Corona: Stadtlohner Kita-Kinder werden erst am Ende der Quarantäne getestet

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Zwei Wochen lang muss die Stadtlohner Don-Bosco-Kita wegen einer Coronainfektion geschlossen bleiben. Testungen der 90 Kinder und ihrer Erzieherinnen sind erst am Ende der Quarantäne geplant.

Stadtlohn

, 06.10.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eine schlechte Nachricht schockte am Montag Kinder, Eltern und Erzieherinnen des Don-Bosco-Kindergartens: Zwei Wochen lang darf die Einrichtung nicht betreten werden. Zwei Wochen lang müssen die 90 Kinder und ihre Erzieherinnen in häusliche Quarantäne.

Das Betretungsverbot und die Anordnung einer „häuslichen Absonderung“ hatte die Stadt Stadtlohn in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt des Kreises Borken verhängt. Der Grund: Eine Erzieherin war bei einem der 14-tägigen Routinetests positiv auf das Coronavirus getestet worden.

Eltern direkt telefonisch informiert

„Die Kindergartenleiterin und ihre Vertreterin haben am Montag sofort reagiert und versucht alle Eltern möglichst schnell zu informieren“, sagt Lena Fromme, die Verbundleiterin der sechs Kitas in Trägerschaft der St.-Otger-Gemeinde. Die allermeisten Eltern konnten am Montagnachmittag telefonisch erreicht werden.

In die Sorge um die Gesundheit mischten sich auch Fragen um die Organisation der familiären Kinderbetreuung. „Die Reaktionen der Eltern waren unterschiedlich. Die meisten zeigen Verständnis für die ergriffenen Maßnahmen. Viele wünschen sich Testungen“, sagt Lena Fromme.

Verdienstausfälle der Eltern werden erstattet

Ein kleiner Trost: Geschwisterkinder und Elternteile stehen nicht unter Quarantäne. Verdienstausfälle, die einem Elternteil durch die Betreuung entstehen, werden nach dem Infektionsschutzgesetz erstattet. Für die Entschädigung ist der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zuständig, teilt die Stadt Stadtlohn mit.

Dennoch sorgt die Kindergartenschließung in vielen Familien für offene Betreuungsfragen und große organisatorische Herausforderungen. Und sie wirft Fragen auf: Musste gleich der ganze Kindergarten geschlossen werden? Hätte nicht die Schließung einer Gruppe ausgereicht?

Der Zaun des für zwei Wochen verwaisten Don-Bosco-Kindergartens

Der Zaun des für zwei Wochen verwaisten Don-Bosco-Kindergartens © Markus Gehring

Die Kindertageseinrichtung Don Bosco hat vier Gruppen, je zwei mit 20 und 25 Kindern. „Im Alltag der Kita Don Bosco sind die Gruppen weitestgehend getrennt“, erklärt Verbundleiterin Lena Fromme. Ausnahmen habe es aber wegen Personalengpässen gegeben, da andernfalls die Mindestpersonalbesetzung im Sinne der Betriebserlaubnis nicht hätte garantiert werden können.

Kinder mischten sich bei Turnangeboten und beim Mittagessen

Gruppenübergreifende Kontakte gab es auch auf dem Außengelände, bei Turnangeboten und beim Mittagessen. Dies, so Lena Fromme, entspreche dem pädagogischen Konzept der Einrichtung und sei durch Vorgaben der Landesregierung gedeckt.

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Eine strikte Trennung der Gruppen ist mit Wiedereinführung des Regelbetriebs am 17. August laut Schreiben des zuständigen Ministeriums nicht mehr vorgesehen. Lena Fromme: „Oberste Priorität hat demnach die Einhaltung der Betriebserlaubnis, zudem dürfen auch die pädagogischen Konzeptionen der Kitas wieder umgesetzt werden.“ Die Verbundleiterin betont außerdem: „Es gibt selbstverständlich ein Hygienekonzept. Und es wurde auch eingehalten.“

Enge gruppenübergreifende Kontakte nicht auszuschließen

„Die Situation in den Kindergärten ist mit der in den Schulen nicht zu vergleichen“, sagt Ellen Bulten, Sprecherin des Kreises Borken. Abstand, Masken und feste Sitznachbarn machten in Schulen andere Hygienestandards und eine striktere Trennung von Klassen möglich. Im Kindergarten seien die Kontakte viel enger.

Im Fall des Don-Bosco-Kindergartens sei das Gesundheitsamt des Kreises Borken zu dem Schluss gekommen, dass es zu einer „Durchmischung“ gekommen sei. Ein enger Kontakt mit der infizierten Erzieherin sei bei keinem Kind auszuschließen. „Es besteht ein nicht geringes Risiko, dass sich in dem Kindergarten tätige oder betreute Personen angesteckt haben und selbst infiziert sind“, so heißt es in der Begründung der behördlichen Schließung.

Zwischen Abstrich und Kitaschließung lagen sechs Tage

Das gilt umso mehr, weil die Erzieherin mindestens schon seit Dienstag, 29. September infiziert war. An diesem Tag wurde der routinemäßige Abstrich für den Coronatest gemacht. Die Erzieherin war zu diesem Zeitpunkt noch völlig symptomfrei.

Warum hat es so lange gedauert, bis das positive Testergebnis bekannt wurde? Ellen Bulten erklärt den zeitlichen Ablauf: „Der Testabstrich wurde am 29. September bei einem Arzt gemacht. Er ist aber erst am 2. Oktober im Labor eingetroffen. Am 4. Oktober, das war der Sonntag, ist das Ergebnis um 22.07 Uhr dem Gesundheitsamt gemeldet worden. Und das hat am Montagmorgen sofort reagiert.“

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Verbundleiterin Lena Fromme steht hinter der Entscheidung: „Maßgeblich für alle Maßnahmen sind die Vorgaben des Gesundheitsamtes. Den dortigen Fachleuten obliegt auch die Einschätzung, wann und wie ein Weiterbetrieb möglich ist.“

Testung gegen Ende der Quarantäne geplant

Und was ist mit dem Elternwunsch der Testung? Wäre sie nicht ein Weg, festzustellen, ob und wer tatsächlich infiziert ist? „Eine Testung zu diesem Zeitpunkt macht wenig Sinn, weil alle Kinder und Erzieherinnen wegen des engen Kontakts mit der infizierten Erzieherin ohnehin 14 Tage in Quarantäne müssen“, sagt Ellen Bulten. Eine Testung sei aber gegen Ende der Quarantäne für alle Kinder und Erzieherinnen vorgesehen, um sicherzustellen, dass keine neue Infektion in die wiedereröffnete Kita getragen werde.

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