Funklöcher: Feuerwehr kann in der Stadtlohner Innenstadt oft nicht digital funken

hzDigitalfunk

Im ganzen Kreis Borken nutzen Hilfskräfte den Digitalfunk. Im ganzen Kreis? Nein! In Stadtlohn muss die Feuerwehr oft noch den alten Analogfunk nutzen, weil das Digitalfunknetz löchrig ist.

Stadtlohn

, 14.11.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Thomas Gausling schaltet das digitale Funkgerät im Führerhaus des Löschfahrzeugs in der Stadtlohner Feuerwache ein. Zunächst passiert nichts. Dann macht es laut „tüdelüüt“. Das ist ein Warnton. Das hochmoderne Digitalfunkgerät findet kein Netz. Immer wieder ertönt das „Tüdelüüt“.

Weiße Flecken vor allem in der Innenstadt

„Spätestens jetzt würden die Feuerwehrleute entnervt auf die alten analogen Funkgeräte umsteigen“, sagt Thomas Gausling, der nicht nur Ordnungsamtsleiter ist, sondern auch selbst Feuerwehrmann. Die alten Geräte funktionieren immer noch. Vor fünf Jahren hat die Stadtlohner Feuerwehr den neuen Digitalfunk eingeführt. Ein verlässliches Kommunikationsmittel ist er aber in Stadtlohn bis heute noch nicht.

Funklöcher: Feuerwehr kann in der Stadtlohner Innenstadt oft nicht digital funken

Keine Verbindung: Die Displays der Digitalfunkgeräte in den Stadtlohner Feuerwehrfahrzeugen bleiben wegen der Funklöcher in der Innenstadt oft weiß. © Stefan Grothues

Über die „weißen Flecken“ im digitalen Funknetz vor allem in der Stadtlohner Innenstadt hat Thomas Gausling den Haupt- und Finanzausschuss in seiner jüngsten Sitzung informiert. Gausling: „Das für den Netzausbau zuständige Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD) hat die Funklöcher nach dem Einsatz eines Messwagens bestätigt und eine Lösung zugesagt. Doch immer wenn wir nachhaken, dann werden wir auf das nächste Jahr vertröstet – und das seit 2014.“

Jetzt lesen

Vor den Politikern im Ausschuss sagte Thomas Gausling: „Das ist schon sehr enttäuschend.“ Gleichzeitig betonte er: „Wegen des Funkproblems haben weder Menschen noch Sachen irgendwelche Nachteile oder Schäden erlitten.“

Kommunikationsprobleme mit Nachbar-Feuerwehren

Nur umständlich ist es für die Feuerwehrleute schon. In der internen Feuerwehr-Kommunikation zwar nicht, weil alle Einsatzfahrzeuge noch mit den alten Analogfunkgeräten ausgestattet sind. Bei Großschadensereignissen aber, wenn auch die Feuerwehren der Nachbarstädte beteiligt sind, dann wird es komplizierter.

Funklöcher: Feuerwehr kann in der Stadtlohner Innenstadt oft nicht digital funken

Noch sind alle Fahrzeuge der Stadtlohner Feuerwehr doppelt ausgerüstet: mit digitalen und mit den alten analogen Funkgeräten. © Stefan Grothues

„Wie wir hören, funktioniert der Digitalfunk in den Nachbarstädten ohne Probleme“, sagt der Stadtlohner Wehrführer Günter Wewers. Aus diesem Grund haben die Nachbar-Feuerwehren ihre Analogfunkgeräte längst ausgemustert.

Das führte beispielsweise beim Berkel-Hochwasser 2016 dazu, dass die Stadtlohner Wehr nicht direkt mit der zur Hilfe geeilten Vredener Feuerwehr über Funk sprechen konnte. Wewers: „In solchen Fällen können wir aber über die Leitstelle in Borken, die auch noch über Analogfunk verfügt, mit der Vredener Feuerwehr kommunizieren.“ Über Bande also. Ideal sei das nicht.

Neue Basisstation soll Problem lösen

Grund für die Funklöcher in der Stadtlohner Innenstadt ist die Lage Stadtlohns im Netz der umgebenden Basisstationen. Diese Ursache ist auch dem Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste bekannt. Die Lösung ist auch seit Jahren in Arbeit: die Errichtung einer zusätzlichen Basisstation in Stadtlohn.

Die ständigen Vertröstungen der LZPD wollte die Stadtlohner Verwaltung nicht länger hinnehmen. Thomas Gausling schrieb NRW-Innenminister Herbert Reul einen Brief und bat um baldige Abhilfe. Das Schreiben zeigte Wirkung.

Vertreter der LZPD reisten im April 2019 nach Stadtlohn und sorgten zumindest für mehr Transparenz: Ein Standort für die Basisstation sei schon gefunden gewesen. Und auch der technische Ausbau hatte schon begonnen. Dann aber habe sich der Vertragspartner umentschieden und sein Gebäude nicht mehr zur Verfügung gestellt. Die Standortsuche musste von vorne beginnen.

Insolvenz sorgt für neue Verzögerung

Die LZPD-Vertreter konnten im April aber ein konkretes Datum für die Lösung des Problems nennen: Bis zum 30. September 2019 sollte die neue Basisstation am neuen Standort einsatzfähig sein. Ende August ruderte das LZPD allerdings wieder zurück, berichtet Thomas Gausling. Die beauftragte Firma sei in Konkurs gegangen. Jetzt müsse der Auftrag neu ausgeschrieben werden. Neues Fertigstellungsdatum: Ende des ersten Quartals 2020.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt