Stadtlohner Mühlenstraße blickt auf jahrhundertealte Tradition zurück

Serie Straßennahmen

Stadtarchivar Ulrich Söbbing stellt in loser Reihenfolge die wechselvolle Geschichte der Stadt Stadtlohn vor und wie die Straßen zu ihren Namen kamen. Heute: die Mühlenstraße.

Stadtlohn

04.07.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Mühlenstraße heute

Die Mühlenstraße heute © Ulrich Söbbing

Die Mühlenstraße beginnt am Marktplatz und verläuft von dort nordwärts. Sie überquert die Berkel über die Mühlenbrücke und endet an der Stadtgrenze. Mit 101 Hausnummern gehört sie zu den längsten Straßen Stadtlohns.

Ihren Namen erhielt die Straße von der Berkelmühle, die im Jahre 1364 erstmals urkundlich erwähnt wird, aber bereits 1150 beim Bau der Burg Lohn existiert haben dürfte. Die Burg Lohn war von der Mühlenstraße über den „Kühlsgang“ zugänglich.

Mollenstraße und Mollenport

Im Wigboldplan von 1629 wird die Straße als „Mollenstraße“ bezeichnet und ist an beiden Seiten dicht bebaut. Der Plan zeigt auch das Mühlentor oder „Mollenport“, das nach dem Bau der Befestigungsanlagen Stadtlohns 1388/89, einen kontrollierten Zugang zur Stadt ermöglichte.

Ursprünglich führte die Mühlenstraße, die früher nördlich der Berkel auch „Waterstegge“ genannt wurde, durch Wendfeld nach Ottenstein. Ottenstein war für die Bürger Stadtlohns bis ins 19. Jahrhundert als Bezugsquelle für den Brennstoff Torf von besonderer Bedeutung.

Neue Trasse nach Ahaus

1822 wurde die Straße auf einer Länge von „einer Wegstunde“ (rund vier bis fünf Kilometer) bis an die Grenze der Gemeinde Ottenstein als „Damm“ ausgebaut, da sie zuvor bei nasser Witterung kaum passierbar war. Eine weitere Verbesserung erfuhr die Mühlenstraße im Jahre 1856 mit dem Ausbau als Kreis-Chaussee.

Allerdings führte sie nunmehr ab Spoor in Wendfeld über eine völlig neue Trasse nach Ahaus. Die Mühlenstraße löste damit den Düwing Dyk als wichtigste Verbindungsstraße dorthin ab.

Scheuendes Pferd wurde zum Verhängnis

Über den nach Westen abzweigenden „Vredensken Footpatt“ konnte man von der Mühlenstraße nach Vreden und über die Hengeler Straße in die Bauerschaft Hengeler gelangen. Nach Osten führte die Brookstraße zum Helmert und in den Lohner Brook. Dieser Weg war im 18. Jahrhundert durch einen Schlagbaum abgetrennt, der am 23. Oktober 1759 einem preußischen Husaren während des Siebenjährigen Krieges zum Verhängnis wurde.

Eine alte Karte der Mühlenstraße aus dem Jahr 1911

Eine alte Karte der Mühlenstraße aus dem Jahr 1911 © Ulrich Söbbing

Nachdem dieser am Marktplatz von französischen Reitern angegriffen worden war, verweigerte sein Pferd auf der Flucht zweimal den Sprung über das Hindernis. Er wurde von seinen Verfolgern mit dem Säbel niedergehauen und erlag noch am gleichen Tag in der Wachtstube des Rathauses seinen Verletzungen.

Ansiedlung von Betrieben

1888 begann man nördlich der Berkel mit dem Bau von Häusern und Betrieben entlang der Mühlenstraße. Das erste Gebäude war die Gaststätte „Zum Freudenberg“, die besonders von Fuhrleuten und den Arbeitern der unweit gelegenen „Ziegelei Elend“ aufgesucht wurde.

Im Dezember 1899 eröffnete die Molkerei ihren Betrieb und im Jahre 1905 nahm die Zigarrenfabrik Gelsing die Produktion auf. Hinzu kamen die Fabrikantenvillen von Süß, Demes und Gelsing. Um die Innenstadt zu entlasten, erhielt die Mühlenstraße 1950 in Höhe der Molkerei über die „Fettpottbrücke“ eine Verbindung mit der Grabenstraße, die nunmehr den Durchgangsverkehr aufnahm.

Bebauung bis zur Ortsgrenze

Die historische Mühlenstraße führt seitdem nur noch als Abzweigung zum Markt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden neben Wohngebäuden mehrere Kfz-Werkstätten mit Tankstellen, Einzelhandelsgeschäfte, Möbelhäuser und Bürogebäude, so dass die Straße nunmehr bis zur Ortsgrenze durchgehend bebaut ist und sich zu einer der bedeutendsten Wohn- und Geschäftsstraßen Stadtlohns entwickelt hat.

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