Ehrenamtliche Helfer schenken Stadtlohner Senioren Zeit – und erhalten dafür einen Preis

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Ehrenamtliche bringen Licht und Freude ins Leben der Bewohner des St.-Josef-Pflegeheims. Dafür werden sie mit dem Ehrenamtspreis ausgezeichnet. Ein Weihnachtsmarktbesuch zeigt warum.

Stadtlohn

, 18.12.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ausgestattet mit Decken und Ponchos trotzen die Senioren des St. Josef Pflegezentrums in Stadtlohn kaltem Wind und Regen. Die Vorfreude ist groß. Ein Ausflug zum Weihnachtsmarkt in die Stadt steht an. Im großen Gewusel sucht jeder Bewohner sich einen Ehrenamtlichen, denn sie schieben die Rollstühle.

Die Freude bei Bewohnern und Ehrenamtlichen ist trotz Regen groß, als es endlich zum Weihnachtsmarkt in die Stadt geht.

Die Freude bei Bewohnern und Ehrenamtlichen ist trotz Regen groß, als es endlich zum Weihnachtsmarkt in die Stadt geht. © Christin Lesker

„Das Leben hier wäre ohne unsere Ehrenamtlichen viel ärmer“, macht Ludwig Wübbelt, Leiter des Senioren- und Pflegezentrums St. Josef in Stadtlohn deutlich. Das sieht auch der Haupt- und Finanzausschuss so. Einstimmig empfahl er dem Rat, den Ehrenamtspreis an das Team zu verleihen.

Hedwig Wewers (l.) und Irmgard Pelz (86) beim Kaffeetrinken im Otgerus-Haus. "Ich freue mich, dass die Ehrenamtlichen immer so glücklich und ehrlich sind", erzählt Irmgard Pelz.

Hedwig Wewers (l.) und Irmgard Pelz (86) beim Kaffeetrinken im Otgerus-Haus. "Ich freue mich, dass die Ehrenamtlichen immer so glücklich und ehrlich sind", erzählt Irmgard Pelz. © Christin Lesker

„Wenn ich daran denke, bekomme ich immer noch Gänsehaut“, erzählt Hedwig Wewers, Betreuungsfachkraft im St. Josef Heim, und zeigt ihren Arm zum Beweis, „Das ist ganz toll, unsere Ehrenamtlichen haben diese Wertschätzung wirklich verdient!“.

Zeit ist ein Geschenk

Rund 50 aktive Ehrenamtliche nehmen sich regelmäßig Zeit für die 80 Bewohner.

„Von einfachen Besuchen, über Vorleserunden, Computerstunden und Rollfietsenfahrten ist alles dabei“, erklärt Ludwig Wübbelt. An diesem Tag aber schieben sie die Rollstühle. Und mehr noch, sie nehmen sich Zeit, quatschen, geben den Bewohnern das Gefühl, jemanden ganz für sich zu haben.

Otto Anton mit Schwester Edith Maria. Er freut sich über die leckeren Neujahrshörnchen auf dem Weihnachtsmarkt und noch mehr über die netten Gespräche.

Otto Anton mit Schwester Edith Maria. Er freut sich über die leckeren Neujahrshörnchen auf dem Weihnachtsmarkt und noch mehr über die netten Gespräche. © Christin Lesker

„Für persönliche Gespräche bleibt im Pflegealltag oft zu wenig Zeit“, erzählt eine 36-Jährige Altenpflegerin beim gemeinsamen Kaffee im Otgerus-Haus. „Als Ehrenamtliche erlebt man die Bewohner dann ganz anders. Und das Lächeln, das sie uns schenken, ist das schönste Dankeschön“.

Sie hat kaum ausgeredet, da ruft eine der Bewohnerinnen über den Tisch: „Sie sind die Besten. Ich bin ganz stolz und dankbar, dass sich die Ehrenamtlichen so viel Zeit für uns nehmen“, sagt Christel Roland und ein breites Lächeln geht übers ganze Gesicht.

Die Ehrenamtlichen genießen es mit den Bewohnern Zeit auf dem Weihnachtsmarkt zu verbringen. Ludwig Wübbelt (l.) freut sich über so viel Engagement.

