„Gruselkabinett“: In den SuS-Umkleidekabinen sind die Wände feucht, es bilden sich Pfützen. Ob und wie es mit der Sanierung weitergeht, ist noch unklar. © Stefan Grothues
SuS-Umkleiden

„Gruselkabinett“: SuS-Jugendfußballer können nach Training nicht duschen

Bei den Betreuern und Jugendfußballern des SuS herrscht Unmut. Seit über einem Jahr können die Duschen und ein Großteil der Umkleidekabinen wegen Bauschäden nicht genutzt werden.

Was für ein Gegensatz: Auf den Trainingsplätzen des SuS kicken an diesem Montagnachmittag rund 50 fröhliche Nachwuchsfußballer bei schönstem Sommerwetter. Noch blinzeln Christian Dobbrunz und Stefan Schulze Icking zufrieden in die Augustsonne. „Freitags trainieren hier sogar bis zu zehn Mannschaften gleichzeitig“, sagt Christian Dobbrunz. Mit über 350 Nachwuchsfußballern muss sich der SuS keine Sorgen um seine Zukunft machen.

Modergeruch und Schimmel in der Umkleide und in den Duschräumen

Christian Dobbrunz leitet den Jugendleistungsbereich des SuS, Stefan Schulze Icking ist Jugendleiter. Nun wenden die beiden den Kickern den Rücken zu, schreiten die Kellertreppe hinab, über der ein blaues Schild hängt: „Kabinen 1-6“.

„Das ist unser Gruselkabinett“, sagt Christian Dobbrunz, und seine Miene verfinstert sich, ehe er die Atemschutzmaske aufsetzt. „Nicht wegen Corona, sondern wegen des Schimmels“, wie er sagt.

Beim Training sind die Nachwuchsfußballer des SuS bester Laune. Die Stimmung in Sachen Umkleide- und Duschmöglichkeiten ist aber trüb.
Beim Training sind die Nachwuchsfußballer des SuS bester Laune. Die Stimmung in Sachen Umkleide- und Duschmöglichkeiten ist aber trüb. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Tatsächlich: Es riecht modrig. Schwarze Schimmelspuren bedecken die durchfeuchteten Wände der Umkleiden und Duschen. Auf den nackten Betonböden stehen Pfützen, obwohl hier schon seit mehr als einem Jahr niemand mehr geduscht hat.

„Desaster“ begann 2020 mit Renovierungsplan

Im Frühjahr 2020 wollten die Fußballer die Corona-Zwangspause nutzen, um die Umkleiden und Duschen „ein wenig zu renovieren“, berichten Christian Dobbrunz und Stefan Schulze Icking. Dabei stellten die SuS’ler fest, dass mehr Feuchtigkeit als gedacht in die Räume eingedrungen war. „Da begann das Desaster“, sagt Stefan Schulze Icking.

Die Stadt als Eigentümer des Gebäudes handelte schnell. Das erkennen Dobbrunz und Schulze Icking an. „Weil das Wasser an vielen Stellen eindrang, wurde das ganze Untergeschoss entkernt. Das ging ganz zügig“, sagt Christian Dobbrunz. „Aber dann herrschte Funkstille. Wir wissen nicht wie es weitergeht. Anfragen an die Stadt blieben unbeantwortet“, so Dobbrunz.

Fußballer fordern schnelle provisorische Lösung und Gespräche

In der Corona-Zwangspause wurden die Umkleiden und Duschen nicht vermisst. Aber jetzt beginnt der Spielbetrieb, der Herbst naht. „Das Duschen gehört doch als Ritual einfach zum Fußball dazu“, sagt Stefan Schulze Icking. Noch essentieller aber seien Hygiene und Gesundheit der Kinder und Jugendlichen. „Ich möchte nicht, dass mein Sohn nach dem Training nassgeschwitzt in den Sportsachen mit dem Fahrrad nach Hause fahren muss.“

Christian Dobbrunz (links) und Stefan Schulze Icking vor dem Umkleidegebäude, dessen Untergeschoss nicht nur große Feuchtigkeitsschäden aufweist.
Christian Dobbrunz (l.) und Stefan Schulze Icking vor dem Umkleidegebäude, dessen Untergeschoss nicht nur große Feuchtigkeitsschäden aufweist. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Die Fußballer richten zwei klare Forderungen an die Stadt: „Es muss doch möglich sein, nach mehr als einem Jahr zumindest für ein Provisorium zu sorgen, zum Beispiel eine Containerlösung mit Duschen und Umkleiden“, sagt Christian Dobbrunz. „Und es müssen Gespräche auf Augenhöhe mit dem Verein geführt werden, ob eine Sanierung oder ein Neubau die langfristige Lösung ist.“

Günter Wewers: Verwaltung und Politik sind am Ball

Günter Wewers kann den Unmut der Fußballer verstehen. Der Erste Beigeordnete betont aber gleichzeitig: „Die Stadt ist sehr wohl aktiv gewesen und hat auch mit dem SuS darüber gesprochen.“ Er räumt aber ein: Eine Nachfrage des SuS habe in diesem Sommer ferienbedingt nicht gleich den Weg in die richtige Rathausabteilung gefunden. Wewers: „Das tut uns leid.“

In der Sache aber sei die Entscheidung nicht einfach und kostspielig. Nach und nach hätten sich im vergangenen Jahr immer größere Bauschäden offenbart. Auch die Heizungsanlage, die Wasserleitungen und die Tribüne zeigten Schäden. Die geschätzten Sanierungskosten stiegen immer weiter bis auf 640.000 Euro. Wewers: „Eine Entscheidung bei solch großen Summen braucht Zeit und gründliche Überlegungen.“

Zwei Förderanträge wurden 2020 abgelehnt. Die Stadt wird die Kosten alleine tragen müssen. Der Bauausschuss hat sich noch vor Beginn der Sommerferien vor Ort ein Bild gemacht. Eine Entscheidung steht in der kommenden Sitzung des Umwelt- und Bauausschusses am Dienstag, 31. August, auf der Tagesordnung. Die Alternativen: eine Sanierung für 650.000 Euro oder ein Neubau für 768.000 Euro.

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