Bagger legen Berkel tiefer

Nach Hochwasser

Im Bereich der Mühlenbrücke konnten die Stadtlohner am Freitag ein nicht alltägliches Bild sehen: Zwei Bagger arbeiten an und in der Berkel. Was ist dort los? Hier sind Fragen und Antworten zum Thema.

STADTLOHN

, 07.04.2017, 14:38 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bagger sind an und in der Berkel unterwegs, um das Flussbett einen halben Meter tiefer zu legen.

Bagger sind an und in der Berkel unterwegs, um das Flussbett einen halben Meter tiefer zu legen.

Was macht der Bagger in der Berkel?

Die Berkel wird tiefer gelegt. Im 400 Meter langen Abschnitt zwischen dem Mühlenwehr und der flussabwärts gelegenen Brücke am Schanzring wird etwa ein halber Meter Sand ausgebaggert. Die Arbeiten dauern eine Woche. Verantwortlich dafür ist der Wasser- und Bodenverband Oberes Berkelgebiet, in dem alle Berkelanlieger zusammengeschlossen sind. Die Arbeiten finden in enger Abstimmung mit der Stadt Stadtlohn statt.

Wo kommt der Sand her?

"Die Berkel führt immer sehr viel Sand mit sich", sagt Bürgermeister Helmut Könning. Schließlich durchfließt sie geologisch gesehen von Coesfeld kommend die Talsandebene der westlichen Münsterländer Bucht. Zurzeit ist die Berkel in Stadtlohn aber stärker versandet als sonst üblich. Ursache sind die Sandmassen, die der Fluss beim Juni-Hochwasser 2016 mit sich führte. "Die frischen Ablagerungen kann man auf aktuellen Google-Luftbildern erkennen", so der Bürgermeister.

Was passiert mit dem ausgebaggerten Sand?

Insgesamt werden in den nächsten Tagen etwa 3000 Kubikmeter Sand aus dem Flussbett gebaggert und zunächst am Ufer zum Trocknen abgelegt. Ein Teil des Sandes wird zur naturnahen Gestaltung der Berkelaue südlich des Molkereiwegs verwendet. Den Bereich der ehemaligen Kleingärten hatte die Stadt erworben, um das Hochwasserschutzkonzept umsetzen zu können. Der Sand, der dort nicht benötigt wird, wird anderweitig entsorgt.

Ist die Entsandung schon ein Teil des Hochwasserschutzkonzeptes?

"Ja und nein", sagt Bürgermeister Helmut Könning. Natürlich verbessere die Entsandung das Fassungsvermögen des Flussbettes und sorge für eine bessere Abflussgeschwindigkeit. Aber: Das Planfeststellungsverfahren zur Umsetzung des Hochwasserschutzkonzeptes ist offiziell noch gar nicht genehmigt. Doch aufgrund des hohen Versandungsgrades hat sich die Stadt Stadtlohn mit dem Kreis Borken und der Bezirksregierung auf eine vorgezogene Maßnahme geeinigt. Könning: "Wir sehen das als dringend erforderliche Unterhaltungsmaßnahme."

Und: Wenn die Aussandung nicht jetzt stattfinden würde, müsste man noch ein ganzes Jahr warten, erklärt Gerd Große-Frericks vom Fachbereich Tiefbau der Stadt Stadtlohn. Denn aus Sicht des ökologischen Artenschutzes schließt sich in Kürze das erlaubte Zeitfenster für diese Arbeiten. Brütende Vögel in Ufernähe brauchen schließlich ihre Ruhe. Daher wird die Maßnahme eng von den Naturschutzbehörden begleitet.

Wann beginnt denn die offizielle Umsetzung des Hochwasserschutzkonzeptes?

"Eigentlich", so Bürgermeister Helmut Könning, "hatte ich mit der notwendigen Genehmigung des Planfeststellungsverfahrens im April oder Mai gerechnet. Aber es wird wohl noch bis zum Juni dauern." Der Kreis Borken müsse schließlich umsichtig die vielen Stellungnahmen der betroffenen Anlieger abwägen und gegebenenfalls in das Konzept einfließen lassen.

Was genau ist ab Sommer geplant?

"Ein ganzes Bündel von rund 30 Maßnahmen"; sagt Bürgermeister Helmut Könning. Die wichtigsten sind: Vom Hallenbad bis zum Mühlenwehr wird die Berkel um zwei bis drei Meter verbreitert. Zwischen Gescher und Stadtlohn werden Retentionsflächen geschaffen. Das sind Überflutungsbereiche, die im Hochwasserfall Wasser aufnehmen und zurückhalten können. Einige Berkelbrücken müssen erneuert werden. Hochwasserschutzmauern im Stadtbereich müssen überprüft und teilweise erneuert werden.

Das Mühlenwehr wird komplett erneuert und mit einer elektronischen Steuerung versehen, die kontinuierlich auf den Wasserstand reagiert. Neben dem Mühlenwehr wird eine Fischtreppe geschaffen, die Fischwanderungen flussaufwärts ermöglicht. Das Mühlenwehr wird künftig für Fußgänger als Berkelbrücke passierbar sein. Die neue Brücke schafft eine direkte Verbindung vom demnächst neu gestalteten Mühlenplatz zur neuen Berkelpromenade.

Wie lange wird das Mammutprogramm für seine Umsetzung brauchen?

Vier bis fünf Jahre, sagt der Bürgermeister. Schneller gehe es nicht.

Was kostet das alles?

Die Kosten müssen noch genau kalkuliert werden. Doch erste Schätzungen gibt es bereits. Bürgermeister Helmut Könning beziffert die Gesamtkosten auf rund zehn bis zwölf Millionen Euro. Der Förderantrag muss noch konkretisiert werden. Helmut Könnig ist aber optimistisch, dass das Land Nordrhein-Westfalen 80 Prozent der Kosten trägt. "Aber die Stadt muss immerhin noch fast zweieinhalb Millionen Euro selbst tragen."

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