Bohrungen am Berkelwehr: Wie sieht der Boden unter der Anlage aus?

hzHochwasserschutz

Das Berkelwehr in Stadtlohn soll komplett neu gebaut werden. Dafür muss erst einmal der Boden unter der Anlage untersucht werden. Doch es gibt ein Problem: das Wasser.

Stadtlohn

, 14.04.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Sonne scheint, es ist richtig warm auf der Berkelbrücke in Stadtlohn mit Blick aufs Wehr. Immer wieder halten an diesem Mittwochmorgen Radfahrer und Spaziergänger an, um das Geschehen da unten im Wasser zu beobachten. Ein Bauarbeiter hantiert an einer großen Maschine herum und schiebt riesige Sandsäcke zurecht.

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„Sie kämpfen gerade noch mit dem zu hohen Wasserstand“, erklärt Gerd Große Frericks, zuständig für das Thema Hochwasserschutz bei der Stadt Stadtlohn. Er weiß auch, warum die große rote Maschine gerade direkt am Berkelwehr steht: „Mit Bohrungen wird der Boden bis in 25 Meter Tiefe untersucht.“

Das Berkelwehr soll komplett neu gebaut werden. Das ist eine der Maßnahmen im Kampf gegen das Hochwasser. Damit die Experten wissen, auf welchem Boden das neue Bauwerk stehen wird, sind nun diese Bohrungen nötig.

Bohrungen am Berkelwehr sind schon im Dezember gestartet

Bereits im Dezember hat die Fachfirma damit angefangen. 11 von 13 Bohrpunkten konnte sie bearbeiten, bevor der Wasserstand zu hoch wurde. „Eigentlich wollten wir im Februar weitermachen, aber da war auch einfach zu viel Wasser in der Berkel“, sagt Gerd Große Frericks.

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Ein echtes Problem für die Stadt, denn Arbeiten im Gewässer sind aus Naturschutzgründen eigentlich nur zwischen Oktober und Februar erlaubt. „Wir haben die Maßnahmen jetzt mit den Behörden abgestimmt und arbeiten nur auf der betonierten Fläche“, so Gerd Große Frericks.

Der Wasserstand am Berkelwehr wird zum Problem

Zwei Bohrungen fehlen noch. Die dicken Rohre dafür liegen am Dienstag schon am Rand der Berkel in der Sonne bereit. Unter den leicht geöffneten Toren des Wehrs schießt das Wasser regelrecht hervor. Direkt daneben versucht der Mitarbeiter der Fachfirma, das Wasser fernzuhalten.

Die Rohre für die Bohrung liegen schon bereit.

Die Rohre für die Bohrung liegen schon bereit. © Victoria Garwer

Dicke Sandsäcke hat er aufgestellt, die Maschine ist schon fest im Boden verankert. Eigentlich könnten die Bohrung jetzt starten. Aber der Wall aus Sandsäcken und Planen hält nicht. Immer wieder läuft Wasser in die vorbereitete Fläche.

Mit Sandsäcken versuchen die Arbeiter, das Wasser fernzuhalten.

Mit Sandsäcken versuchen die Arbeiter, das Wasser fernzuhalten. © Victoria Garwer

„Der Wasserstand ist immer noch ein bisschen zu hoch. Eigentlich wären die hier in zwei Tagen fertig gewesen, aber so...“ Gerd Große Frericks schaut interessiert hinunter ins Wasser.

Keine Kampfmittel unter dem Berkelwehr gefunden

Die Vorbohrungen sind zum Glück schon gelaufen. Denn der Bohrer darf nicht einfach so in 25 Meter Tiefe vordringen. Es könnte schließlich sein, dass dort unten noch Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg verborgen liegen.

In einem ersten Schritt entnehmen die Experten deswegen zunächst Proben aus bis zu acht Metern Tiefe. Diese werden dann ans Kampfmittelbeseitigungsteam geschickt, das die Erde auf Spuren von Bomben oder anderen gefährlichen Gegenständen untersucht. Erst wenn das erledigt ist, kann die Bohrung starten.

Das Wasser muss noch weg, dann können die Bohrungen am Berkelwehr starten.

Das Wasser muss noch weg, dann können die Bohrungen am Berkelwehr starten. © Victoria Garwer

Da es in den Proben keine Hinweise auf Kampfmittel gab, könnte es nun losgehen. Jetzt muss also nur noch Wasser-Problem am Berkelwehr gelöst werden. Dann schickt der Mitarbeiter der Fachfirma hohle Rohre in den Boden, immer in Zwei-Meter-Schritten. In den Rohren sammelt sich die Erde, die dann später von einer Gutachterin bewertet wird.

Mit den Ergebnissen erstellen die Experten einen Querschnitt des Bodens, der in die Planung für die neue Wehranlage einfließt. „Erst wenn wir wissen, wie der Boden beschaffen ist, können wir konkret planen und wissen zum Beispiel, wie tief und wo wir Betonpfeiler verankern können“, erklärt Gerd Große Frericks.

Neues Wehr in Stadtlohn soll im Herbst 2021 gebaut werden

Der Bau des neuen Berkelwehres soll im Herbst 2021 beginnen. Aber warum ist denn überhaupt ein neues Wehr nötig? Zum einen möchte die Stadt bei einem Hochwasser mehr Wasser zurück halten können. „Das würden aber die jetzigen Betonpfeiler nicht aushalten, dafür wäre der Wasserdruck zu hoch“, so Gerd Große Frericks.

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Zum anderen geht es um ökologische Vorgaben. Denn wenn das Wehr mehr Wasser staut, sammelt es sich auch in sogenannten Sekundärauen am Rand der Berkel. Diese Gebiete werden gezielt überschwemmt. Dort können dann auch Fische und andere Tiere einen neuen Lebensraum finden.

Damit dieser Lebensraum aber nicht direkt wieder zerstört wird, wenn der Wasserstand sinkt, soll das Berkelwehr in Zukunft flexibel eingestellt werden können. „Im Moment haben wir ein Stauziel, das wir auch einhalten müssen. Das wird sich mit dem neuen Wehr ändern. Der Wasserstand oberhalb des Wehres variiert dann also“, sagt Gerd Große Frericks.

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