Umstrittene Tumortherapie

Prozess gegen ehemaligen Stadtlohner Biologen startet von vorn

Längst sollte klar sein, ob sich Norbert Sass schuldig gemacht hat. Vor allem mit einer Turmortherapie. Dann kam Corona. Jetzt beginnt der Prozess gegen den ehemaligen Stadtlohner von vorne.
Norbert Sass (r.) und sein Anwalt Frank Theumer (l.) bei der ersten Prozess-Runde Anfang 2020. Am 27. April, beginnt das Verfahren im Amtsgericht Heilbronn ganz von vorn. © Christiane Hildebrand-Stubbe

Am Amtsgericht Heilbronn, das wegen des Wohnorts eines Klägers zuständig ist, muss sich Norbert Sass jetzt erneut verantworten, weil die coronabedingte Pause eine Neuauflage des Verfahrens erforderlich macht.

Dem ehemaligen Hausherrn des Löwenhofs in Wendfeld wird vorgeworfen, zwei an Krebs im Endstadium erkrankten Frauen ein Versprechen auf Heilung durch eine neuartige Therapie mit Exosomen (Ableger von Stammzellen) gegeben zu haben. Kosten der Therapie, die er in Rechnung stellte: 73.800 und 90.000 Euro. Beide Patientinnen starben.

Viele Ungereimtheiten

Es gibt aber noch mehr Klärungsbedarf: Auch nach drei Verhandlungstagen Anfang vergangenen Jahres im Amtsgericht Heilbronn konnte Norbert Sass, der öffentlich als Dr. Norbert Sass auftritt, nicht nachweisen, dass er tatsächlich promoviert hat.

Die angeforderten Dokumente, die das belegen könnten, blieb er dem Gericht jedenfalls schuldig. Dabei spielte dieser Umstand für die Anklage bei der Beurteilung der Vorfälle, die letztlich zu dem Verfahren geführt hatte, eine gewichtige Rolle.

Der 69-Jährige, nach eigenen Angaben Immunologe, steht wegen gewerbsmäßigen Betrugs, gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz vor Gericht und saß deswegen auch in Untersuchungshaft.

Das Gefängnis konnte er nach mehreren Monaten verlassen, weil er zwischenzeitlich einen Schlaganfall erlitt. Am Dienstag, 27. April, beginnt die neue Verfahrens-Runde.

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