Winfried und Sigrun Dierschke waren schon oft in Stadtlohn. Neben der Gastfreundlichkeit schätzen die beiden Bochumer vor allem die kurzen Wege am Losberg. Der politische Wille ist es, die Situation für Wohnmobile weiter zu verbessern. © Michael Schley
Freizeit

Politik will Wohnmobilstellplatz aufwerten – zwei Bochumer finden’s klasse

Teil der Haushaltsplanberatung 2021 waren auch Anträge zur Verbesserung des Wohnmobilstellplatzes. Geld für weitere Planungen wurde freigegeben. Schon jetzt gibt es zufriedene Gäste.

Schon früh an diesem Donnerstagmorgen sprüht Sigrun Dierschke vor Energie. Gemeinsam mit Ehemann Winfried frühstückt die 79-Jährige vor dem kleinen blauen Wohnmobil. In der hintersten Ecke auf dem Wohnmobilstellplatz an der Uferstraße. Das habe nichts damit zu tun, dass man sich abschotten wolle, betont sie rasch – ganz im Gegenteil: „Das ist wegen unserer Katze.“

Nicht zum ersten Mal haben die beiden Bochumer den Weg aus dem Ruhrgebiet ans Losbergstadion auf sich genommen. Sie kennen die Gegend, Schüttorf, Reken – „aber Stadtlohn ist am schönsten“, bricht es aus der Bochumerin heraus. Und geht es nach der Politik in Stadtlohn, soll die Situation für Wohnmobilnutzer in Stadtlohn weiter aufgewertet werden.

Auf den bekannten Online-Plattformen ist die Meinung geteilt: Bei Promobil wird zum Beispiel herausgestellt, dass „vieles fußläufig erreichbar“ sei. Viele nutzten den Platz als Zwischenstation für einen Besuch bei Obelink in Winterswijk. Geeignet sei er vor allem „für ein, zwei Nächte“. Das Bild an diesem Donnerstag bestätigt dies, auch wenn einige Mobile schon länger dort stehen. Es gibt aber auch andere Kommentare – von „für umsonst nicht schlecht“ bis „eine Schande für die Stadt“.

Geteilte Meinungen auf den Online-Plattformen

Bis in die Ukraine hat es Sigrun und Winfried Dierschke schon verschlagen. „Früher hatten wir ein gelbes Mobil, Blondie. Das haben wir getauscht, als uns Frauen in Frankreich mit Paketen entgegenkamen“, sagt die 79-Jährige – und lacht. Nun ist man eben mit dem blauen Camper unterwegs. „Da haben wir alles drin, was wir brauchen“, berichtet der 78-Jährige. Dritter Stammgast bei den Reisen ist seit sechs Jahren Juli, die Katze.

Und die Bochumerin muss weiter schmunzeln: „Wir waren mit der Katze mal beim Tierarzt, der fand es richtig klasse, dass wir die Katze nach einem Monat benannt haben.“ Schon mehrere Katzen hätten die beiden aufgenommen, unter anderem aus Spanien und Sizilien. „Juli stammt aus Frankreich“, so Sigrun Dierschke. Frankreich ist übrigens das Hauptreiseziels des Rentnerehepaars.

Ein halbes Dutzend an Wohnmobilen macht gerade in den Sommermonaten regelmäßig Station auf der Wohnmobilstellfläche an der Uferstraße. Die Gäste kommen dabei häufig auch aus den Niederlanden.
Ein halbes Dutzend an Wohnmobilen macht gerade in den Sommermonaten regelmäßig Station auf der Wohnmobilstellfläche an der Uferstraße. Die Gäste kommen dabei häufig auch aus den Niederlanden. © Michael Schley © Michael Schley

75.000 Euro hat der Rat im Februar im Haushalt bereitgestellt, zunächst mit Sperrvermerk, um ein Konzept für einen zeitgemäßen Wohnmobilstellplatz zu entwickeln. „Jetzt gilt es, einen Plan zu entwickeln, den man den Entscheidungsträgern präsentieren kann“, erklärt Bernd Mesken, Wirtschaftsförderer der Stadt Stadtlohn. Anträge hatten sowohl die FDP – als auch die Grünen-Fraktion gestellt, das Campen sei weiter im Kommen und die Stadt müsse diese Chance für sich erkennen.

Unter anderem gefordert wird eine Abwasser-Entsorgungsstelle, dann auch gegen Stellplatzgebühr. Die Detailplanung hat der Wirtschaftsförderungs-, Infrastruktur- und Stadtentwicklungsausschuss übernommen.

Ortsnaher Standort hat viele Vorteile

Das Projekt sei angestoßen, die ersten Schritte seien getan. Unter anderem geht es auch um die Machbarkeit von Standorten. Grundsätzlich sei der Tenor hinsichtlich des aktuellen Standorts aber durchaus positiv seitens der Gäste: „Vieles ist auf kurzem Wege erreichbar, so zieht man die Gäste auch in die Stadt.“ Bernd Mesken sieht auch das künftige Mühlengelände als einen wichtigen Faktor – und natürlich die Anbindung ans Naherholungszentrum Losberg.

Diese Vorzüge erkennt auch Sigrun Dierschke. „Ich kann nicht mehr so gut laufen, da sind die kurzen Wege optimal.“ Beeindruckt zeigt sich die Bochumerin auch von den Münsterländern, die „so gar nicht stur sind“: „Es kamen jüngst zwei Mädchen zu uns, die uns ihre Pizza gaben, die sie selbst nicht aufbekamen. Toll!“

Dafür, dass man gratis stehen und sehr günstig die Duschen im Hallenbad nutzen könne, revanchiere man sich gerne mal. „Wir haben auch schon mal Müll gesammelt und dem Platzwart übergeben“, so Winfried Dierschke. Auch der sei sehr freundlich, sonst sei dort alles sauber.

„Wenn Deutschland, dann Stadtlohn“

Auf Stadtlohn seien die beiden übrigens über einen Stellplatzführer gekommen. „Und da wir jetzt nicht nach Frankreich konnten, sind wir halt wieder nach Stadtlohn gefahren“, erklärt Sigrun Dierschke. „Hier steht man nicht dicht an dicht“, lässt ihr Mann den Blick über das Gelände schweifen. Ein wenig wundert er sich dabei schon, dass man von den anderen Gästen „so wenig sieht“.

„Vielleicht bekommen wir es auch nicht so richtig mit, da wir halt am letzten Ende stehen“, betont seine Frau. Der Katze wegen halt. „In Frankreich kennt man uns übrigens nur als ‚blaues Katzenauto‘“, schiebt sie schnell nach. Und lacht wieder.

Dass man in Stadtlohn plane, die Situation für Gäste weiter zu verbessern, finden die beiden Bochumer klasse. Ändern werde das an der Einstellung aber eigentlich nichts, betont Sigrun Dierschke: „Wenn Deutschland, dann Stadtlohn!“

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