Frust statt Vorfreude kurz vor dem Weihnachtsfest

Johannesförderwerk

Kein Adventsmarkt mehr, 10000 Euro Minus in der Essenkasse und die Abwicklung hat längst begonnen: Bei Johannes-Förderwerk und den Verantwortlichen in der Johannesschule herrscht Frust statt Vorfreude aufs Fest.

STADTLOHN

, 27.11.2015, 19:11 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Adventsbasar des Johannesförderwerks war immer ein Besuchermagnet.

Der Adventsbasar des Johannesförderwerks war immer ein Besuchermagnet.

35 Jahre lang gab es am ersten Adventssonntag einen vorweihnachtlichen Markt in der Johannesschule. "Das war eine feste Konstante im Stadtlohner Leben", sagt Schulleiterin Margarete Wolter. In diesem Jahr wird der Markt nicht stattfinden, denn mit dem Auslaufen der Johannesschule fehlt es vor allem an der nötigen Zahl der Helfer. "160 bis 170 brauche ich dazu", sagt Wolter, "die kriege ich nicht mehr zusammen. Wir haben zurzeit nur 70 Schüler."

Die 60-Jährige spricht von Frust im Gespräch mit der Münsterland Zeitung. "Vor 30 Jahren bin ich nach Stadtlohn gekommen", erinnert sie sich. Die Arbeit an der Schule ist so etwas wie ein Lebenswerk, auf das sie eigentlich mit Stolz blicken könnte - wäre es nicht zum Sterben verurteilt. "Wir sind kreisweit bekannt", sagt Wolter, "und bis nach Düsseldorf." Wolter zitiert Uwe Eisenberg, den zuständigen Dezernenten: "Hier ist ein Schatz in Stadtlohn." Nun werde dieser Schatz leider verbuddelt, meint sie traurig.

Unklare Zukunft

Wie es für sie persönlich und ihr Kollegium weitergeht, steht noch nicht fest. Am Montag erwarte die Schule Besuch von der Schulaufsicht. Dann würden Gespräche geführt. Fest steht indes für die Schulleiterin: "Das war ein tolles Team."

Bei der Mitgliederversammlung des Johannes-Förderwerks (JFW), die Wolter als zweite Vorsitzende des Trägervereins leitete, musste sie denn auch ausführen, dass alle weiteren Entscheidungen im Jahr 2016 von der zukünftigen Verwendung des Schulgebäudes abhängen.

Viele Fragen

Unzählige Fragen kamen auf, die alle nicht beantwortet werden konnten: Kann die Verwaltung des JFW in der Johannesschule bleiben? Können die Ehrenamtlichen noch in den Werkstätten arbeiten? Kann das Johannes-Lädchen ohne die Produktion in der Johannesschule weiter existieren?

Wie vielen Angestellten muss erneut betriebsbedingt gekündigt werden? Wie sieht es zukünftig mit der Einsatzstelle für die Bundesfreiwilligen aus? Kann die Johannes-Reithalle ohne das JFW zukünftig wirtschaftlich selbstständig bestehen? Welche Fahrzeuge werden fehlen und beeinflussen negativ die Mobilität und Logistik in der Einrichtung?

Stadt muss Fragen klären

"Darüber entscheidet der Rat der Stadt Stadtlohn", so Franz Marpert. Der Schriftführer des JFW und frühere Schulleiter der Johannesschule machte deutlich, dass die gesamte Logistik des JFW an das Gebäude der Johannesschule angedockt ist. Mit der zukünftigen kommunalpolitischen Entscheidung über die Verwendung des Schulgebäudes würden dann alle Fragen gleichzeitig beantwortet.

Parallel dazu müssen sich die Verantwortlichen mit einer Finanzierungslücke in der Essenskasse von 10000 Euro auseinander setzen, weil nicht alle Eltern die Beiträge zahlen. "Manche können nicht, manche wollen nicht", erklärt Wolter. Es gebe vor allem einen Fall an der Ganztagsschule, der da zu Buche schlägt. Für diesen Schüler habe man nun einen Antrag auf Unterstützung über das Bildungs- und Teilhabepaket (BUT) gestellt. Ob das allerdings klappt, sei fraglich.

Anziehungspunkt fällt weg

Derlei Ausfälle zu kompensieren, ist nicht leicht. Wolter: "Das ist hart für uns, die müssen wir irgendwie anders erwirtschaften." Der Adventsbasar als Einnahmequelle fällt jedenfalls weg. Dass Stadtlohn damit auch einen Anziehungspunkt für Besucher von außerhalb verliert, macht eine Begebenheit deutlich, die Wolter erzählt. Eine Kollegin habe zu ihr gesagt: "Mal sehen, wie viele Leute am Sonntag vor der Tür stehen, die das noch nicht in der Zeitung gelesen haben."

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