinshaus nun einen erfolgreichen Abschluss gefunden hat.

„Wir hatten schon etliche Projekte in den Blick genommen, die dann aber aus unterschiedlichen Gründen nicht in Frage kamen.“ Der Druck auf die 180 Musikerinnen und Musiker, davon 140 jünger als 30 Jahre, wuchs beständig.

Kirchenkonzert der Wiesentaler: Der Kulturausschuss hat die Bedeutung des Orchesters für das Kulturleben in der Stadt unterstrichen und so die hohen Ausgaben für den neuen Probenraum gerechtfertigt.
Kirchenkonzert der Wiesentaler: Der Kulturausschuss hat die Bedeutung des Orchesters für das Kulturleben in der Stadt unterstrichen und so die hohen Ausgaben für den neuen Probenraum gerechtfertigt. © Wiesentaler © Wiesentaler

Dieses Gefühl kennt auch Marlies Dapper. „Wir sind ja schon seit über 20 Jahren auf der Suche“, sagt die Vorsitzende des Spielmannszugs der Karnevalsgesellschaft, der 65 aktive Musikerinnen und Musiker zählt, davon 40 unter 30 Jahre alt.

Die Probenräume des Spielmannszugs im Untergeschoss des Gymnasiums sind schon lange von Schimmel befallen gewesen. „Anfang 2019 ist unser Probenraum dann völlig abgesoffen“, so Marlies Dapper.

Spielmannszug braucht dringend eine Lösung

Die Kellerräume sind inzwischen saniert. Aber baurechtliche Vorschriften verhinderten einen Wiedereinzug des Spielmannszugs. Die Treppenaufgänge haben die nicht erforderlichen Breiten.

Der Spielmannszug der KG
Der Spielmannszug der KG „Um Bütt un Pütt“ wie in die Stadtlohner kennen und schätzen. © Spielmannszug © Spielmannszug

Jetzt behelfen sich die Spielleute mit Provisorien, die Schülerinnen und Schüler proben privat oder in den Räumen des ehemaligen St.-Anna-Stifts. „Ich habe auch bei mir im Keller einen Probenraum hergerichtet. Wir können auch Räumlichkeiten in der KG-Wagenbauhalle nutzen. Ausreichend ist das alles nicht. Wir brauchen möglichst schnell eine richtige Lösung“, sagt Marlies Dapper.

Neue Räume für die Flüchtlingsarbeit sind Voraussetzung

Die soll es nun im ehemaligen Kindergartengebäude an der Straße Am Bach geschaffen werden. Dort war der St.-Elisabeth-Kindergarten zu Hause. Der ist längst in einen Neubau an den Bomers Kamp umgezogen. Die Stadt Stadtlohn hat das Grundstück erworben, um Entwicklungsmöglichkeiten für das Gymnasium zu sichern. Dafür gibt es aber auf dem Schulgelände noch alternative Möglichkeiten.

Zurzeit wird das Gebäude noch für die Flüchtlingsarbeit der Stadt Stadtlohn und die Unterbringung einer Flüchtlingsfamilie genutzt. „Dafür muss es einen angemessenen Ersatz geben“, forderte Hendrik Hardeweg (CDU) im Kulturausschuss. „Wir haben uns schon Gedanken dazu gemacht“, erklärte der Erste Beigeordnete Günter Wewers. Die Ergebnisse sollen zur Novemberratssitzung vorgestellt werden.

Am Schallschutz soll nicht gespart werden

Das Gebäude bleibt weiterhin im Eigentum der Stadt, die auch in allen Bauangelegenheiten „den Hut aufbehält“, wie es der Ausschuss forderte. Für die Bereitstellung der Räume zahlen die Vereine künftig jeweils eine Kaltmiete von 180 Euro pro Monat. Darüber hinaus beteiligen sich die Vereine jeweils zu einem Drittel an den Energiekosten.

Im Probenraum der Wiesentaler herrscht drangvolle Enge. Außerdem läuft der Mietvertrag bald aus. Jetzt freut sich das Orchester über neue Perspektiven.
Im Probenraum der Wiesentaler herrscht drangvolle Enge. Außerdem läuft der Mietvertrag bald aus. Jetzt freut sich das Orchester über neue Perspektiven. © Wiesentaler © Wiesentaler

Die Politiker forderten weiterhin, dass am Schallschutz nicht gespart werden dürfe. Das sagte Günter Wewers zu: „Eine gute Nachbarschaft ist uns wichtig.“ Sprecher aller Fraktionen hoben den „wichtigen kulturellen Beitrag“ hervor, den die beiden Musikvereine für die ganze Stadt leisten. So seien auch die hohen Ausgaben der Stadt zu rechtfertigen.

150 Quadratmeter großer Anbau für Wiesentaler

Das ehemalige Kindergartengebäude bietet Platz für jeweils drei kleine Probenräume für die Wiesentaler und den Spielmannszug. „Wir geben an sechs Tagen die Woche Einzelunterricht“, erklärt Jana Liemann. Toiletten, Teeküche und Eingangsbereich werden gemeinsam genutzt. Für den Spielmannszug gibt es im Bestandsgebäude zusätzlich noch einen 76 Quadratmeter großen Probenraum.

Für größere Proben des Wiesentaler-Hauptorchesters, des Jugendblasorchesters und der Aufbaustufe soll im Winkel zwischen Gymnasium und Dreifachsporthalle ein neuer, knapp 150 Quadratmeter großer Anbau in Holzständerbauweise errichtet werden. Kostenpunkt: 180.000 Euro, von denen die Wiesentaler 95.000 Euro in Eigenleistung tragen.

Musiker und ihre Familien wollen selbst Hand anlegen

Jana Liemann und Marlies Dapper betonen, dass in den Reihen der Musikerinnen und Musiker sowie ihrer Familien ausreichend Handwerksgesellen und -meister zum freiwilligen Einsatz bereitstünden. Jana Liemann: „Wir hoffen das wir 2022 mit den Bauarbeiten beginnen und 2023 einziehen können.“

Die beiden Vorsitzenden Jana Liemann und Marlies Dapper freuen sich nun auf das gemeinsame Dach, unter dem die weiterhin selbstständigen Vereine auch gemeinsame Projekte angehen können.

Jana Liemann: „Das ist ein echter Glücksfall. Ich kann mir Kooperationen beim Schlagzeugunterricht, bei der Frühförderung oder in der Jugendarbeit vorstellen. Und vielleicht proben wir ja auch ein gemeinsames Stück für unsere Schützenfestauftritte.“

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