Das Osterfeuer an der Reithalle fand in den vergangenen Jahren großen Anklang. 2020 wurde wegen der Corona-Pandemie kein Osterfeuer entzündet. © Hilla Steverding-Weber
Osterfeuer

Die Osterfeuer-Frage ist in Stadtlohn für dieses Jahr noch offen

Ob am Ostersonntag wieder Osterfeuer lodern werden, ist noch unklar. Die Stadt wartet ab, ob die Corona-Schutzverordnung gelockert wird. Könnte die Feinstaubdebatte das Brauchtum gefährden?

Gut fünf Wochen sind es noch bis Ostern. Ob aber am Ostersonntag in Stadtlohn wieder Osterfeuer lodern werden, das steht noch in den Sternen. Im Rathaus ist noch keine Entscheidung gefallen. Sie wird im Grunde auch eher nicht in Stadtlohn getroffen.

Auf Anfrage unserer Redaktion erklärte Stadtlohns Ordnungsamtsleiter Thomas Gausling: „Das Abbrennen von Osterfeuern ist in Stadtlohn in der Ordnungsbehördlichen Verordnung über Osterfeuer geregelt. Sollte die Corona-Schutzverordnung zu Ostern Lockerungen enthalten, dürfen Osterfeuer im Rahmen der Verordnung abgebrannt werden.“

Zuletzt 87 angemeldete Osterfeuer in Stadtlohn

2018 loderten in Stadtlohn 91 Osterfeuer, 2019 waren es 87. Das sind die offiziellen Zahlen der gemeldeten Osterfeuer. Hinzu dürfte noch das ein oder andere nicht angezeigte Osterfeuer kommen. 2020 waren wegen der Corona-Pandemie alle Osterfeuer verboten, um Menschenansammlungen zu vermeiden.

Es durften aber an einem festgelegten Termin in der Karwoche das für Osterfeuer gesammelte Material abgebrannt werden – nach Anmeldung im Rathaus und nur im Beisein von maximal zwei Personen.

Feinstaubgrenzwerte an Ostertagen zweitweise überschritten

Aber auch unabhängig von Corona wird aktuell mancherorts über Osterfeuer diskutiert. Grund dafür ist der Naturschutz. Das Umweltministerium des Landes NRW hatte festgestellt, dass die Feinstaubwerte an den Osterfeiertagen enorm hoch sind.

Das Bundesumweltministerium erklärt dazu auf seiner Homepage:

„Osterfeuer belasten die Luftqualität an den Orten, an denen sie brennen. Zeitweise kann der vorgegebene Grenzwert für Feinstaub (50 Mikrogramm pro Kubikmeter) überschritten werden.“ Da die Belastung sich aber in den meisten Fällen auf lediglich wenige Tage im Jahr beschränkt, und Osterfeuer speziell in Norddeutschland eine traditionelle Bedeutung hätten, seien sie nach wie vor zugelassen.

Richter dulden Brauchtumspflege, sehen private Feuer aber kritisch

Allerdings hatte sich schon 2010 das Landesministerium an die Kommunen gewandt und angeregt, die Anzahl zu reduzieren. Bis heute ist nicht viel passiert, obwohl mittlerweile auch der Kreis Borken den Druck erhöht. Hintergrund ist ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts. Darin heißt es, dass Osterfeuer der Brauchtumspflege dienen, „wenn das Feuer von einer in der Ortsgemeinschaft verankerten Glaubensgemeinschaft, Organisation oder einem Verein ausgerichtet wird und im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung für jedermann zugänglich gemacht wird.“

Private Osterfeuer, die in Stadtlohn den größten Teil der knapp 100 angemeldeten Feuer pro Jahr ausmachen, erfüllen die vom OVG genannten Aspekte allerdings nach Meinung der Richter nicht. Sie sollen daher auch nicht mehr genehmigt werden. Auch der Naturschutzbund (NABU) Borken mischt in der Angelegenheit mittlerweile mit und fordert eine drastische Reduzierung zum Schutz von Mensch, Tier und Natur.

Anders als in der Nachbarstadt Vreden haben die Stadtlohner Politiker über diese Frage noch nicht diskutiert. Die Stadtverwaltung sieht zurzeit keinen Änderungsbedarf an der Ordnungsbehördlichen Verordnung, „da Osterfeuer im Brauchtum fest verwurzelt sind. Sollte sich die Gesetzeslage ändern, muss geschaut werden, was dann wie geregelt wird.“

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1991 in Ahaus geboren, in Münster studiert, seit April 2016 bei Lensing Media. Mag es, Menschen in den Fokus zu rücken, die sonst im Verborgenen agieren.
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