Gravierende Mängel an Stadthalle Stadtlohn: Neubau für 7,5 Millionen Euro steht im Raum

hzExperten-Analyse

Die Mängel an der Stadthalle Stadtlohn sind gravierend. Allein die kurzfristige Behebung würde knapp 3 Millionen Euro kosten. Das Thema Neubau wird heißer.

Stadtlohn

, 06.02.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das, was viele Stadtlohner schon lange befürchtet hatten, gibt es nun schwarz auf weiß: Die Stadthalle an der Dufkampstraße weist gravierende Mängel auf. Nicht nur im Bereich Brandschutz ist der Nachholbedarf riesig. Das berichtete Markus Lampe vom Büro „Wolters Partner“, das mit der Bauzustandsanalyse von der Stadt beauftragt wurde, am Dienstagabend im Bauausschuss.

Gemeinsam mit seiner Kollegin nahm der Architekt das Gebäude in den vergangenen Monaten unter die Lupe. Erster Eindruck von Markus Lampe: „Das Gebäude macht einen aufgeräumten und guten Eindruck. Es fügt sich mit seiner Höhe und Baustruktur gut in die Umgebung ein. Es ist in sich ein geschlossenes, homogenes System. Die Stadtlohner identifizieren sich damit.“ Das war es allerdings auch schon weitgehend mit den positiven Aspekten.

Handlungsstau bei Grünanlagen und hoher Stromverbrauch

Allein den Standort der Stadthalle betrachten die Architekten nicht als ideal. „Sie befindet sich mitten in einer Siedlungsstruktur. Das macht die Anfahrt und Parkplatzsituation bei Großveranstaltungen kompliziert. Auch der Schall könnte in Zukunft zu Problemen führen“, erklärte Markus Lampe. Zwar seien die derzeitigen Anwohner daran gewöhnt, allerdings dürfe man deshalb nicht davon ausgehen, dass das für immer so bleibe.

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Zur Optik sagte der Experte: „Das Gebäude spricht die Sprache seiner Zeit und ist in die Jahre gekommen. Eine Willkommensgeste ist die Stadthalle nicht mehr.“ Auch bei den Grünanlagen im Außenbereich gebe es einen Handlungsstau. Doch der ästhetische Aspekt war in der Präsentation des Architekten nur ein Randaspekt. Viel gravierender seien die Probleme im Bereich Brandschutz.

„Wir haben Mängel, die relativ kurzfristig angegangen werden müssen“, erklärte Markus Lampe. Vor allem die Decke über dem Foyer und dem ehemaligen Orchestergraben sieht er als Gefahrenquelle an. Auch die fehlende Entrauchung sei ein zentraler Punkt. „Seit dem Brand im Düsseldorfer Flughafen (1996, d. Red.) haben sich die Vorschriften extrem verschärft“, so Lampe.

Markus Lampe: „Die Decke stellt ein Risiko dar.“

Die Decke der Stadthalle sieht der Architekt aber nicht nur aus Brandschutzsicht für eine Gefahrenquelle: „Sie dürfte heute nicht mehr so gebaut werden und stellt ein ungeklärtes Risiko dar. Es ist ein völlig unkontrollierter, unüberwachter Raum, wo trotzdem der Hausmeister manchmal Reparaturen übernimmt.“ Auch auf den Bestandsschutz könne man sich in einem solchen Fall nicht berufen.

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Keine Gefahr, aber ein großer Kostenpunkt sei der „extrem schlechte“ Energiestandard des Gebäudes. „Die Stadthalle hat keine Dämmung. Im Winter ist sie eiskalt und muss für Veranstaltungen mehrere Tage vorgeheizt werden. Und die Probleme werden größer“, erklärte Markus Lampe.

Vier Varianten mit unterschiedlichen Kosten

Mit Spannung erwarteten die Mitglieder des Ausschusses die Kostenprognose. Insgesamt vier Varianten stellte das Büro „Wolters Partner“ am Mittwoch vor. Schon die sogenannte Minimalvariante, bei der nur die nötigsten Mängel behoben werden, würde laut Markus Lampes Schätzung 2,9 Millionen Euro kosten.

Eine Kernsanierung des Gebäudes rund 4 Millionen Euro. Die dritte Option, ein Teilabriss der Stadthalle und der Neubau des Mittelteils, wird auf rund 5 Millionen Euro geschätzt. Die erwartungsgemäß teuerste Variante ist der komplette Neubau der Stadtlohner Stadthalle. „Wolters Partner“ kalkuliert dabei mit 7,5 Millionen Euro.

Dass Markus Lampe die Varianten drei und vier für empfehlenswerter hält, daraus machte er kein Geheimnis: „Man sollte sich die Frage stellen, ob das Geld nachhaltig investiert wird. Bei der kurzfristigen Sanierung wird das Gebäude für fünf bis zehn Jahre fit gemacht. Dann hat man wieder die gleichen Themen auf der Tagesordnung.“

CDU stellt Kostenaufstellung infrage

Josef Wansing (CDU) stellte die kalkulierten 7,5 Millionen Euro für den Neubau infrage: „Wenn man schaut, dass das Kulturquadrat in Ahaus 17 Millionen Euro gekostet hat und wir nur von der Hälfte ausgehen, sind wir bei 8,5 Millionen Euro – und das wurde 2016 fertiggestellt.“ Durch die Entwicklung in der Baubranche gehe er davon aus, dass die Kosten für einen Neubau eher bei 10 bis 11 Millionen Euro liegen werden.

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Markus Lampe antworte darauf, dass es natürlich noch Fragezeichen gebe und in einem frühen Stadium die Kostenaufstellung schwierig sei. Den Vergleich zum Kulturquadrat wies er außerdem von der Hand: „In Ahaus reden wir von einem komplett anderen Konzept.“ Erwin Plate (UWG) griff das auf: „Ist eine Stadthalle, die circa einmal im Monat genutzt wird, noch zeitgemäß?“ Dazu erklärte der Architekt, dass der Trend eher zu einer Mehrzweckhalle wie in Ahaus gehe.

Zu Ludger Brockherdes Frage, ob man bei einer höheren Nutzung auch mehr Parkplätze bräuchte, erklärte Markus Lampe: „Eine 100-prozentige Lösung werden wir an diesem Ort nie bekommen. Die Reibungspunkte mit den Anwohnern werden eher größer als kleiner. 50 neue Stellplätze werden an der Situation nichts ändern.“

Günter Wewers, Erster Beigeordneter der Stadt, erklärte am Donnerstag auf Anfrage: „Wir werden uns im nächsten Bauausschuss mit der Bestandsanalyse beschäftigen und besprechen, in welche Richtung wir die Stadthalle in Zukunft ausrichten wollen. Erst dann können wir uns mit der Frage beschäftigen, ob wir renovieren oder einen Schlag weiterdenken müssen.“

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