Pflegeleichte Gräber werden in Stadtlohn deutlich teurer

hzFriedhofsgebühren

„Auch die letzte Reise kostet Geld“, so umschrieb es Richard Henrichs von den Grünen im Hauptausschuss. Nun wird die letzte Reise teurer. Die Friedhofsgebühren steigen – zum Teil erheblich.

Stadtlohn

, 04.11.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gräber und Beisetzungen auf dem Stadtlohner Friedhof werden teurer. Nach vier Jahren hat die Stadt die Gebühren neu kalkuliert und die Zahlen in der jüngsten Haupt- und Finanzausschusssitzung vorgelegt. „Der Grundgedanke ist der, die Gebühren regelmäßig an die Kosten anzupassen“, erklärte Bürgermeister Helmut Könning.

Kostendeckende Gebühren sind das Ziel

Die aktuellen Friedhofsgebühren decken die Kosten nicht. Die Stadtverwaltung hat eine Unterdeckung von fast zwölf Prozent errechnet. Die Gebührenerhöhung soll einen kostendeckenden Friedhofsbetrieb ermöglichen.

Pflegeleichte Gräber werden in Stadtlohn deutlich teurer

Die Friedhofsgebühren sollen steigen. Der Rat der Stadt Stadtlohn entscheidet darüber in seiner nächsten Sitzung. © Markus Gehring

Der Erwerb einer Reihengrabstätte beispielsweise soll künftig 676 Euro kosten. Aktuell sind es 580 Euro. Die Kosten für den Erwerb einer Urnenreihengrabstätte kostet künftig 156 statt 134 Euro.

Starker Preisanstieg für pflegeleichte Gräber

Im Prinzip wollten die Politiker im Haupt- und Finanzausschuss die Erhöhung mittragen. Sie wunderten sich aber über die zum Teil erheblichen Steigerungen. So kostet ein Rasenreihengrabstätte heute 950 Euro. Künftig sind es 1677 Euro. Der Preis für eine Rasenwahlgrabstätte steigt je Begräbnisplatz von 1798 auf 2664 Euro.

Pflegeleichte Gräber werden immer beliebter

Kämmerer Matthias Wesker erklärte diesen enormen Gebührenanstieg mit der geänderten Berechnungsmethode. „Wir haben jetzt die tatsächlichen Kosten eingerechnet, die der Stadt für die Pflege er Rasengräber entstehen.“

Bei den Friedhofsnutzern werden kleine pflegeleichte Gräber immer beliebter. 2007 gab es auf dem Stadtlohner Friedhof nur neun Urnenbeisetzungen. 2018 waren es bereits 64. „Jetzt haben wir nach und nach den Aufwand der Stadt für die Pflege dieser Gräber erfasst und auf die Gebühren umgerechnet“, sagte Ordnungsamtsleiter Thomas Gausling.

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Nicht nur die Grabstätten werden teuer, sondern auch die Beisetzungen. Aktuell kostet eine Beisetzung 393 Euro. Künftig werden es 504 Euro sein.

Gründe gibt es viele. Zum Beispiel den Arbeitsschutz. Früher wurde beim Ausheben eines Grabes mit einer Schalung gearbeitet. Heute müssen bis zu fünf Schalungen eingebaut werden. Außerdem müssen jetzt aufgrund der arbeitsrechtlichen Vorschriften immer zwei Personen anwesend sein.

„Ehrliche Kalkulation“

„Die Kakulation ist ehrlich. Wir sind für eine aufwandsgerechte Gebühr.“ Mit diesen Worten signalisierte Hendrik Hardeweg (CDU) die Zustimmung seiner Fraktion. Auch Otger Harks fand lobende Worte für die Kalkulation,. Er hob hervor, dass 35 Prozent der Grünpflegekosten nicht auf die Friedhofsgebühren umgerechnet werden, weil der Friedhof ja auch als öffentliches Grün genutzt werde.

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Reinhold Dapper wunderte sich über den enormen Anstieg der Kosten für die Beisetzung von Kindern unter fünf Jahre. Heute kostet eine Tiefenbeerdigung 169 Euro. Künftig soll sie 734 Euro kosten. Die genauen Gründe für die mehr als vierfache Kostensteigerung sollen in der nächsten Ratssitzung ausgeführt werden. Dann soll auch eine Entscheidung über die neue Gebührensatzung fallen.

Friedhof könnte seinen Charakter verlieren

Thomas Gausling machte den Ausschuss noch auf zwei langfristige Entwicklungen aufmerksam. Weil pflegeleichte Gräber immer beliebter werden, könne sich künftig auch der Charakter der Friedhofs verändern. Gausling: „Der Friedhof könnte seinen Charakter als sehenswerte und ökologisch wertvolle Grünanlage mit individuell gestalteten Grabstellen verlieren.“ Nach Gauslings Ansicht sollte überlegt werden, ob und wie hier gegengesteuert werden soll.

Zahl der Beerdigungen wird sich bis 2050 verdoppeln

Außerdem geht er davon aus, dass sich aufgrund der Demografie die Zahl der Beerdigungen in Stadtlohn bis Mitte oder Ende der 2040er-Jahre verdoppeln werde. Dadurch werden sich auch die Kostenstrukturen verändern. Thomas Gausling empfiehlt daher, auch künftig regelmäßig die Gebühren anzupassen.

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