Künstlerin verzeiht Vandalen mutwillige Zerstörung und freut sich über schnelle Reparatur

hzKunststationen 2019

Nur zwei Wochen nach dem Vandalismus-Vorfall kann die Skulptur „Demeter“ wieder besichtigt werden. Die Künstlerin Lotje de Lussanet hat ihren Blick auf den Vorfall mittlerweile geändert.

Stadtlohn

, 05.06.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gut gelaunt präsentiert sich am Dienstagmittag die niederländische Künstlerin Lotje de Lussanet. Mit Henk Boom, ihrem Ehemann, sitzt sie auf der Parkbank vor dem Haus Hakenfort und zeichnet mit ihrem Finger in der Luft die Konturen der Skulptur „Demeter“ nach, die nur einen Steinwurf entfernt zwischen zwei Buchsbäumen ihren neuen Platz gefunden hat. Mitarbeiter des städtischen Bauhofes haben die Reparatur übernommen, sodass sie schon jetzt wieder besichtigt werden kann. Folgeschäden gibt es auf den ersten Blick keine.

Rückblick: Vor zwei Wochen erhält Lotje de Lussanet einen Anruf – Stadtlohner Vorwahl. Klaus-Dieter Weßing, Fachbereichsleiter Kultur im Stadtlohner Rathaus, teilt ihr mit, dass ihre für die „Kunststationen 2019“ gefertigte Skultptur massiv beschädigt wurde. Der Schaden wird nach erster Schätzung auf 15.000 Euro beziffert. „Es war ein echter Schock. Ich dachte mir: Jetzt reicht es“, erinnert sich die niederländische Künstlerin.

Künstlerin verzeiht Vandalen mutwillige Zerstörung und freut sich über schnelle Reparatur

Klaus-Dieter Weßing war über den Vandalismus erschüttert. Unbekannte hatten die Skulptur hinter dem Haus Hackenfort zerstört. © Stephan Teine

Sie ist in diesem Moment kurz davor, nach Stadtlohn zu fahren, ihre „Demeter“ einzupacken und mit in die Heimat nach Diepenheim zu nehmen. Mehrere Monate Arbeit hatte sie schließlich in die knapp zwei Meter hohe Skulptur aus Eisen und Blattgold investiert.

Lotje de Lussanet ist vom Vandalismus geschockt

Wer Lotje de Lussanet am Dienstag beobachtet, kann sich nur schwer vorstellen, dass diese Frohnatur mit den feuerroten Haaren so aufgebracht reagiert. Doch auch ihr Fass hat offenbar Grenzen. „Es war das dritte Mal, dass innerhalb von kürzester Zeit ein Kunstwerk von mir in Stadtlohn beschädigt wird.“

Künstlerin verzeiht Vandalen mutwillige Zerstörung und freut sich über schnelle Reparatur

Die schmalen Eisenbänder waren durchgerissen. © Stephan Teine

Schon einen Tag nach der Eröffnung der Kunststationen erhält sie den ersten Anruf. „Offenbar hatten Fahrradfahrer im Vorbeifahren an der Skultpur gezogen oder dagegen getreten. Sie stand damals noch direkt an der Dr.-Joseph-Vogtt-Gasse“, sagt Lotje de Lussanet. Gemeinsam beschloss man, die Skulptur ein wenig nach hinten zu versetzen und damit aus der Schussbahn zu nehmen. Noch bevor „Demeter“ auch am neuen Standort von Unbekannten beschädigt wird, erwischt es ihr zweites Kunstwerk „Lucy“. Die Graffiti-Schmierereien entfernte sie selbstständig.

Künstlerin bringt Verständnis auf

Mittlerweile hat die niederländische Künstlerin ihren Frieden mit der Situation gemacht. Das Lachen ist endgültig zurückgekehrt. „Es war einfach toll, von wie vielen Seiten Unterstützung angeboten wurde“, berichtet sie. Den Gedanken, ihre Kunstwerke aus Stadtlohn vorzeitigt zu entfernen, hat sie schon lang verworfen.

Ganz im Gegenteil: Mittlerweile hat sie einen anderen Blick auf den Vorfall entwickelt. „Die Göttin Demeter steht unter anderem für Fruchtbarkeit, Schöpfung und Zerstörung. Das ist fast schon wie ein Zeichen. Seit Anbeginn der Menschheit zerstören Menschen – und bauen wieder auf“, sagt Lotje de Lussanet.

„Ich bin den Menschen nicht böse“

Sie nimmt die Vandalen sogar teilweise in Schutz: „Das Leben ist nicht so einfach. Nicht jeder hat die gleichen Chancen. Ich bin den Menschen nicht böse, die es getan haben. Es war ein Akt der Verzweiflung.“

Statt auf die Vergangenheit blickt die Künstlerin allerdings lieber in die Zukunft. Sie könnte sich vorstellen, eine zweite „Demeter“ zu erstellen. Gewünschter Standort: das Berkelmühlen-Areal. „In der griechischen Mythologie hat die Göttin Demeter den Menschen das Korn gebracht. Ich denke, dass würde toll passen.“ Bürgermeister Helmut Könning kennt diese Idee und zeigte bereits Interesse.

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