Neue Kaffeerösterei: Bahnhof erwacht dampfend und zischend aus seinem Dornröschenschlaf

hzBahnhofscafé

Ab Ostern soll es am Stadtlohner Bahnhof wieder dampfen, zischen und pfeifen – allerdings nicht am Bahnsteig. Die Brüder Strotmann beginnen jetzt mit Umbau für Café „Rösterei im Bahnhof“.

Stadtlohn

, 28.11.2019, 10:49 Uhr / Lesedauer: 3 min

117 Jahre alt ist der Schlüssel, den Ralf Strotmann in der Hand hält, genauso alt wie das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude in Stadtlohn. Der Schlüssel glänzt noch, das Gebäude weniger. Die Zeit hat ihre Spuren an der Fassade hinterlassen.

Neue Kaffeerösterei: Bahnhof erwacht dampfend und zischend aus seinem Dornröschenschlaf

Ralf Strotmann vor dem Stadtlohner Bahnhof. Hier wird er zusammen mit seinem Bruder Hanno das Café "Rösterei im Bahnhof" eröffnen. © Stefan Grothues

Ralf Strotmann schließt auf. Der Strom ist abgeschaltet. Doch auch im trüben Licht der mit Papier zugeklebten Fensterscheiben ist schnell klar: Drinnen sieht das Gebäude noch renovierungsbedürftiger aus als draußen.

Scherben im Flur, marode Fenster, Wasser im Keller, Gerümpel. Im Keller steht das Wasser knöchelhoch. Aber ein schwarzes Klavier und ein Ledersofa mit reichverzierter Holzlehne hochkant im Eingangsbereich künden schon von einer neuen Zeit.

Café „Rösterei im Bahnhof“

Die Brüder Ralf (49) und Hanno (44) Strotmann sehen die neue Zeit schon klar vor ihrem geistigen Auge: das Café „Rösterei im Bahnhof“. „Hier die Küche, da stehen die selbstgebackenen Kuchen und Brote, am Fenster die Tische für bis zu 30 Gäste. Wir mischen modernen Industrial-Look mit Antiquitäten. Dort werden wir alte Eisenbahnlampen hinhängen, die uns der Eisenbahnclub zur Verfügung stellt. Und da die lange Theke mit chromblitzenden klassischen Handhebel-Kaffemaschinen. “

Das wird das dampfende und zischende Reich des spanischen Barista mit dem klingenden Namen Karim Eloy Lamarti Barnardos werden. „Ein Freund von uns, den wir schon fest verpflichtet haben.“

Neue Kaffeerösterei: Bahnhof erwacht dampfend und zischend aus seinem Dornröschenschlaf

Ralf Strotmann in der alten Schalterhalle des Stadtlohner Bahnhofs. © Stefan Grothues

Herzstück des neuen Cafés aber wird große rote Kaffeeröstmaschine sein. Bestellt ist sie schon. Ralf Strotmann hat sich schon für die Rösterausbildung angemeldet. Und er hat in einem Kontor in Hamburg schon Verträge über die Lieferung von grünen Kaffeebohnen aus Südamerika, Indien und Äthiopien geschlossen. „Hier wird es handwerklich komponierten und frisch gerösteten Kaffee aus feinsten Bohnen geben“, verspricht Ralf Strotmann.

Verzögerung um ein halbes Jahr

Ihre Café-Pläne hatten die Brüder Strotmann schon im vergangenen Frühjahr nach dreijähriger Vorarbeit erstmals vorgestellt. Und eine Eröffnung noch in diesem Jahr in Aussicht gestellt. Weil nichts passierte, zweifelte mancher Stadtlohner schon an dem Projekt.

Neue Kaffeerösterei: Bahnhof erwacht dampfend und zischend aus seinem Dornröschenschlaf

114 Jahre alt ist der Originalschlüssel zum Stadtlohner Bahnhof. Es ist das letzte erhaltene Exemplar. © Stefan Grothues

Die Brüder Strotmann tun es nicht. „Wir mussten erst noch bau- und denkmalschutztechnische Fragen klären“, so begründet Ralf Strotmann die Verzögerung. „Und wir haben viel über Baurecht, Lebensmittelrecht und die Gaststättenverordnung gelernt. Aber jetzt haben wir genehmigungstechnisch alles unter Dach und Fach.“

Leidenschaft für Kaffee und Menschen

Was treibt die Brüder zu dieser Herkulesaufgabe mit ungewissem Ausgang an? Die Liebe zum Kaffee und die Freude am Renovieren – und beides hat der Großvater befeuert. „Ich weiß noch, wie ich als Kind von meinem Opa zum ersten Mal Bohnenkaffee mit Ei bekommen habe, das war großartig“, erinnert sich Ralf Strotmann. Der Beginn einer großen Leidenschaft.

