Bekannter aus dem Krankenhaus betrügt 64-Jährige um 2.300 Euro bei einem Autoverkauf

hzAmtsgericht Ahaus

Um viel Geld hat ein 51-jähriger Mann aus Stadtlohn eine 64-jährige Wessumerin bei einem Autoverkauf betrogen. Dass er etwas falsch gemacht hat, wollte er vor dem Amtsgericht nicht einsehen.

Stadtlohn

, 16.08.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein 51-jähriger Stadtlohner hat für eine 64-jährige Frau aus Wessum ein Auto verkauft. 10.500 Euro bekam er für den sieben Jahre alten VW Golf von einem Vredener Autohaus. Bei der Frau gab er jedoch nur 8.200 Euro ab. „Der Rest war mein Gewinn“, erklärte er vor dem Ahauser Amtsgericht.

„Sie war ja mit 8.200 Euro einverstanden. Ich habe mich weder schuldig gefühlt, noch strafbar gemacht“, erklärte der Angeklagte. Das sah der Richter anders. Warum der Angeklagte der Frau denn nicht den tatsächlichen Kaufpreis genannt habe, wollte der Richter wissen. „Na, dann hätte sie ja auf den Gedanken kommen können, dass sie das ganze Geld haben wollte.“

Angeklagter gab Informationen bewusst nicht weiter

Da hob der Richter nur fragend die Augenbraue: „Vielleicht stand ihr das ja auch zu?!“ Der Angeklagte habe ganz bewusst nicht alle Informationen an seine Auftraggeberin weitergegeben. „Das war nicht in Ordnung. Und wenn Sie jetzt hier so tun, als wüssten Sie das nicht, ist auch das falsch.“ Dass er sich keiner Schuld bewusst sei, spreche ebenfalls nicht für den Angeklagten, erklärte der Richter weiter.

„Haben Sie denn inzwischen das Geld zurückgegeben?“, war die nächste Frage des Richters. „Nein, das habe ich ausgegeben“, lautete die klare Antwort. In dem Moment schien dem Angeklagten jedoch zu dämmern, dass die Verhandlung anders lief, als er sich das vorgestellt hatte. „Wäre ich mal mit einem Anwalt erschienen. Ich kann mich ja so gar nicht verteidigen“, erklärte er.

Auto für 10.500 statt 8.200 Euro verkauft

Kennengelernt hatten sich der Stadtlohner und die Wessumerin im Krankenhaus. „Danach habe ich ihm mein Auto geliehen, weil seins nicht mehr fuhr“, erklärte die 64-jährige Geschädigte. Schließlich habe er sie dazu überredet, ihr Auto zu verkaufen, weil sie selbst das Auto nicht mehr fahren konnte.

Der Stadtlohner machte sich auf die Suche nach einem Käufer. „Eine Woche bin ich deswegen durch die Gegend gefahren“, erklärte er dem Richter. Angebote zwischen 6000 und 9000 Euro habe er bekommen, aber ausgeschlagen. In Rücksprache mit der Besitzerin habe er schließlich ein Angebot für 8.200 Euro angenommen. Erst danach habe er dann noch das Angebot über 10.500 Euro bekommen.

Zeugin kann sich an Vollmacht nicht erinnern

Für den Verkauf hatte ihm die Frau eine Vollmacht ausgestellt. Allerdings ohne einen Käufer oder einen Kaufpreis zu nennen. Vor Gericht wollte sich die Frau auch an diese Vollmacht zunächst nicht erinnern. Erst als der Richter ihr das Schriftstück vorlegte, ließ sie sich davon überzeugen. „Ja, dann muss ich das gemacht haben“, sagte sie. Vom tatsächlichen Verkaufspreis habe sie nur durch Zufall erfahren. „Ich war gutgläubig und naiv“, räumte sie ein.

Mit Zwischenrufen versuchte sich der Angeklagte noch aus der Affäre zu ziehen. „Fragen Sie sie doch, ob sie einen Führerschein hat“, rief er dem Richter zu. „Das ist völlig unerheblich“, unterbrach der den Angeklagten. „Sie haben jetzt Pause!“

Richter belässt es bei einer Geldstrafe

Am Ende stand eine Geldstrafe: 70 Tagessätze zu je 15 Euro muss der angeklagte Frührentner zahlen. Außerdem verurteilte ihn der Richter zur Einziehung von 2.300 Euro als Wertersatz für das unterschlagene Geld. Der junge Vertreter der Staatsanwaltschaft hatte sogar eine Freiheitsstrafe auf Bewährung gefordert. Dem folgte der Richter aber nicht. Die lange Liste von Vorstrafen des Angeklagten liege lange zurück. „Eine Freiheitsstrafe wäre da völlig überhöht“, so der Richter.

Dennoch tadelte er den Angeklagten. „Sie wussten ganz genau, dass Sie die gesamte Summe hätten übergeben müssen. Deswegen haben Sie ihr ja auch den tatsächlichen Kaufpreis nicht genannt.“

Der Angeklagte, der sich erst noch nach der Möglichkeit eines Einspruchs erkundigt hatte, nahm das Urteil danach kommentarlos hin.

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