Interview mit KG-Präsidenten Andreas Rotherm

Über Sorgen und Tradition

Mitten in den Vorbereitungen für die drei großen Büttabende steckt die Karnevalsgesellschaft "Üm Bütt un Pütt". Der Kartenvorverkauf läuft. Doch die Zeiten, als die Menschen vor der Stadthalle campierten, um eine der begehrten Karten zu bekommen, sind vorbei. Über den Erhalt der närrischen Tradition in Stadtlohn sprach Redakteur Bernd Schlusemann mit dem KG-Präsidenten Andreas Rotherm.

STADTLOHN

, 19.12.2015, 00:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Herr Rotherm, Sie veranstalten drei Büttabende mit zusammen rund 1800 Besuchern. Wie läuft der Kartenvorverkauf?

Für die beiden Samstage haben wir nur noch ein paar Restkarten. Sorgen bereitet mir aktuell etwas der Freitagabend, da haben wir selbst im begehrten Mittelschiff noch gute Plätze frei.

Die KG hat doch gerade erst von Sonntag auf Freitag umgestellt...?

Stimmt! Wir haben gemerkt, dass der Kartenvorverkauf insgesamt in den vergangenen Jahren rückläufig ist, obwohl unser Programm immer anspruchsvoller wird. Unsere Überlegung war dabei, dass die Stadtlohner eher an einem Freitag Zeit haben, als an einem Sonntag. Das hat sich leider so bis jetzt nicht bestätigt. Aber mit der Schwierigkeit, einen Saal zu füllen, stehen wir nicht alleine. Viele Nachbarvereine veranstalten nur einen Showabend und auch hier klagt man über mangelnde Besucherzahlen.

Und jetzt, gehen Sie im nächsten Jahr zurück auf den Sonntag oder bestuhlen Sie die Stadthalle enger und machen nur noch zwei Abende?

Wir werden hier in der kommenden Session sicherlich etwas ändern müssen. Persönlich würde ich gerne drei Abende beibehalten. Ich denke, das ist auch im Sinn unserer Akteure. Die proben teilweise monatelang und freuen sich über jeden Auftritt. Bei zwei Abenden glaube ich, wird es schwer, Leute für einen Auftritt beim Büttabend zu begeistern. Wir haben übrigens nur eigene Darsteller für die wir keine Gagen zahlen müssen. Lohn für unsere Künstler ist tatsächlich nur der Applaus des Publikums.

Was gibt es denn in der jetzigen Session für Highlights beim Büttabend?

Jeder Akteur ist für sich ein Highlight, egal ob Büttredner, Tanzgarde oder der Auftritt unserer drei Kapellen. Nach zwei Jahren Pause haben wir im Januar wieder die Turner des SuS auf der Bühne. Die feilen schon seit Wochen an ihrem Auftritt und wollen ihre letzte Darbietung noch übertreffen. Persönlich freue ich mich auch auf Ruth Rosker, die nach ein paar Jahren Abstinenz bei uns wieder als "Elfriede Schulze Piepenbrink" in der Bütt steht. Eine Rakete ist ihr jetzt schon sicher, wage ich zu prophezeien.

Das Programm ist also hochkarätig?

Garantiert. Das erwarten die Besucher auch. Wir brauchen die Büttabende und wir brauchen die Besucher, um unseren Rosenmontagszug zu finanzieren. Dann haben wir mehr als 20000 Menschen am Straßenrand und auch die sind in den vergangenen Jahren immer anspruchsvoller geworden. Das geht schon los bei den Wagen und Fußgruppen und hört bei den Wurfutensilien auf. Für ein Ein-Cent-Bonbon bückt sich heute leider kaum einer mehr.

Damit sind wir beim Geld…

Da wird einiges bewegt. Wir haben in jedem Jahr einen sechsstelligen Etat. Das Geld brauchen wir, wie in diesem Jahr, unter anderem für den Bau eines neuen Prinzenwagens. Auch der Elferrat wird beim Rosenmontagszug seinen neuen Wagen vorstellen. Viel Geld fließt außerdem in die kostspielige Ausstattung unserer Garden und natürlich brauchen die Musiker unserer Musikzüge auch mal neue Instrumente oder Uniformen. Und der Rosenmontagsumzug kostet uns viel Geld. Während die meisten Besucher feiern sind dabei viele Helfer im Einsatz, um den reibungslosen Ablauf zu gewährleisten und für die Sicherheit der Zugteilnehmer zu sorgen.

Mit den Büttabenden finanzieren Sie also den Rosenmontag?

Nicht alleine. Natürlich gibt es auch noch viele Marketing-Maßnahmen, die Geld in die Kasse spülen und wir haben rund 1000 zahlende Mitglieder. Aber ohne Büttabende müssten wir uns sicher etwas überlegen. Das ist auch ein Grund, warum ich an drei Abenden festhalten möchte.

Das Eine braucht also das Andere?

So ist es und das ist ja schon in unserem Namen manifestiert. "Bütt" steht klar für unsere Büttabende und "Pütt" steht für den Marktpütt und den Straßenkarneval drumherum. Unser Karneval in Stadtlohn ist eine traditionelle Veranstaltung. Aus dieser Tradition heraus haben wir eine Verantwortung und wir brauchen die Bürger, damit wir dieses kulturelle Ereignis erhalten können.

Das ist auch ein Problem für viele andere Vereine...

Ja, die Traditionsvereine haben es immer schwerer, auch weil mittlerweile so viel geboten wird. Ein Beispiel ist hier etwa, dass im letzten Jahr in Stadtlohn ein Schützenfest ohne König gefeiert wurde. Da bin ich froh, dass wir bisher noch keine Schwierigkeiten hatten, Prinzenpaare und Schülerprinzenpaare zu finden. Auch unsere Jugendarbeit funktioniert. Die Musikzüge freuen sich über Nachwuchs und unser Tanzsport ist nach wie vor ein Zugpferd. Darum ist es mir auch nicht bange, wenn ich sehe, mit welchem Ehrgeiz und welcher Freude unsere Garden für die Büttabende trainieren.

Das Vereinsleben der KG funktioniert also?

Auf jeden Fall. Trotzdem, wir brauchen die Besucher bei unseren Büttabenden um die Vielzahl unserer Veranstaltungen weiter in gewohnter Form durchführen zu können.

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