Nach dem Absturz des Ultraleichtflugzeugs beginnt die Suche nach der Ursache

hzUnfall in Wenningfeld

Nach dem Unglück am Flugplatz Stadtlohn-Vreden hat die Polizei Ermittlungen aufgenommen. Das Wrack wird untersucht. Für die Feuerwehr Stadtlohn war es ein besonders brisanter Einsatz.

Stadtlohn

, 14.10.2019, 14:36 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nach dem Absturz eines Ultraleichtflugzeugs am Sonntagnachmittag haben die Ermittlungen begonnen. Beim Versuch zu landen, war das kleine Flugzeug vom Typ Ikarus C42 erst durchgestartet und schließlich in einen Acker etwa 100 Meter neben der Landebahn gestürzt. Der Passagier, ein 54-jähriger Ahauser, kam dabei ums Leben. Der Pilot, ein 55-jähriger Oberhausener, wurde per Hubschrauber schwerverletzt ins Krankenhaus nach Enschede gebracht.

Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln

Seitdem ermitteln die Polizei und die Staatsanwaltschaft Münster. Einen neuen Stand können die Beamten aber noch nicht vermelden. Wie Thorsten Ohm von der Pressestelle der Polizei des Kreises Borken mitteilt, sei die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen nicht eingeschaltet, da es sich streng genommen bei dem Ultraleichtflugzeug nicht um ein Flugzeug, sondern ein Luftsportgerät handelt.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Ultraleichtflugzeug stürzt bei Landeanflug in Stadtlohn ab - Ein Toter, ein Schwerverletzter

Bei einem Flugzeugabsturz am Sonntagnachmittag ist am Flugplatz Stadtlohn-Vreden ein 54-jähriger Ahauser ums Leben gekommen. Der Pilot des Ultraleichtflugzeugs, ein 55-jähriger Mann aus Oberhausen, kam mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus.
13.10.2019
/
Das Flugzeug stürzte etwa 100 Meter neben der Landebahn in einen Acker. © Stephan Teine
Die Luftaufsicht der Bezirksregierung Münster untersucht den Unfall. © Stephan Teine
Der Pilot wurde in der Maschine vom Typ Ikarus C42 eingeklemmt. Er musste von der Feuerwehr befreit werden und kam mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus. Der Co-Pilot überlebte den Absturz nicht.© Stephan Teine
Der 55-jährige Pilot aus Oberhausen wurde per Hubschrauber in die Klinik nach Enschede geflogen.© Stephan Teine
Die Maschine war mitten in einen angrenzenden Acker gestürzt.© Stephan Teine
Während der Rettungsarbeiten neben dem Flugplatz ging der Flugbetrieb ungehindert weiter. © Stephan Teine
Feuerwehr, Rettungskräfte, Polizei und Notfallseelsorger waren mit einem Großaufgebot im Einsatz.© Stephan Teine
Kreisbrandmeister Stefan van Bömmel (hinten) eilte ebenso zur Unfallstelle.© Stephan Teine
Per Hubschrauber wurde der schwerverletzte Pilot ins Krankenhaus gebracht. Für seinen Copiloten kam jede Hilfe zu spät.© Stephan Teine

Deswegen werden nun von der Polizei Sachverständige eingeschaltet, die das Wrack und die Umstände, die zum Unglück geführt haben, untersuchen sollen. Einen Flugschreiber besitzt die kleine Maschine nicht, die Untersuchung beschränkt sich also auf Spuren am Wrack.

Sobald der Gesundheitszustand des Piloten es zulasse, werde auch er zum Unfallhergang befragt.

Betrieb am Flugplatz geht weiter

Norbert Hetkamp, Geschäftsführer des Flugplatzes, kann am Montag nichts Neues zum Unglück sagen. Das Wrack der Unglücksmaschine sei von den Ermittlungsbehörden beschlagnahmt und erst einmal in einem geschlossenen Hangar untergestellt. Der Flugbetrieb gehe ungehindert weiter.

