Ein Schubser und ein kaputter Autoreifen kosten den Angeklagten 250 Euro Geldstrafe

hzAmtsgericht Ahaus

Dass er einen Reifen am Auto seiner Tante zerstochen hatte, gab er zu. Sie geschubst zu haben, bestritt der 52-jährige Stadtlohner vor dem Amtsgericht. Damit kam er aber nicht durch.

Stadtlohn

, 20.08.2019, 15:22 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein Streit innerhalb der Familie im Februar dieses Jahres fand jetzt vor dem Ahauser Amtsgericht seine Fortsetzung. Der Angeklagte gab zwar zu, einen Reifen am Auto seiner Tante zerstochen zu haben. Sie geschubst zu haben, bestritt der 52-jährige Stadtlohner am Montag aber vor dem Amtsgericht: „Ich habe sie nicht angepackt.“ Die Tante wurde als Zeugin vernommen und schilderte die Situation ganz anders. Das Verfahren wurde eingestellt, aber dafür muss der Angeklagte noch etwas tun.

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Der Stadtlohner war wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung angeklagt. Wie der Staatsanwalt verlas, sollte er im Februar in der Wohnung seiner Mutter auf seine Tante getroffen sein. Er habe sie fest am Arm gepackt und gestoßen, habe dann die Wohnung verlassen und den hinteren linken Reifen am Auto seiner Tante aufgeschlitzt.

„Das tut mir leid. Das Geld ersetze ich, das werde ich gerade biegen“, gab der 52-Jährige unumwunden zu. Ansonsten hätten sie nur einen Wortwechsel gehabt. „Sie sollte mich in Ruhe lassen.“ Seine Tante habe schon immer Streit mit ihm gesucht, schon seit er in der Ausbildung war, erzählte der Frührentner.

Zeugen sahen den Stadtlohner beim Zerstechen des Autoreifens

Warum er den Reifenstich zugab, betonte seine Tante, die anschließend als Zeugin gehört wurde: „Das haben ja auch drei Zeugen mitbekommen.“ Auf den „Wortwechsel“, von dem ihr Neffe erzählte, wollte sie nicht näher eingehen: „Er hat mich verbal erniedrigt, die Schimpfwörter möchte ich hier gar nicht wiederholen.“ Sie habe ihrer Schwester auf deren Bitten hin ein Medikament gebracht und sei von dieser schon in der Tür mit den Worten empfangen worden, ihr Sohn sei da, und er sei alkoholisiert.

Als ihr Neffe sie beschimpft habe, habe sie am Küchtentisch gesessen und sei dann aufgestanden. Daraufhin habe er sie gegen die Schulter gestoßen, sodass ihr rechter Arm sogar gegen ihre Schwester geschleudert sei, die mit dem Rollator neben ihr gestanden habe.

„Er kann nicht normal kommunizieren“

Völlig aufgebracht habe er dann die Wohnung verlassen. Und weil sie „so eine Ahnung“ hatte, folgte sie ihm nach draußen, wo sie ein Zischen hörte und ihren Neffen sah, wie er davon radelte. Zwei junge Leute hätten ihren Neffen bei der Tat beobachtet und die Polizei gerufen.

„Ich bin jeder Auseinandersetzung aus dem Weg gegangen, weil er nicht normal kommunizieren kann“, blickte die Tante auf das Verhältnis zu ihrem Neffen zurück, dem sie seinerzeit die Ausbildungsstelle besorgt habe. Sie ergänzte ihre Aussage um die Bitte, keine Geldstrafe zu verhängen. „Das triftt ja dann doch nur meine Schwester“, war ihre Einschätzng. Sozialstunden oder eine Therapie, die ihm helfen würden, schlug sie mit Hinweis auf Drogen- und Alkoholkonsum vor.

Die Mutter des Angeklagten und die Schwester des Opfers fehlte unentschuldigt als Zeugin. Ihre Schwester habe ihr am Sonntag mitgeteilt, sie sei zu krank, gab die Zeugin vor Gericht an. Wenn sie kein Attest beibringe, drohe ein Ordnungsgeld, betonte der Richter.

Um Geld ging es dann im Anschluss – um die Höhe der Geldstrafe, die der Angeklagte zahlen solle. Der Richter war drauf und dran, auf die Kosten für die Reifenreparatur und das ärztliche Attest von 120 Euro noch 80 draufzuschlagen und das Verfahren gegen die Zahlung an die Tante einzustellen, da brachte sich der Staatsanwalt in Erinnerung. Er plädiere für eine höhere Geldzahlung des Angeklagten, er habe eher an 200 Euro Strafe plus Erstattung der Kosten gedacht.

250 Euro Kostenerstattung und Geldstrafe

Der Angeklagte kam dem Richter mit dem Vorschlag zuvor, sich in der Mitte zu treffen. 250 Euro könne er noch am selben Tag seiner Tante überweisen. Sein Verteidiger ruderte etwas zurück, die rechtliche Betreuerin seines Mandanten müsse dafür noch ihr Einverständnis geben. Falls nicht in einem Rutsch möglich, wurde dem Stadtlohner auferlegt, die Strafe in monatlichen 50-Euro-Raten abzustottern. Ist das geschehen, wird das Verfahren gegen ihn eingestellt.

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