Helmut Könning war gern Bürgermeister: „Die schönste Aufgabe, die es gibt“

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Wenn Helmut Könning auf seine 17 Jahre Amtszeit als Bürgermeister in seiner Heimatstadt Stadtlohn schaut, ist er dankbar, dass er dieses Amt ausfüllen durfte. Trotz einiger bitterer Momente.

Stadtlohn

, 26.10.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit 17 Jahren ist Helmut Könning Bürgermeister seiner Heimatstadt Stadtlohn. Sein Plan war das eigentlich nicht, sagt er im Gespräch mit der Redaktion. Aber er sei froh, dass sich sein Lebensweg so entwickelt hat: „Es ist so vielfältig, die schönste Aufgabe, die es gibt“, fasst der 67-Jährige zusammen. „Ich bin dankbar, dass ich es machen durfte.“

Ehrungen waren Anlässe, bei denen Bürgermeister Helmut Könning (rechts) die Bürgermeisterkette umlegte. Wie hier bei der Ehrung von  Otger Harks, Gerda Perl, und Bernd Schöning (vorn v. l.) sowie Rolf Schneider, Johannes Pohlmann und Michael Knuf (hinten v. l.)

Ehrungen waren Anlässe, bei denen Bürgermeister Helmut Könning (rechts) die Bürgermeisterkette umlegte. Wie hier bei der Ehrung von Otger Harks, Gerda Perl, und Bernd Schöning (vorn v. l.) sowie Rolf Schneider, Johannes Pohlmann und Michael Knuf (hinten v. l.) © Thorsten Ohm (A)

Beim Gespräch betont er immer wieder, dass ein Bürgermeister allein nichts bewegen könne. „Das ist eine Gemeinschaftsaufgabe“. Und überhaupt: „Bürgermeister sein: Das ist kein Job, das ist eine Aufgabe“. Es gelte, alles miteinander in Einklang zu bringen: Die Arbeit, die Familie, die Freunde, die Politik. „Aber das weiß man vorher.“

„Bürgermeister sein: Das ist kein Job, das ist eine Aufgabe.“ Helmut Könning, 17 Jahre Bürgermeister von Stadtlohn

Einen Eindruck vom „Bürgermeister sein“ konnte Helmut Könning sich verschaffen, bevor er 2003 zum ersten Mal für die CDU um den Chefsessel im Rathaus antrat. Seit 1994 war der Stadtlohner Ratsmitglied, von 1999 an übernahm er die Aufgabe des stellvertretenden Bürgermeisters.

Bürgermeister: „Die schönste Aufgabe, die es gibt“

Als es dann 2003 um die Nachfolge für Engelbert Sundermann ging, geriet Helmut Könning in den Blick seiner Christdemokraten. Der Stadtlohner war seinerzeit Verwaltungsleiter des Henricus-Stifts in Südlohn, und das sehr gerne, wie er heute sagt. Aber: Die Aufgaben eines Bürgermeisters reizten ihn dann doch. „Vorher war ich viel im sozialen Bereich unterwegs, hatte mit älteren Menschen zu tun. Als Bürgermeister begleitet man den Kreis des Lebens“, blickt Helmut Könning zurück.

Ist es denn so, dass ein Bürgermeister gestalten kann? Der Stadtlohner überlegt nur kurz und bejaht. „Mit Hilfe der Mitarbeiter des Rathauses, die alles sehr gut vorbereitet haben. Und mit dem Rat“, sagt er. Mit der Kommunalpolitik habe es eine gute Zusammenarbeit gegeben, „alle haben die Ziele Stadtlohns im Auge gehabt“. Und seine Heimatstadt habe sich gut entwickelt.

Eine schöne Aufgabe: Die Eröffnung der Mühlenstraße nach vollbrachter Neugestaltung im Jahr 2015.

Eine schöne Aufgabe: Die Eröffnung der Mühlenstraße nach vollbrachter Neugestaltung im Jahr 2015.

Einen Baustein kann er beim Blick aus seinem Büro sehen: Die Umgestaltung der Innenstadt nach dem Integrierten Handlungskonzept. Eine Mammutaufgabe, die fast, bis auf die Marienschule und den Owweringpark, in seiner Amtszeit umgesetzt wurde. Könning ist begeistert: „Das ist gut geworden“.

Beim Projekt Kunststation hätten Auswärtige viel Lob für die Innenstadt übrig gehabt, aber viel wichtiger, so der Bürgermeister: Viele Einheimische hätten bei Rundgängen ihre Stadt noch einmal aus anderen Perspektiven gesehen. Und positives Feedback gegeben.

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Gerne hätte er das gerade gestartete Projekt rund um Berkel und Berkelmühle noch weiter vorangebracht. Aber dies ist auch ein Beispiel dafür, was er als Leiter einer Stadtverwaltung vor Jahren lernen musste, wenn viele Beteiligte, viele Behörden mit an Bord sind. „Ich habe mich bei meiner täglichen Arbeit doch gewundert, dass manches länger dauert.“

Kita-Plätze waren ein Thema, das Helmut Könning 17 Jahre lang begleitete. Hier mit Juliane Rehkamp im Jahr 2018, als die provisorische Kindergartengruppe des DRK Familienzentrums Prinz Botho an der Bakenstraße startete.

