Betrüger: „Wenn ich jetzt die Kurve nicht kriege, dann kriege ich sie nie“

hzStrafprozess

Der Traum von der Selbstständigkeit endete für einen 50-jährigen Stadtlohner vor Gericht mit einer Freiheitsstrafe auf Bewährung – ein letzter Warnschuss nach einer Reihe von Betrügereien.

Stadtlohn

, 15.01.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn man nicht damit klar kommt, selbstständig zu sein, dann sollte man es lassen und lieber als Angestellter arbeiten.“ Diesen gut gemeinten Rat gab der Staatsanwalt am Montag dem Angeklagten mit auf den Weg.

„Er hat ja recht“, räumte der 50-Jährige Stadtlohner kleinlaut in seinem letzten Wort vor dem Urteilsspruch ein. Die Einsicht kam spät. Der Stadtlohner wurde wegen Betrugs zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten auf Bewährung verurteilt.

Mietvertrag trotz hoher Schulden abgeschlossen

Der Stadtlohner hatte in Ahaus eine Lagerhalle gemietet, obwohl er bereits hoch verschuldet und gar nicht in der Lage war, die Kaution und Miete zu bezahlen. „Es lag aber überhaupt nicht in meiner Absicht, die Miete zu prellen“, beteuerte der 50-Jährige vor Gericht. Er habe gehofft, die Miete mit den erwarteten Umsätzen aus seinem neuen Dienstleistungsgeschäft finanzieren zu können. Tatsächlich aber zahlte er keinen Cent Miete und geriet mit über 1000 Euro in Verzug.

Jetzt lesen

Der Angeklagte erklärte seinen geschäftlichen Misserfolg und die damit verbundenen Betrügereien mit privaten Schicksalsschlägen und der Trennung von seiner Frau. Er sei nun dabei, sein Leben neu zu ordnen. Dazu gehöre auch eine feste Anstellung statt des Traums von der Selbstständigkeit. „Wenn ich jetzt die Kurve nicht kriege, dann kriege ich sie nie.“

2006 erste Vorstrafen

„Das ist wohl so“, erklärte der Richter und zählte eine „ganze Latte von Vermögensdelikten“ auf, für die der Angeklagte, der über drei abgeschlossene Berufsausbildungen verfügt, in den Jahren 2006 bis 2009 und 2018 schon verurteilt wurde.

Angesichts der Vorstrafen ließ der Richter auch Strenge walten. Er verurteilte den Angeklagten zu acht Monaten Haft, die zur Bewährung ausgesetzt werden. Der Staatsanwalt hatte lediglich sechs Monate gefordert. Der Richter verband sein Urteil aber mit einer Hoffnung: „Ich hoffe, dass Sie als Angestellter straffrei bleiben. Dann werden Sie nie einen Knast von innen sehen.“

Gemeinnützige Arbeit und Schadenswiedergutmachung

Zur Bewährungsauflage gehören zudem 80 Stunden gemeinnützige Arbeit und eine Wiedergutmachung des Schadens. Noch im Gerichtssaal vereinbarte der Angeklagte mit dem geprellten Hallenvermieter in einem Vergleich Ratenzahlungen.

Der Vermieter indes blieb skeptisch: „Das wäre schön, wenn das klappen würde. Aber ich kann ihm leider nicht mehr glauben. Er hat mich schon zu oft belogen. Das hat bei ihm Methode. Ich habe die Anzeige aufgegeben, um andere zu schützen.“

Lesen Sie jetzt