Mindestlohn für Auszubildende – das sagen die Stadtlohner Arbeitgeber

hzAzubi–Mindestlohn

Handwerkliche Berufe scheinen für die Jugend immer unattraktiver. Viele Betriebe kämpfen um Auszubildende. Der Azubi-Mindestlohn ab 2020 soll helfen. Doch die Meinungen gehen auseinander.

von Christin Lesker

Stadtlohn

, 14.12.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Es wurde jahrelang etwas für Studierende gemacht. Die Auszubildenden wurden dabei vom Staat vernachlässigt", findet der Stadtlohner Bäcker- und Konditormeister Claus Zumbusch. Das soll sich jetzt ändern. Ab Januar 2020 bekommen Auszubildende deutschlandweit mehr Lohn, und zwar mindestens 515 Euro, das hat die SPD durchgesetzt. Klingt erst mal gut, aber es gibt auch kritische Stimmen.

Laut Bundesagentur für Arbeit bekommen 115.000 Azubis aktuell weniger als 500 Euro monatlich. Demnach würden viele von dem Mindestlohn profitieren.

Von den Kritikern heißt es allerdings, der Mindestlohn würde für kleine Betriebe über die Schmerzgrenze hinaus gehen und deshalb die Ausbildungsbereitschaft schmälern.

Zumbusch: Das Handwerk droht auszusterben

Claus Zumbusch findet drastische Worte für die aktuelle Situation im Handwerk. „Das Handwerk stirbt aus, wenn wir weiter auf Akademiker setzen. Wir müssen dringend gegenhalten und etwas für die Azubis tun“, positioniert er sich klar. „Deshalb dürfte meinetwegen auch noch ein Hunderter auf den Mindestlohn draufgelegt werden.“

Christoph Bruns, Hauptgeschäftsführer der Kreis Handwerkerschaft Borken hingegen findet: „Der Auszubildenden-Mindestlohn wäre nicht unbedingt erforderlich gewesen. Bei den meisten der Handwerksberufe, die wir betreuen, liegt die tarifliche Ausbildungsvergütung ohnehin über dem Mindestlohn", macht er klar. Und er ist sich sicher, bei den wenigen Betrieben, die ab 2020 doch mehr zahlen müssen als zuvor "wird es die Ausbildungsbereitschaft nicht tangieren".

Jetzt lesen

Tatsächlich bekommen viele Auszubildende, selbst im Niedriglohnsektor, bereits ein gutes Gehalt. So verdienen Bäcker im ersten Lehrjahr schon 615 Euro, Restaurantfachkräfte sogar 750 Euro. Aber es gibt eben auch jene, die weniger verdienen. Konditoren müssen sich im ersten Lehrjahr mit 450 Euro zufrieden geben, Friseure bekommen nur rund 370 Euro. Bei einem Mindestlohn von 515 Euro bedeutet das also deutlich höhere Lohnkosten für einige Arbeitgeber.

Geld heißt Wertschätzung

„Natürlich ist es manchmal schwierig", erklärt Anne Hintemann von der Gaststätte Schlüter in Stadtlohn, „aber jeder muss einmal anfangen, und wir möchten auch nicht, dass unsere Auszubildenden den Spaß an ihrem Beruf verlieren.“

Auch Andrea Messing, Inhaberin des Haarstudios Andrea wird ihre Löhne anheben müssen. Trotzdem ist sie glücklich über diese Entwicklung. „Die steigenden Kosten und Löhne zwingen mich zwar auch meine Preise bald anzuheben“, macht die Stadtlohnerin deutlich. „Aber in unserem Handwerk fehlt die Wertschätzung. Ich habe super Auszubildende, und wenn jemand gute Arbeit leistet, sollte er auch gutes Geld bekommen.“

Umdenken nötig

Claus Zumbusch denkt langfristig. „Wir brauchen doch unsere Auszubildenden. Wer viel für seine Azubis tut, der kann sie vielleicht auch halten". Das würde helfen, die Branche am leben zu halten.

Um an der Notsituation des Handwerks etwas zu ändern, müsse aber mehr als nur eine Lohnerhöhung stattfinden. „Öffentlichkeitsarbeit ist noch wichtiger als Geld“, findet Claus Zumbusch. „Es muss ein Umdenken in den Köpfen stattfinden. Und dabei müssen wir vor allem die Eltern überzeugen.“

Jetzt lesen

Vielen jungen Leuten werde wegen der Bezahlung von handwerklichen Berufen abgeraten. Claus Zumbusch liebt seinen Bäckerberuf und er findet, das ist das Wichtigste. „In erster Linie muss Arbeit doch glücklich machen. Für mich ist Handwerk mehr Berufung als Beruf. Das sind Berufe, die ins Herz gehen".

Lesen Sie jetzt