Schicksalsschlag überschattet Pogrom-Gedenkfeierlichkeiten in Stadtlohn

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Gedenkfeier, Gedenkmarsch und Gedenkausstellung zur Reichspogromnacht und dem jüdischen Leben in Stadtlohn – das zog viele an. Doch ein aktueller Schicksalsschlag überschattete die Feier.

Stadtlohn

, 11.11.2019, 16:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viele Jahre hat der VHS-Arbeitskreis „Stadtlohner Geschichte 1933 bis 1945“ zu den jüdischen Einwohnern Stadtlohns in der Zeit des Nationalsozialismus recherchiert, geforscht und sich für Stolperstein-Verlegungen eingesetzt. Denn es soll nicht in Vergessenheit geraten, dass auch viele Stadtlohner Juden von den Nationalsozialisten deportiert und ermordet wurden.

An diese schrecklichen Ereignisse und die generelle Verfolgung der jüdischen Mitbürger während des dunklen Kapitels der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland gedachten am Samstag, 9. November, am Jahrestag der Pogromnacht (1938) gut 100 Besucher bei einer aufwendig vorbereiteten Gedenkfeier auf dem jüdischen Friedhof an der Klosterstraße. Es war der erste von drei Programmpunkten dieses Gedenktages.

Schüler gestalten die Gedenkfeier aktiv mit

Die Gedenkfeier gestalteten Schüler einer neunte Klasse des Geschwister-Scholl-Gymnasiums mit. Unter anderem gab es auf einer großen Leinwand eine Fotoshow zu sehen. Dabei wechselten sich historische Bilder aus der Zeit von 1933 bis 1945 und aktuelle Fotos der an der Präsentation beteiligten Schüler ab – um Anteilnahme am tragischen Schicksal vieler Juden zu symbolisieren.

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Zudem gab es fiktive Dialoge der Schüler, in denen sie sich mit den Problemen der jüdischen Kinder zur Zeit des Nationalsozialismus auseinandersetzen.

Die Ausstellung konnte nicht wie geplant eröffnet werden

„Die Schüler haben sich richtig gut in die Historie eingearbeitet und das auf beeindruckte Art und Weise herübergebracht“, hebt VHS-Direktor Dr. Nikolaus Schneider auf Nachfrage hervor. Im Anschluss an die Gedenkfeier zogen alle gemeinsam – vorbei an drei Stolpersteinen, an denen Blumen niedergelegt wurden – zum Atelier Salamander.

Schicksalsschlag überschattet Pogrom-Gedenkfeierlichkeiten in Stadtlohn

Laut VHS-Direktor Nikolaus Schneider haben sich die Schüler „richtig gut in die Historie eingearbeitet und das auf beeindruckte Art und Weise rübergebracht“. © Daniela Rehakova / VHS

Und dort musste VHS-Direktor Nikolaus Schneider, so berichtet er, den Teilnehmern eine traurige Nachricht überbringen. Denn die vom VHS-Arbeitskreis geplante Ausstellung in Form von 15-Roll ups im Atelier Salamander konnte nicht wie ursprünglich geplant, eröffnet werden.

Ausstellungsgrafiker Uwe Esperester ist gestorben

„Ausstellungsgrafiker Uwe Esperester ist in der Nacht von Donnerstag auf Freitag verstorben“, teilte der VHS-Direktor mit. Darum sei es in der Kürze der Zeit nicht möglich gewesen, den letzten Feinschliff der Ausstellung vorzunehmen. Man habe in diesem Schockzustand kurzfristig versucht, eine angemessene Lösung zu finden.

Darum wurden anstelle der Roll-ups Fotos jüdischer Mitbürger gezeigt. Und: In einer „bewegenden“ Gedenkminute Uwe Esperesters gedacht. „Er war ein Motor des kulturellen Lebens in Stadtlohn“, stellt Nikolaus Schneider klar.

Bis Ende Januar 2020 soll die Ausstellung eigentlich zu sehen sein

Dass die Eröffnung im geplanten Umfang noch erfolgen soll, steht außer Frage. „Das Design steht und das Material liegt vor“, so Nikolaus Schneider. Es seien aber eben noch letzte Korrekturen nötig. Wann genau diese erfolgen, ist angesichts der aktuellen Ereignisse nicht klar.

Geplant ist jedenfalls, dass die Schaufenster-Ausstellung bis Ende Januar 2020 ganztägig (ohne Öffnungszeiten) betrachtet werden kann. Die Ausstellungsobjekte wurden unter anderem unterstützt von der Bürgerstiftung Aktive Bürger Borken, Stadtlohn und Umgebung, dem Rotary Club Stadtlohn Hamaland, der Stadt Stadtlohn, dem Stadtlohner Heimatverein, der Sparkasse Westmünsterland VHS-Förderverein IMKA und der VR Bank Westmünsterland.

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