Neues Regenüberlaufbecken: Stadt investiert 3,3 Millionen Euro

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Stadtlohn hat 3,3 Millionen Euro in ein neues Regenüberlaufbecken investiert. Es soll die Berkel vor ungeklärtem Mischwasser schützen. Und vielleicht auch die Keller der Stadtlohner.

Stadtlohn

, 10.12.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Starkregenfälle treten auch in Stadtlohn immer häufiger auf. Der Klimawandel lässt grüßen. Hinzu kommt: Immer mehr Häuser und Straßen versiegeln die Bodenfläche. Beide Entwicklungen zusammen haben die Mischwasserentsorgung der Stadt Stadtlohn an ihre Kapazitätsgrenze gebracht.

Bis zu 20 Mal Mal im Jahr musste ungereinigtes Mischwasser in die Berkel geleitet werden, weil das Kanalnetz überlastet war. Deshalb machte auch die Bezirksregierung Druck. So wurde im Juli 2017 mit dem Bau eines neuen 1800 Kubikmeter großen Regenüberlaufbeckens begonnen.

Neue Hochleistungspumpen

„Wo steht denn das neue Schwimmbecken?“, witzelt Bürgermeister Helmut Könning als er Montag die Fertigstellung des Neubaus am Standort der alten Kläranlage an der Lessingstraße offiziell bekannt gibt. Neben dem Becken wurde die Anlage um drei neue Hochleistungspumpen und ein Betriebsgebäude mit neuem Notstromaggregat erweitert.

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3,3 Millionen Euro hat die gesamte Baumaßnahme die Stadt gekostet.

Michael Lammers, Leiter der Kläranlage macht deutlich: „Mit diesen Erweiterungen können wir im Starkregenfall das Kanalnetz deutlich schneller wieder runter holen".

So funktioniert es

Regenüberlaufbecken werden gebraucht, wenn bei Starkregen viel mehr Wasser in den Abwasserkanälen der Stadt ist, als die Kläranlage reinigen kann. Dieses Gemisch aus Regen- und Schmutzwasser, kann nicht einfach in die Berkel geleitet werden.

Das Mischwasser wird im Regenüberlaufbecken gesammelt und in die Kläranlage geleitet, sobald der Regen nachlässt. Wenn diese Becken ebenfalls voll sind, würde das Mischwasser ungeklärt in die Berkel geleitet. Obwohl das Klärwerk schon über ein 4500 Kubikmeter großes Regenüberlaufbecken verfügt, war das, wegen der zunehmenden Wassermengen zuletzt etwa 20 Mal jährlich der Fall.

Keine hundertprozentige Sicherheit

„Wir müssen trotz der Erweiterung damit rechnen, dass etwa zehn Mal im Jahr in die Berkel entlastet werden muss“, macht Sandra Teuber, Verantwortliche der Stadt im Bereich Bauen und Planen, deutlich. „Aber wir sind so schon sehr gut aufgestellt“, ergänzt Michael Lammers. Ein noch größeres Becken, das den Zufluss in die Berkel gänzlich vermieden hätte, wäre unbezahlbar, machte Ewald Rathmer, ehemaliger Leiter der Kläranlage schon vor dem Bau klar.

Weil es in den letzten Wochen keinen Starkregen gab, wurden die Pumpen vor einer Woche mit Berkelwasser getestet. „Alles läuft super. Wenn alle drei Pumpen laufen, ist das Becken in gut fünf Minuten voll“, erklärt Michael Lammers.

Gut für Stadtlohner

Die Investition ist nicht weit über den geplanten Rahmen von 3,2 Mio. Euro hinaus gegangen“., stellt Helmut Könning fest, „wir sind zufrieden“.

Die Investitionen lohnen sich auch für die Stadtlohner. Künftig sollen die Keller bei Starkregen seltener mit Wasser aus dem Kanalnetz volllaufen.

„Das neue Becken entlastet das Abwassernetz“, erklärt Michael Lammers, „ und wenn weniger Wasser in den Kanälen ist, sinkt das Risiko, dass Wasser in eine Wohnung oder aus einem Gullydeckel drückt.“

Außerdem werde die Umwelt geschützt, denn zu viel Mischwasser tue der Flussökologie der Berkel nicht gut. Auf ein mögliches Berkelhochwasser hat das neue Becken allerdings keinen Einfluss.

Notstrom und neue Pumpen

„Um diese Wassermengen zu pumpen, würde die Stromversorgung der SVS nicht reichen", erklärt Michael Lammers. Mit dem neuen 1050kVA-Notstromaggregat verfügt das Klärwerk über zwei Notstromaggregate. So sei gewährleistet, dass im Falle eines Stromausfalls immer einer der großen Dieselmotoren einsatzfähig und damit die Wasserleitung in die Becken gesichert sei.

Das Betriebsgebäude, in dem sich das neue Notstromaggregat befindet, wurde zum Schutz vor Hochwasser höher gelegt. Auf Nachfrage des Bürgermeisters stellt Michael Lammers klar: „Es war in all den Jahren noch nie der Fall, dass alle Systeme ausgefallen sind.“

Halbes Jahr Verzögerung

Ursprünglich war eine Fertigstellung bis Frühjahr 2019 angesetzt. „Alle Baufirmen haben aktuell sehr viel zu tun, die Anlieferung mancher Teile, zum Beispiel teurer Kupferkabel, gestaltete sich komplizierter als gedacht. Und das Um- und Anschließen des Netzwerkes hat seine Zeit gedauert", erklärt Sandra Teuber. Die Begleitung des Bauprojektes war in den letzten zwei Jahren ihre Hauptaufgabe.

Nach der ausgiebigen Besichtigung meint Helmut Könning: „Ich glaube wir sind nun gut aufgestellt.“

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