Neue Trends bei Karnevalskostümen

Fantasy und Fantasie

Die fünfte Jahreszeit nähert sich ihrem Höhepunkt. Bis in acht Tagen müssen sich auch die letzten Jecken entschieden haben, wie sie sich kostümieren wollen. Im Trend: Piraten, Prinzessinnen, Flower Power und Fantasy-Kostüme. So die Erfahrung der örtlichen Händler.

STADTLOHN

von Christiane Nitsche

, 26.01.2016, 18:37 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bunte Auswahl bei Berken, präsentiert von Verena Emmerich (l.) und Monika Schulz.

Bunte Auswahl bei Berken, präsentiert von Verena Emmerich (l.) und Monika Schulz.

"Am besten geht bei uns der Clown", erklärt Verkaufsleiter Martin Mört vom Modehaus Berken. Nach langen Jahren seien Clown-Kostüme wieder erstaunlich gefragt, "bei Männern wie bei Frauen." Bei den Kindern verkauften sich die "Klassiker" besonders gut: Prinzessin und Pirat.

Beim Fachhandel Weyer sieht das etwas anders aus: "Flower Power" lautet die spontane Antwort auf die Frage nach aktuellen Kostümierungstrends. "Und Pirat", ergänzt Andrea Weyer nach kurzem Überlegen. Bei den Kindern seien es vor allem Fantasy-Kostüme, "zum Beispiel von Star Wars."

Es mag an der schier unermesslichen Auswahl liegen, die die Kunden beim Kostümhandel Weyer vorfinden. Wer hier anfängt zu stöbern, merkt kaum, wie die Zeit vergeht. "Wir freuen uns immer, wenn wir das aufbauen dürfen", strahlt Andrea Weyer.

Die 54-Jährige ist umgeben von Stoffen, Kleidern und Kostümen aufgewachsen. Seit 60 Jahren gibt es die Firma Weyer in Stadtlohn. Bei Weyer gab es alles: von Knöpfen über Socken und Hemden, "bis hin zu Brautkleidern". Und schon Firmengründer Josef Weyer war dem Karnevalsvirus verfallen. Als Josef I. regierte Andrea Weyers Vater in der Session 1971/72.

"Jeder Jeck ist anders!"

Zehn Jahre später trat Andrea Weyer ins Unternehmen ein. "Vor 20 Jahren haben wir alles an Oberbekleidung rausgenommen." Die Konzentration auf den Handel mit Vereins-Uniformen und Kostümen hat sich gelohnt. Im weiten Umkreis ist Weyer der einzige Betrieb, der diese Nische besetzt hält. Von Münster über Rheine bis Weseke und weit in die Niederlande hinein reicht der Kundenkreis.

"Jeder Jeck ist anders", zitiert Weyer eine kölsche Redensart. Das gelte für die Karnevalisten genauso wie für Schützen- und Musikvereine. Weyer nimmt Maß, berät, zeichnet Prototypen und sorgt dafür, dass Hemd, Hose, Wams, Kappe und Accessoires passend zusammengeführt werden.

Wie viele Artikel das gesamte Lager umfasst, kann sie beim besten Willen nicht sagen. Lachend deutet sie auf einen Schrank mit ungezählten Fächern. Darin verborgen: Knöpfe, Litzen, Bordüren, Kragenspiegel, Verschlüsse, Mützenschmuck. An einer anderen Wand stapeln sich bunte Stoffballen, dann wieder Schachteln mit Federn und noch mehr Litzen und Schmuck. Daneben hängen Musterjacken und Orden. Im Obergeschoss lagern Dreispitze in allen Farben und Größen neben allerlei Narrenkappen - bewacht von einer waschechten Henneschen-Puppe aus dem gleichnamigen Kölner Puppentheater.

"Wir haben 600 Quadratmeter auf drei Etagen", erklärt Weyer. "Aber wir platzen aus allen Nähten." Die Wände am Aufgang zum Obergeschoss dokumentieren das: Vereine, Prinzenpaare, Mariechen aller Couleur tummeln sich hier in den Rahmen. Eine Schaufensterpuppe präsentiert ein aufwendig besticktes Wams. Bis zu fünf Pfund wiegt das eng anliegende Stück. Dazu kommen Kappe, Orden, Zepter und die Aufregung der jecken Zeit -- eine kräftezehrende Angelegenheit.

Auch für Weyers 15-köpfiges Team. Doch es macht Spaß, versichert Weyer. "Ich habe einen Traumjob", sagt sie. An Altweiber werde im Laden gefeiert. "Da ist hier Party." Und ihr Kostüm? Das stelle sie individuell zusammen. Einen Namen hat es nicht, aber eine Idee: "Fantasie!"

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