Bestatter aus Stadtlohn: „Seit zwei Wochen herrscht völliges Chaos.“

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Szenen wie in Italien, wo Lastwagen die Hunderten Leichen abtransportieren müssen, gibt es in Deutschland nicht. Und trotzdem hat die Corona-Krise für Bestatter und Trauernde vieles verändert.

Stadtlohn

, 04.04.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Währen viele Unternehmen in Stadtlohn aktuell eine Zwangspause einlegen müssen, hat Bestatter Wolfgang Rölver auch in der Corona-Krise mehr als genug zu tun. Und das, obwohl der von einigen befürchtete rapide Anstieg des Todesfälle bislang zum Glück ausgeblieben ist. „Seit zwei Wochen herrscht nur noch völliges Chaos. Jeden Tag kommen neue Bestimmungen, an die wir uns halten müssen“, erklärt Rölver im Telefonat mit der Redaktion.

Die Lage ist für alle Beteiligten komplizierter geworden. Beerdigungen dürfen nur noch im engsten (Familien-) Kreis stattfinden; bis auf ganz wenige Ausnahmen ausschließlich unter freiem Himmel. Alles Maßnahmen, um die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus zu einzudämmen. Wolfgang Rölver hat dafür Verständnis. Er nennt die Gesundheit der Menschen „das höchste Gut“.

Trotzdem sei es mitunter schwierig - für ihn und die Trauernden. „Anfang März fing es bereits an. Da mussten wir spontan alles über den Haufen werfen samt anschließendem Kaffeetrinken“, so Rölver.

Maximal 20 Personen dürfen bei Beerdigung anwesend sein

Laut Bestimmung des Bistums Münster dürfen aktuell maximal 20 Personen bei einer Beerdigung anwesend sein. Und das auch nur, wenn sich die Trauernden strikt an die Abstandsreglung von wenigstens 1,5 Metern halten. Diese Regel gilt bereits sei zwei Wochen und stieß am Anfang nicht überall auf Verständnis.

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„Gerade in den Bauerschaften ist es Tradition, dass sehr viele Menschen Abschied nehmen. Da kommen schnell 100 oder 200 Personen zusammen mit Nachbarschaft und Vertretern des Schützenvereins. Das brauchte es schon Vermittlungsarbeit“, berichtet Wolfgang Rölver. Mittlerweile sei das nicht mehr nötig. „Die Menschen haben erkannt, wie ernst die Lage ist.“

Feuerbestattung und spätere Trauerfeier

Auch für den Bestatter ist es gewöhnungsbedürftig, wenn wie am Wochenende bei einer Beerdigung nur drei Personen anwesend sind, weil der Rest aus Vorsicht oder zum Schutz der Anderen zu Hause geblieben ist. Deshalb bietet Wolfgang Rölver mittlerweile an, Trauerfeiern zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen: „Bei einer Einäscherung haben wir mehrere Monate Zeit, bevor die Asche beigesetzt werden muss.“ Doch auch das könnte mittelfristig zu Problem führen. Beim Krematorium in Dülmen sind schon jetzt die Kapazitäten fast ausgelastet.

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Für die Bestatter selbst haben sich aber nicht nur die Trauerfeiern, sondern auch einige andere Dinge in ihrem Alltag durch die Corona-Pandemie geändert. „Vorsicht ist das erste Gebot. Ohne Mundschutz und Ganzkörper-Anzug läuft fast gar nichts mehr“, berichtet Wolfgang Rölver. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn die Verstorbenen aus dem Seniorenheim oder Krankenhaus abgeholt werden müssen. „Wir tun alles dafür, dass nicht wir es sind, die das Coronavirus rein tragen“, betont der Stadtlohner Bestatter.

Frühzeitig Desinfektionsmittel bestellt

Dabei hat Wolfgang Rölver Glück gehabt, dass er vor einigen Wochen den richtigen Riecher bewiesen hat: „Hätte ich nicht schon da Desinfektionsmittel und andere Hygieneartikel bestellt, hätte ich jetzt ein großes Problem. Denn diese Dinge sind auch für uns nicht mehr lieferbar.“

Einen Corona-Toten musste der Stadtlohner bisher nicht bestatten. Für den Fall der Fälle sieht er sich aber gerüstet: „Das Gesundheitsamt der Kreises Borken ist der erste Ansprechpartner. Sie schicken dann sofort jemanden raus. Aber wir Bestatter sind auch untereinander gut vernetzt und tauschen uns fast täglich über das Thema aus.“

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