Die Ehrenamtlichen genießen es mit den Bewohnern Zeit auf dem Weihnachtsmarkt zu verbringen. Ludwig Wübbelt (l.) freut sich über so viel Engagement. © Christin Lesker

Oftmals werden Angehörige im Laufe der Zeit selbst zu Ehrenamtlichen. „Als meine Mutter 2004 ins Pflegeheim kam, hat sie mir leidgetan. Deshalb kam ich, um ihr etwas vorzulesen“, erzählt ein pensionierter Lehrer aus Gescher. „Irgendwann kamen immer mehr Leute dazu, und dann wurde es eine feste Vorleserunde". Der 69-Jährige mag es, wenn die Bewohner auch von sich und auf Plattdeutsch erzählen. „Ihre Dankbarkeit ist das Schönste. Oft fragen sie mich: ,Kais dat nich jeden Dag maken?‘“

Glühwein, Gespräche und Gesehen werden

Weihnachtsmarkt. Das bedeutet neben Plätzchen und Kakao für die Bewohner vor allem „rauskommen, Bekannte treffen, gesehen werden und quatschen“, erklärt Ludwig Wübbelt. Während wir über den Markt laufen, bekommen die Senioren Neujahrshörnchen und Plätzchen zum Probieren aus den Hütten gereicht. Einige kaufen etwas, die meisten aber freuen sich einfach über die Gespräche mit anderen Stadtlohnern.

Eine jahrelange Tradition ist großes Highlight zum Schluss. Nach dem Bummel treffen sich alle Bewohner vor der Alten Krone, denn alle Jahre wieder spendiert Inhaber Jürgen Heming jedem einen Glühwein.

Warm eingepackt haben die Senioren des St. Josef Pflegeheims dem Wetter getrotzt. Als Belohnung spendierte die alte Krone am Marktplatz einen heißen Glühwein.

Warm eingepackt haben die Senioren des St. Josef Pflegeheims dem Wetter getrotzt. Als Belohnung spendierte die alte Krone am Marktplatz einen heißen Glühwein. © Christin Lesker

Wenn gerade nicht Weihnachtsmarkt in Stadtlohn ist, werden die Ehrenamtlichen in ganz unterschiedlichen Bereichen aktiv. Seit zehn Jahren läutet auf den Gängen des Heimes jeden Dienstag eine alte Kuhglocke. Dann kommen die Bewohner aus den Zimmern.

In dem, von einem Stadtlohner Unternehmen geschreinerten Tante-Emma-Laden verkaufen die Ehrenamtlichen Verschiedenes zum Selbstkostenpreis. Wegen seines Retro-Looks, ist der Wagen ein echter Eyecatcher. Aber er zieht nicht nur deshalb alle Aufmerksamkeit auf sich. „Wieder selbst einkaufen. Das bedeutet ganz viel Lebensqualität für unsere Bewohner“, weiß Ludger Wübbelt.

Falsche Bescheidenheit

Els Mohr ist gebürtige Holländerin und schon fast 13 Jahre als Ehrenamtliche aktiv. Sie freut sich jedes Mal darauf, etwas mit den Senioren zu unternehmen. „Wir haben Teams mit drei Leuten. Jeden Donnerstag backen wir Kuchen und machen damit ein kleines Café im Kaminzimmer“. Die Einnahmen werden zum Ende des Jahres gespendet. „Selbstverständlich dürfen die Bewohner mitentscheiden wohin.“

Eines fällt in den Gesprächen mit den Ehrenamtlichen besonders auf. Sie sind unglaublich bescheiden. Statt von sich zu erzählen, weisen sie lieber auf das Engagement eines Kollegen oder die gute Arbeit der Heimleitung hin. Aber die Freude der Bewohner über die gemeinsame Zeit spricht für sich und zeigt, wie wichtig jeder einzelne Ehrenamtliche für das Heim ist.

Am Plätzchenstand auf dem Weihnachtsmarkt erzählt Otto Anton, einer der Bewohner und gebürtiger Thüringer, dass er seine Heimat zu 120 Prozent vermisst. Trotzdem fühlt er sich hier wohl. „Die Ehrenamtlichen tun uns Tag täglich Gutes. Ich vermisse sonst jemanden, mit dem ich mich auf gleicher Ebene unterhalten kann“, erklärt er. „Wenn sie mich fest drücken, freue ich mich.“

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