Kita-Plätze waren ein Thema, das Helmut Könning 17 Jahre lang begleitete. Hier mit Juliane Rehkamp im Jahr 2018, als die provisorische Kindergartengruppe des DRK Familienzentrums Prinz Botho an der Bakenstraße startete. © Stefan Grothues (A)

Beim Blick auf 17 Jahre Amtszeit fallen ihm einige Bereiche ein, die ihn immer begleitet haben. Das dynamische Thema Kita-Plätze zum Beispiel. Dann der Bereich Schule. Millioneninvestitionen in Sanierungen, in neue Mensen, in Offene Ganztagsschulen. „Die Abiturfeiern – immer ein Highlight“, so Helmut Könning. Aber gleichzeitig bescherte der Bildungsbereich bittere Momente. „Schulschließungen sind mir nahe gegangen.“ Das Aus für die Marienschule, die Owweringschule, „besonders schmerzhaft war die Schließung der Johannesschule.“

Schwierige Entscheidungen: Schulen und Sparkasse

Die Aufgabe der Eigenständigkeit der Sparkasse Stadtlohn war auch seinerzeit eine schwierige Entscheidung, „aber letztlich ist es eine Erfolgsgeschichte“, kann der Bürgermeister heute festhalten. Ebensolches verspricht er sich von der Bündelung der Stadtlohner und Vredener Frei- und Hallenbäder in der SVS Bäder GmbH – „ein großes Projekt“.

Ein Problem, das ihn in seiner ganzen Amtszeit manches Kopfzerbrechen bereitet hat, ist die fehlende Fläche für Gewerbe- und Industrie. „Ich bin dankbar für kleine Schritte“, blickt er auf gelungene Erweiterungen, selbst in Größen von drei bis fünf Hektar, zurück. Aber nie konnte ein großer Wurf gelingen. Zum Einen wegen Einschränkungen in der Landesplanung, aber auch schlicht wegen fehlender Grundstücke.

Helmut Könning genoss den Kontakt zu Vereinen und Familien in Stadtlohn, die seine Repräsentationsaufgaben mit sich brachten. Hier bei einer Geflügelausstellung in der Stadthalle.

Helmut Könning genoss den Kontakt zu Vereinen und Familien in Stadtlohn, die seine Repräsentationsaufgaben mit sich brachten. Hier bei einer Geflügelausstellung in der Stadthalle. © Susanne Dirking (A)

„Oft habe ich es auch zur Chefsache gemacht“, sagt Helmut Könning zu Bemühungen, für die Stadt zu vertretbaren Preisen an Grundstücke zu gelangen. „Wenn dann aber die Vorstellungen auseinander gehen, dann wird das eben auch nichts“, hält er fest. „Schmerzhaft“ seien dann die Abwanderungen Stadtlohner Unternehmen gewesen.

Aber im Rückblick überwiegt die Freude am Amt. Gerne habe er auch Repräsentationsaufgaben übernommen, um etwa bei Vereinsfeiern, Ehe- oder Altersjubiläen mit den Stadtlohner Familien ins Gespräch zu kommen. „Morgens hingehen, abends dranhängen“, sagt er schmunzelnd. Aber die Zeit sei es ihm wert gewesen.

Pflichttermin, mit karnevalistischer Freude absolviert: Helmut Könning am Altweiberdonnerstag 2018 - drei Schlipse hat der Bürgermeister geopfert.

Pflichttermin, mit karnevalistischer Freude absolviert: Helmut Könning am Altweiberdonnerstag 2018 - drei Schlipse hat der Bürgermeister geopfert. © Markus Gehring (A)

An Kritik „unterhalb der Gürtellinie“ kann Helmut Könning sich nicht erinnern. „Selbst in Zeiten der Flüchtlingskrise nicht“, betont er. 430 Menschen unterzubringen, sei eine Mammutaufgabe gewesen. Die Stadt habe sie gut bewältigt. Mit aufgestocktem Personal, aber auch mit Hilfe vieler Freiwilliger.

„Ich werde nicht müde, das ehrenamtliche Engagement in Stadtlohn zu loben“, sagt der Bürgermeister. Was die Krisen angeht, kann er das auch aktuell für die Corona-Zeit bestätigen. Die habe die Rathaus-Mitarbeiter herausgefordert, und auf die Ehrenamtler sei wieder Verlass gewesen. „Wir haben das bislang eigentlich ganz gut überstanden“, zieht er Zwischenbilanz.

Helmut Könning hätte Mitstreitern gerne bei Feier gedankt

Auch hier betont er die Gemeinschaftsaufgabe. Dass er wegen der Corona-Pandemie die für den 23. Oktober geplante Abschiedsfeier absagen musste, bedauert er, „weil ich mich gerne bei vielen bedankt hätte.“ Denn im Rückblick stellt er vor allem fest: „Nur wenn viele anfassen, dann geht es.“

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