Jetzt lesen

Vom Fliegerclub Stadtlohn, in dem der Pilot Mitglied ist, gab es am Montag auch auf Anfrage der Redaktion keine Stellungnahme zu dem Unglück.

Bezirksregierung hat mit weiterem Verlauf nichts zu tun

Auch die Bezirksregierung Münster, die am Sonntagabend noch vor Ort an der Unfallstelle war, hat mit den weiteren Ermittlungen nun nichts mehr zu tun. Das bestätigt Ulla Lütkehermölle von der Pressestelle der Bezirksregierung Münster. Als Luftfahrtaufsicht sei die Bezirksregierung informiert worden. „Wir fahren in solchen Fällen auch zur Unfallstelle, weil die Lage ja am Anfang noch völlig unklar ist“, erklärt sie im Gespräch mit unserer Redaktion.

Aus Sicht der Feuerwehr Stadtlohn sind Einsätze am Flugplatz Stadtlohn-Vreden besonders brisant: Wenn von dort ein Notruf eingehe, seien eigentlich immer Menschenleben in Gefahr. „Der Gedanke schwingt in den Köpfen der Einsatzkräfte immer schon bei der Alarmierung mit“, erklärt Günter Wewers, Leiter der Feuerwehr Stadtlohn.

Gesamte Feuerwehr Stadtlohn im Einsatz am Flugplatz

Wegen der zunächst unklaren Lage wurde deswegen auch Zugalarm ausgelöst. Die gesamte Feuerwehr Stadtlohn rückte nach Wenningfeld aus. Zum Einsatz kamen vor Ort dann aber deutlich weniger Kräfte. Die meisten Fahrzeuge hatten auf der Zufahrtstraße des Flugplatzes gehalten und rückten von dort wieder ein.

Für die Feuerwehr war besonders der Untergrund der Absturzstelle kritisch. „Wegen der Regenfälle der vergangenen Tage war unklar, wie fest der Ackerboden ist“, erklärt Günter Wewers. Bis zur Unfallstelle rückte die Feuerwehr deswegen zur Sicherheit nur mit geländegängigen Fahrzeugen vor.

Feuerwehr musste Rettungssystem am Boden auslösen

Gefahr ging für die Feuerwehrleute zunächst auch noch von dem automatischen Rettungssystem des Ultraleichtfliegers aus. Mit einer Rakete kann der Pilot so einer Maschine einen großen Fallschirm auslösen, an dem das Flugzeug langsam zu Boden sinken kann. Beim Absturz in Stadtlohn hatte der Pilot dieses System jedoch nicht mehr auslösen können. Deswegen musste die Feuerwehr die Rakete mit einem langen Seil auslösen, bevor schließlich das Wrack der Maschine weggeschleppt werden konnte.

Schwere und tödliche Unfälle in den vergangenen Jahren

Es ist nicht der erste Zwischenfall mit Ultraleichtflugzeugen am oder um den Flugplatz Stadtlohn-Vreden. Im September 2018 war ein Ultraleichtflugzeug kurz nach dem Start auf die Seite gekippt und am Rand der Startbahn auf eine Rasenfläche gestürzt. Der Pilot wurde dabei schwer verletzt. Im April 2007 war ein Ultraleichtflugzeug nach dem Start ins Trudeln geraten und auf einen Acker zwischen der Marienburger und Vredener Straße gestürzt. Die beiden Insassen kamen bei dem Absturz ums Leben. Schuld an dem Absturz war damals ein technischer Defekt. Auch bei diesem Flugzeug handelte es sich um eine Ikarus C42, das gleiche Modell, das jetzt am Sonntagabend abgestürzt ist.

Jetzt lesen

Deutlich häufiger sind für die Feuerwehr Stadtlohn Einsätze, die mit Fallschirmspringern am Flugplatz zusammenhängen. „Die bleiben in Bäumen hängen und verletzen sich dabei in der Regel schwer“, erläutert Günter Wewers.

Lesen Sie jetzt