Dampfmaschinen bauen, Orgel spielen, Singen und CDs aufnehmen. Wilhelm Beinl hat viele Leidenschaften und Talente. Mit seinen Hobbys hält sich der 79-Jährige seit 40 Jahren fit.

von Christin Lesker

Stadtlohn

, 11.01.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Solange ich lebe, kroase ich rum“, sagt der Hobby-Bastler und -Musiker Wilhelm Beinl, als er die Mechanik seiner großen, selbst gebauten Dampfmaschinen erklärt. Der 79-Jährige liebt das Selbermachen. Wenn er gerade nicht an seinen Dampfmaschinen baut, spielt er, ohne Noten lesen zu können, auf seiner Konzertorgel oder dem Keyboard.

„Ich muss mich geistig regen, sonst verblöde ich“, stellt der Rentner klar. „Manchmal sehe ich alte Leute, die den ganzen Tag nur Däumchen drehen. So alt zu werden, fände ich schrecklich.“ Deshalb fing er zusätzlich zum Orgelspielen vor einem Jahr auch an zu singen und CDs aufzunehmen.

Deutsche Schlager-Cover auf eigenen CDs

In den Glasvitrinen an den Wänden des Hobby-Raums stehen kleine Dampfmaschinen, -loks und zwei selbst gebaute Dampfschiffe. Mitten im Raum sitzt Wilhelm Beinl an seinen Keyboards. Gerade noch dreht der Stadtlohner ein paar Regler, da pusten schon die zwei großen Boxen südländische Melodien durch das Zimmer und er fängt an „Aloha He“ von den Flippers zu spielen.

Dann nimmt er das Mikrofon in die Hand. Als er beginnt, den flotten Klassiker „Geisterreiter“ zu singen, kommt Stimmung in die Bude. Vor einem Jahr hatte ein Nachbar den Rentner ermutigt, auch mal das Singen auszuprobieren. Seitdem singt er alte und neue deutsche Schlager und nimmt sogar selber CDs auf. „In dem einen Jahr habe ich schon viel gelernt“, erklärt er.

Im Wohnzimmer nebenan steht der nächste wahre Schatz. Eine große Hammond Konzertorgel.

Orgelspielen ohne Noten lesen

„Immer, wenn ich am Musikladen vorbei gelaufen bin, dachte ich: Du brauchst auch eine Orgel, also habe ich mir eine gekauft.“ Dann hat Wilhelm Beinl einfach angefangen zu spielen und sich alles selbst beigebracht. „Man muss ein bisschen ausprobieren. Mal hier drücken, mal da.“ Vor Publikum spielen möchte der 79-Jährige aber nicht. „Ich kann ja keine Noten lesen“, erklärt er.

Auf der Orgel spielt der Rentner auch Rock'n‘Roll und hat sogar ein Stück selbst geschrieben. Wilhelm Beinl fegt über die Tasten und verstellt beim Spielen immer wieder die Regler und Knöpfe. Mit der riesigen Box in der Ecke wird das ganze Wohnzimmer beschallt. „Ich finde das prima und höre gerne zu, aber wenn es mir zu bunt wird, gehe ich spazieren“, gesteht seine Frau Edelgard und lächelt.

Der Kauf der ersten Orgel ist nun fast 40 Jahre her. Ungefähr zur gleichen Zeit fing auch die Leidenschaft für das Bauen von Dampfmaschinen an.

Jahrelange Arbeit

Über Wilhelm Beinls Leidenschaft, Dampfmaschinen zu bauen, haben wir bereits vor drei Jahren berichtet. Seither sind zu den bestehenden zwei noch zwei neue Dampfmaschinen hinzugekommen. „Ich habe im letzten Sommer jeden Tag an den Maschinen gebaut.“ Sonst braucht der Rentner einige Jahre für eine Maschine.

Ein großes goldenes „B“ für Beinl Dampfmaschine steht über dem aufwendigen Konstrukt aus Messing- und Kupferrohren, einem großen Wassertank, kleinen Anzeigern, Rädern, Riemen und Lämpchen. Sieht man die glänzenden Rohre, ist kaum vorstellbar, dass der 79-Jährige seine Materialien, wie auch Kupfer oder Messing vom Schrott, Installateuren oder vom Speermüll bekommt.

Meisterwerke aus dem Kopf gebaut

Beim Anblick der detailreichen und aufwendig gestalteten Dampfmaschinen, ist es schwer zu glauben, dass Wilhelm Beinl diese Meisterwerke selbst konstruiert und gebaut hat. „Ich mache alles aus dem Kopf, ohne Zeichnung“, verblüfft er weiter. „Man muss halt wissen, wie eine Dampfmaschine funktioniert, aber das weiß ja jedes Kind.“

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Durch ein Feuer wird das Wasser wegen der Hitze zu Dampf. Der Dampf geht durch die Rohre in die Dampfmaschine und treibt den Generator an. „Dann leuchtet das Lämpchen“, erklärt Wilhelm Beinl. Klingt logisch, sieht man allerdings die Maschine, wird klar, dass es zum Konstruieren dieser kleinen Meisterwerke weit mehr als dieses Wissen braucht. Wegen seiner früheren Arbeit als Maschinenschlosser hat der Stadtlohner auch ein Händchen fürs Bauen. „Ich bin einfach ein großes Kind, das gerne mit Dampfmaschinen spielt“, sagt der Rentner seine Leidenschaft mit einem Lachen.

So langsam muss alles raus

Ohne Frage liebt Wilhelm Beinl, was er tut. Trotzdem beginnt er langsam seinen Bestand zu verkaufen. „Ich werde bald 80 und meine Kinder teilen leider nicht die gleichen Interessen“, erklärt er. „Eigentlich haben viele Leute das gleiche Hobby, aber es werden immer weniger.“ Früher habe Wilhelm Beinl noch Interessenten für seine Dampfmaschinen gehabt, aber da waren sie noch nicht fertig. „Wenn niemand sie haben will, freut sich irgendwann ein Museum darüber.“

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