Des mehrfachen Drogenhandels machte sich ein damals 18-jähriger Stadtlohner 2018 strafbar. Seitdem hat der Abiturient in geordnete Bahnen gefunden. Das erkannte das Jugendschöffengericht an.

Stadtlohn

, 29.05.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Dass er buchstäblich „die Kurve bekommen“ hat, das legte der zuständige Richter im Jugendschöffengericht am Amtsgericht Ahaus deutlich zugunsten eines heute 20-jährigen angeklagten Stadtlohners aus. Und so beließ er es letztlich bei einer Geldauflage für das unerlaubte Handeltreiben mit Betäubungsmitteln. Dass der im Tatzeitraum Februar bis Dezember 2018 18-Jährige überhaupt nach dem Jugendrecht verurteilt wurde, folgte aus der Beurteilung der Jugendgerichtshilfe, die dem Angeklagten im besagten Zeitraum nicht die Reife eines Erwachsenen bescheinigte.

Zur Last wurde dem Stadtlohner gelegt, in mindestens acht Fällen Marihuana in Mengen von 40 bis 50 Gramm eingekauft und diese in kleineren Mengen zum Teil weiterveräußert zu haben. So hatte er den Eigenkonsum finanziert. Insgesamt erfolgten aus diesen Geschäften, zu denen sich der 20-Jährige per WhatsApp mit den Abnehmern an Orten in Stadtlohn verabredete, Einnahmen von 3025 Euro. Diese Taten gab der Stadtlohner, der seit November 2019 in Münster wohnt, gleich vollumfänglich zu.

Den eigenen Konsum finanziert

In einer durch den Verteidiger verlesenen Erklärung hieß es, dass der Angeklagte bereits mit 13 Jahren erste Drogenerfahrungen gemacht hatte. Da er nicht über die finanziellen Mittel verfügt habe, habe er im Jahr 2018 einen Teil der erworbenen Drogen zur Finanzierung des Eigenkonsums weiterverkauft. Speziell im besagten Jahr sei es ihm nicht zuletzt aufgrund familiärer Probleme „sehr schlecht gegangen“. Ebenso musste er die achte Klasse am Gymnasium auch „wegen des Kiffens und falscher Freunde“ wiederholen. Die Taten lägen mittlerweile eineinhalb Jahre zurück, sein Mandant habe eine „außergewöhnliche Entwicklung“ seitdem genommen.

Auf Nachfrage des Richters gab der Angeklagte an, im Sommer 2019 sein Abitur gemacht zu haben. Nach einem Aushilfsjob habe er nun eine feste Arbeitsstelle und verdiene sich Geld, um eine Work-and-Travel-Zeit zu finanzieren. Er habe nun eine feste Freundin, ab dem Sommersemester 2021 strebe er ein Studium an. Aktuell verdiene er 1100 Euro netto im Monat und habe keine Schulden. Gelegentlich kiffe er auch noch. Der Richter verwies auf vier Registereinträge, die sämtlich erledigt seien. Aufgrund des Geständnisses konnte auf Zeugenvernehmungen verzichtet werden.

Zur Tatzeit keine Reife eines Erwachsenen

Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe bestätigte dem Angeklagten eine positive Entwicklung. Nach der Drogenphase, Auffälligkeiten im Elternhaus und Phasen von Erziehungsbeistandschaften und Depressionen sei der Umzug nach Münster „wie eine Befreiung“ für ihn. Der Stadtlohner sei wortgewandt, intelligent und habe ein gutes Reflektionsvermögen, seit dem Abitur und dem Umzug sei das Thema Drogen nicht mehr präsent – das gelegentliche Kiffen einmal ausgenommen. Die Straftaten habe er hinter sich gelassen, er habe zu einem verantwortlichen Leben gefunden.

Die Staatsanwaltschaft erkannte an, dass der Angeklagte mit dem Handel seinen Eigenkonsum sicherstellen wollte und dass die Mengen der Einzelverkäufe nicht erheblich waren. Wohl aber sei die Gesamtmenge erheblich gewesen, zudem gelte es die Vorstrafen zu berücksichtigen. Schädliche Neigungen seien dem 20-Jährigen nach aktuellem Stand nicht nachzuweisen. Dennoch müsse es „spürbare Sanktionen“ geben. Beantragt wurde eine Geldauflage von 3000 Euro – womöglich umzuwandeln in Arbeitsstunden –, die Auflage einer Drogenberatung und die Vermögensabschöpfung der 3025 Euro.

Richter erkennt positive Entwicklung

Die Verteidigung stimmte der Einschätzung der Staatsanwaltschaft zu, mit dem vollumfänglichen Geständnis habe sein Mandant „reinen Tisch machen“ wollen. Er lebe nun in stabilen Verhältnissen und zeige bodenständige Vorstellungen. Auch er war der Meinung, dass die Sanktion spürbar sein müsse. Er stellte infrage, ob insgesamt gut 6000 Euro als Gesamtauflage angemessen seien beim aktuellen Nettoverdienst. Eine Geldauflage hielte er für angemessen, von der Einziehung der 3025 Euro sollte abgesehen werden.

Der Richter ordnete letztlich eine Geldauflage von 900 Euro, zu zahlen in sechs Monatsraten an den Verein Bewährungshilfe Ahaus/Gronau, an. Der Wertersatz der 3025 Euro bleibe auferlegt. Zudem habe der Angeklagte in Drogenscreenings über sechs Monate ein drogenfreies Leben nachzuweisen. Insgesamt habe sich der Stadtlohner keiner besonders schweren Schuld strafbar gemacht, der Handel sei nicht mit Gewinnerzielungsabsicht betrieben worden und er zeige auch keine schädlichen Neigungen mehr. Er lebe nun in einer „anderen Welt“, die Gefahr des Drogenkonsums sei aber durchaus weiter latent. Erschwerend kämen die Vorstrafen und die nicht-unerhebliche Gesamtmenge hinzu. Das Urteil wurde sogleich angenommen.

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