Norbert Sass (l.) mit seinem Rechtsanwalt Frank Theumer beim Prozessauftakt vor einem Jahr am Amtsgericht Heilbronn. © Christiane Hildebrand-Stubbe
Illegalen Krebstherapie

Illegale Krebs-Therapie: Norbert Sass möchte ein neues Urteil

Der ehemalige Stadtlohner Norbert Sass, vom Amtsgericht Heilbronn wegen einer illegalen Krebstherapie zu einer Haftstrafe verurteilt, gibt nicht auf. Jetzt muss das Landgericht entscheiden.

Eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und zehn Monaten, so lautete das Urteil des Amtsgerichts Heilbronn im Mai dieses Jahres gegen Norbert Sass, der als angeblicher Biologe eine nicht zugelassene Krebstherapie mit Exosomen (Stammzellen-Derivate) eingesetzt hatte. Im Zentrum der Anklage hatte neben anderen Vergehen der Tatvorwurf schwere Körperverletzung und Verstoß gegen das Heilpraktiker-Gesetz gestanden.

Zwei im Endstadium an Krebs erkrankte Frauen waren gestorben. Noch im Gerichtssaal war der Angeklagte, der in Stadtlohn Mit-Betreiber des „Löwenhofs“ gewesen war, von Polizeibeamten abgeführt worden.

Auch Staatsanwältin geht in Berufung

Gegen das Urteil hat die Verteidigung Berufung eingelegt. Und nicht nur die. Auch Staatsanwältin Bettina Jörg ist diesen Schritt gegangen. Sie hatte in der ersten Instanz eine Haftstrafe von vier Jahren gefordert. Lutz Hils, Pressesprecher des Landgerichts Heilbronn, bestätigte, dass sein Haus jetzt im Berufungsverfahren entscheiden müsse. Eine Begründung liege von keiner Seite vor und sei auch in einem solchen Fall nicht erforderlich, so Hils.

Eine Hauptverhandlung ist bislang noch nicht terminiert. Angesichts einer Vielzahl von Verfahren vor den Großen Strafkammern, bei denen noch kein erstinstanzliches Urteil gefallen sei, ist nach Einschätzung von Richter Hils „auch nicht ganz so viel Eile geboten“. Da in vielen Fällen gesetzliche Fristen für den Beginn der Hauptverhandlung eingehalten werden müssten, sei es „im Dienstbetrieb des Landgerichts nichts Ungewöhnliches, dass hier Prioritäten gesetzt werden müssen“. Heißt: Es kann wohl noch einige Zeit dauern, bis auch die zweite Instanz über die Causa Sass befindet. Wie Lutz Hils auf Anfrage bestätigt, befindet sich Norbert Sass aber weiter in Haft.

Heilungs-Versprechen und hohe Rechnungen

Die Aktivitäten, die letztlich zur Verurteilung des 71-Jährigen geführt hatten, sind zweifelhaft. Norbert Sass, eine schillernde Persönlichkeit mit ebensolcher Biografie, hatte nicht nur über Jahre für seine spezielle Krebstherapie auf verschiedensten Kanälen international geworben, sondern sie auch aktiv eingesetzt und Heilung versprochen.

Da er oft als Dr. Sass auftrat, hatte er zudem den Eindruck erweckt, dass er Mediziner sei. Seine Dienste ließ er sich gut bezahlen und stellte Rechnungen über 74.000 und 100.000 Euro aus. Die versprochene Heilung aber blieb aus. Sachverständige äußerten vor dem Amtsgericht erhebliche Zweifel an der Wissenschaftlichkeit des Angeklagten.

Trotz anhängigen Gerichtsverfahrens setzte Norbert Sass zunächst seine PR-Aktion für Exosome fort. Inzwischen findet man im Netz allerdings keine neuen Hinweise. Und jetzt muss das Landgericht Heilbronn die ganze Angelegenheit erneut aufrollen und das erste Urteil bestätigen oder zu neuen Erkenntnissen und einem neuen Urteil kommen.

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