Berkelstadion: CDU und SPD reagieren skeptisch auf Ideen der Bürgerinitiative

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Eine Bürgerinitiative will einen möglichen Verkauf des ehemaligen Berkelstadions verhindern. Ihr Antrag stieß im Hauptausschuss auf ein geteiltes Echo. Jetzt muss der Rat entscheiden.

Stadtlohn

, 28.11.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Berkelstadion soll verkauft werden, das wollen wir verhindern.“ Diese Forderung hat Jan Rathmer als Sprecher der Bürgerinitiative am Mittwochabend im Haupt- und Finanzausschuss vorgetragen. Und das mit viel Rückenwind aus einer Online-Umfrage, an der nach Angaben der Bürgerinitiative über 2000 Menschen teilgenommen haben.

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In dieser nicht repräsentativen Umfrage sprachen sich 56 Prozent der Teilnehmer für die Nutzung des ehemaligen Berkelstadions für eine Stadt-Mehrzweckhalle mit Bistro-Café und „Stadtbeach“ an der Berkel aus. 19 Prozent befürworteten einen Busbahnhof, um die Innenstadtstraße zu entlasten, 16 Prozent einen Parkplatz in Verbindung mit einem Fest-Mehrzweck- und Kirmesplatz. 5 Prozent der Teilnehmer hatten „andere Ideen“. 4 Prozent sprachen sich für einen „Verkauf an private Investoren ohne städtische Kontrolle“ aus.

„Wir wollen keine Marschrichtung vorgeben“

Jan Rathmer betonte im Ausschuss: „Das sind alles nur Anregungen. Wir wollen keine bestimmte Marschrichtung vorgeben. Wir wollen nur einen Verkauf verhindern.“ Viele Stadtlohner, so Rathmer, beklagten, dass zu wenig für die jüngere Generation getan werde. Das Areal biete aber genau dafür eine ideale Möglichkeit. Der Citymanager solle gemeinsam mit den Bürgern Ideen für die Fläche entwickeln.

Berkelstadion: CDU und SPD reagieren skeptisch auf Ideen der Bürgerinitiative

Das ehemalige Berkelstadion im Juni 2018 aus der Luft. Seit 20 Jahren wird über die Nutzung der Brachfläche diskutiert. © Bernd Schlusemann

Die Politiker im Hauptausschuss begrüßten durchweg das Engagement der Initiative. Aber Einigkeit in der Sache bestand keineswegs. Eine Entscheidung über den Antrag der Bürger, das Areal müsse mindestens die nächsten 25 Jahre im „alleinigen Eigentum“ der Stadt verbleiben, fällt erst in der Ratssitzung am 18. Dezember.

CDU und SPD reagieren ablehnend

Große Hoffnungen auf einen Beschluss in ihrem Sinne können sich die Vertreter der Bürgerinitiative aber nicht machen. CDU und SPD haben am Mittwochabend signalisiert, dass ihnen diese Forderung zu weit gehe.

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Die SPD lehnt den Bürgerantrag ab. „Aktuell steht ein Verkauf des Berkelstadions nicht an“, erklärte der SPD-Fraktionsvorsitzende Otger Harks. Über den Bau einer neuen Stadthalle könne man zurzeit nicht reden, da erst das Gutachten abgewartet werden müsse, ob und mit welchem Aufwand die Sanierung der bestehenden Stadthalle möglich sei.

Harks machte auch deutlich, dass die Stadt selbst keine Gastronomie betreiben könne. Und er verwies auf die Berkelmühle, wo auch eine Gastronomie durch einen Pächter vorgesehen sei. „Da nehmen wir als Stadt viel Geld in die Hand. Dieses Projekt müsse wir jetzt erst einmal stemmen.“

Ähnlich äußerte sich der CDU-Fraktionsvorsitzende Helmut Stowermann. „Die Festlegung auf einen Verkaufsverzicht für 25 Jahre ist gar nicht möglich. Das müssen wir ablehnen.“ Ob und wohin die Stadthalle verlegt werde, darüber könne man erst im nächsten Jahr disktieren, wenn das Gutachten vorliege.

Stowermann: Finanzen im Auge behalten

Stowermann mahnte: „Eine neue Stadthalle ist für die Stadt schwer zu finanzieren.“ Und auch er führte das laufende Regionale-Projekt Berkelmühle und das neue Berkelufer als Treffpunkt der Generationen ins Feld: „Das können wir nicht 200 Meter weiter noch einmal machen. Das wäre ein Fass ohne Boden.“

Der CDU-Fraktionsvorsitzende erklärte aber auch: „Es wird keinen Verkauf an nur einen Investor geben“. Aber den Verkauf einer Teilfläche könne sich die CDU gut vorstellen – wenn der passende Investor kommt“, so Stowermann. Einen Verkaufsdruck gebe es aber nicht.

UWG und FDP stellen sich hinter den Bürgerantrag

UWG und FDP stellten sich dagegen hinter die Forderung der Initiative. Andrea Wiggering-Cirkel (FDP) erklärte: „Wir unterstützen den Antrag der Bürger. Die FDP ist ja schon seit vielen Jahren dafür.“

Karl Herbstmann (UWG) meinte: „Das sind doch tragfähige Ideen, die die Bürger hier vorgetragen haben.“ Und er mutmaßte: „CDU und SPD haben die Hosen voll, dass die Bürger das in einem Ratsbürgerentscheid anders entscheiden könnten.“

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Dann entspann sich im Ausschuss eine Diskussion über das Für und Wider einer Verlegung des Busbahnhofs, die die Politiker in den vergangenen Jahren bereits mehrfach geführt hatten. In den Zuschauerreihen schüttelten Jan Rathmer und seine Mitstreiter den Kopf. „Das war nicht die Diskussion, die wir erhofft hatten. Ich hatte den Eindruck, da wurden noch einmal alte Kamellen aufgetischt.“ Die Initiative erwartet nun, dass ihr Antrag im Dezember vom Rat abgelehnt wird.

Bürger wollen Informationsveranstaltung ausrichten

„Wir machen aber weiter“, sagt Jan Rathmer. „Anfang 2020 wollen wir alle Stadtlohner zu einer Informationsveranstaltung einladen. Dann hoffen wir auf eine konstruktive Diskussion, die wirklich in die Zukunft blickt.“ Und dann gebe es ja noch die Option des Ratsbürgerentscheids.

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