Kunst auf dem Markt: Stadt Stadtlohn kauft zwei Bronzepferde für 95.000 Euro

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Jetzt ist es beschlossene Sache. Die Bronzepferde des Künstlers Johannes Brus sollen dauerhaft auf dem Marktplatz bleiben. Die Stadt sucht Spender und Sponsoren.

Stadtlohn

, 07.02.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Ich finde die Pferde super. Toll, dass die Stadt Stadtlohn sie kauft.“ Birgit van de Maat, Obst- und Gemüsehändlerin auf dem Stadtlohner Wochenmarkt, hat eine klare Meinung zu den Bronzepferden vor dem Rathaus.

Kaufentscheidung ohne Gegenstimme

Eindeutig war auch das Ergebnis der nichtöffentlichen Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am vorangegangenen Mittwochabend. Ohne Gegenstimme bei drei Enthaltungen hat sich der Ausschuss für einen Ankauf der Bronzepferde des Künstlers Johannes Brus ausgesprochen.

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Kostenpunkt 95.000 Euro. Das Abstimmungsergebnis teilte Bürgermeister Helmut Könning am Donnerstag auf Anfrage unserer Redaktion mit. „Die Pferde finden bei allen großen Anklang, manche hatten aber doch Bedenken wegen des Preises“, so erklärte der Bürgermeister die Stimmenthaltungen.

Spender und Sponsoren gesucht

Das Kunstwerk des renommierten Künstlers Johannes Brus wurde im vergangenen Jahr im Rahmen der „Kunststation 2019“ auf dem Markt aufgestellt und entwickelte sich rasch zum Publikumsliebling. Auch Kunstkenner schätzen das Werk des Essener Künstlers. Arbeitspferde sind in seinen Arbeiten ein immer wiederkehrendes Motiv.

Die Kunststation 2019 ist Vergangenheit, die Pferde sollen nach dem Beschluss der Politiker bleiben. Finanziert werden soll der Kaufpreis – allein zwei Drittel entfallen nach Angaben des Bürgermeisters auf die Materialkosten – mit Stiftungsmitteln, Sponsoren und Spenden sowie einem Zuschuss aus Landesmitteln.

„Wir haben 40.000 Euro aus Mitteln des Förderprogramms Heimat der Landesregierung beantragt“, so Helmut Könning. Unterstützung rechnet er sich auch von der Sparkassenstiftung und der Geschwister-Hakenfort-Stiftung aus. Weil die Pferde so beliebt seien, hofft Könning auch auf Firmen als Sponsoren und auf Privatspender. „Es sind auch Spendenquittungen möglich“, so der Bürgermeister.

Friedensspitze bleibt als Schenkung in Stadtlohn

Ein weiteres Kunstwerk der Kunststation 2019 wird als Schenkung in Stadtlohn einen festen Platz finden. Die Skulptur „Friedensspitze“ des Vredener Künstlers Walter Wittek soll der Gedenkhalle für die Opfer der Weltkriege bleiben. Diesem Antrag des Heimatvereins Stadtlohn hat der Haupt- und Finanzausschuss am Mittwochabend einstimmig bei einer Stimmenthaltung beschlossen.

Kunst auf dem Markt: Stadt Stadtlohn kauft zwei Bronzepferde für 95.000 Euro

Die Friedensspitze des Vredener Künstler Walter Wittek wird als Schenkung dauerhaft in der Gedenkhalle für die Opfer der Weltkriege am Rathaus bleiben. © Markus Gehring

„Der Titel dieses Kunstwerkes schafft einen Bezug zur Gedenkhalle für die Opfer der Weltkriege“, so der Heimatverein in seinem Antragsschreiben. Der Erste Beigeordnete Günter Wewers rief im Ausschuss die Geschichte er Friedensspitze in Erinnerung: Sie wurde von Künstler Walter Wittek aus Anlass des Kirchentages 2000 des Evangelischen Kirchenkreises Steinfurt-Coesfeld-Borken geschaffen als „Symbol für die Bedrohung des Friedens“.

Prozession führte von Vreden über Stadtlohn nach Ahaus

In einer Prozession wurde die Skulptur anschließend von Vreden über Stadtlohn nach Ahaus getragen, wo sie bis vor drei Jahren vor der evangelischen Kirche in Ahaus aufgestellt war.

Im Jahr 2017 wurde das Kunstwerk dort abgebaut, um an gleicher Stelle

aus Anlass des Luther-Jahres eine Luther-Stele aufzustellen. Für die Friedensspitze sucht der Evangelische Kirchenkreis seitdem einen neuen würdigen Aufstellort.

Das Kunstwerk befindet sich im Eigentum des Evangelischen Kirchenkreises und war seinerzeit eine Stiftung der Familie Stenau, die sich einen neuen Aufstellort in Ahaus gewünscht hätte.

„Idealer Standort“ in Stadtlohn

Der Kirchenkreis und die Stifterfamilie, so Wewers, sähen nun aber den neuen Standort in Stadtlohn als „ideal“ an, weil es dort in besonderer Weise als „Symbol für die Bedrohung des Friedens“ wahrgenommen werde. Wewers: „Man war der Auffassung, dass es einen besseren Platz für die Stele kaum geben könne.“

Aufgrund der Schenkung fallen nur Kosten für Fixierungsarbeiten und das Anfertigen und Anbringen einer Hinweistafel in Höhe von rund 4000 Euro an. Der Heimatverein will sich daran mit einem Anteil von rund 1000 Euro beteiligen, für den Restbedarf wird ein Zuschuss bei der Sparkassenstiftung für Stadtlohn beantragt.

Übergabe bei der Gedenkstunde zum 75. Jahrestag der Bombardierung

Offiziell soll die Friedenspitze am 22. März übergeben werden. Ein geschichtsträchtiges und trauriges Datum für die Stadt Stadtlohn. Am 22. März 1945 wurde Stadtlohn kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs bombardiert und völlig zerstört. Aus Anlass des 75. Jahrestags findet am Sonntag, 22. März, um 17 Uhr in der Pfarrkirche St. Otger unter Beteiligung des Konzertchors der VHS eine Gedenkstunde statt.

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