Und weil der Großvater auch Landwirt war, glauben die beiden Brüder auch ihre praktische Veranlagung in die Wiege gelegt bekommen zu haben. „Und als Sozialpädagoge arbeite ich auch gerne mit Menschen“, sagt Ralf Strotmann.

Neue Kaffeerösterei: Bahnhof erwacht dampfend und zischend aus seinem Dornröschenschlaf

Eines der beiden Treppenhäuser im alten Stadtlohner Bahnhof. © Stefan Grothues

Auch sein Bruder Hanno arbeitet im sozialen Bereich. Für ihn spielt auch die Wiederbelebung des alten Bahnhofs eine wichtige Rolle. „Das Gebäude kennen wir seit unserer Kindheit. Ich kann mich auch noch gut an den Tag erinnern als wir mit der ganzen Owweringschule von hier aus mit einem Sonderzug nach Königswinter gefahren sind.“

Erfahrungen mit Altbauten gesammelt

Gemeinsam und mit Unterstützung von Freunden haben sie schon Hannos Haus restauriert: Das über 100 Jahre alte Verwalterhaus am ehemaligen Kalkwerk. Und gemeinsam frönen sie auch ihrer zweiten großen Leidenschaft: der Schrauberei an Oldtimern. So sollte ihr Bahnhofsprojekt ursprünglich auch „Classic-Motor-Café“ heißen. „Wir wollen jetzt aber die Oldtimer nicht so sehr in den Mittelpunkt stellen. Im Gartencafé wird aber sicher auch mal ein Jaguar, ein Triumph oder ein Unimog zu sehen sein.

Jetzt lesen

Renoviert wird das Bahnhofsgebäude bis Ostern nicht von Grund auf. Das wäre gar nicht möglich. „Wir richten als Pächter alles fürs Auge her, Elektrik und Heizung im Erdgeschoss sind noch in Ordnung.“ Doch eine grundlegende und teure Sanierung ist notwendig.

Leerstand seit Jahren

Der Bahnhof wurde 1902 eröffnet. 1984 fuhr der letzte Zug in Stadtlohn ab. In der alten Bahnhofsgaststätte wurde danach noch eine Pizzeria betrieben, von 2011 bis 2016 ein Blumenladen. Seither steht das denkmalgeschütze Gebäude leer und entwickelte sich in den Augen mancher Stadtlohner zu einem „Schandfleck“. Umso größer war am Dienstagabend die Freude im Planungs- und Bauausschuss der Stadt Stadtlohn, weil der Eigentümer nun parallel zu den Café-Planungen der Brüder Strotmann ein Sanierungskonzept erstellen lassen will.

Neue Kaffeerösterei: Bahnhof erwacht dampfend und zischend aus seinem Dornröschenschlaf

Die meisten der Fenster im Stadtlohner Bahnhof sind schon über 100 Jahre alt. © Stefan Grothues

9800 Euro kosten die Architektenleistungen für das Sanierungskonzept des Eigentümers. Die Stadt will das Konzept mit dem in der Denkmalförderung üblichen städtischen Drittelanteil fördern, also mit 3250 Euro. Der Beschluss fiel am Dienstag einstimmig.

Mike Eilhardt (UWG): „Wir sind erfeut, dass wieder Leben in die Bude kommt.

Cäcilia Völker (CDU) sagte: „Es ist gut, dass endlich mal etwas gemacht wird. Die Stadtlohner Politik wünscht sich das ja schon seit mehr als zehn Jahren.“

Zwei Jahre Probephase

Ralf und Hanno Strotmann freuen sich auch, dass der Eigentümer die Gebäudesanierung nun weiter vorantreiben will. Noch mehr aber freuen sie sich auf „ihr“ Café. Donnerstags bis sonntags soll es geöffnet sein. „Geld verdienen müssen wir damit nicht“, sagt Ralf Strotmann. Aber zu viel verschlingen darf der Traum auch nicht. „Zwei Jahre schauen wir uns das an, dann sehen wir weiter“, sagt Ralf Strotmann.

Und als er mit dem 117 Jahre alten Schlüssel die Tür wieder abschließt, meint man fast schon den Kaffeeduft zu riechen.

Lesen Sie jetzt