Auf dem ehemaligen Spahngelände an der Bahnallee laufen zurzeit Erschließungsarbeiten für neue Wohnbauprojekte. © Markus Gehring
Wohnungsbau

Reicht es nun mit dem Wohnungsbau in Stadtlohn?

Stadtlohn braucht mehr Wohnungen. Das ist seit Jahren das Credo quer durch alle Parteien. Aber gilt der Satz noch nach der regen Bautätigkeit der vergangenen Jahre? Die FDP hat Zweifel.

In den vergangenen Jahren bestand im Rat immer weitestgehende Einigkeit: In Stadtlohn fehlen Wohnungen, insbesondere auch Sozialwohnungen.

Diese Einsicht beruhte auf alltäglichen Beobachtungen. Wohnungssuchende haben es schwer, einen Vermieter zu finden. Die Wartelisten für Baugrundstücke der Stadt Stadtlohn sind lang.

Pestel-Studie: 120 neue Wohnungen jährlich sind notwendig

Außerdem kam die 2019 vorgestellte Pestel-Studie zu dem Ergebnis: Die Geburtenentwicklung ist positiv. Die Beschäftigungsentwicklung ist „hochgradig positiv“.

Das führe zu Wanderungsgewinnen und damit zu einer wachsenden Wohnungsnachfrage. 120 Wohnungen müssten jedes Jahr in Stadtlohn fertiggestellt werden. Auch Sozialwohnungen.

„In Stadtlohn sind nur für einen Bruchteil der Berechtigten Sozialwohnungen verfügbar“, stellt die Studie fest.

Ab 2025, so die Pestel-Studie, werde der Wohnbedarf langfristig durch steigende Sterbefallzahlen gedämpft. Die Babyboomer kommen dann ins Seniorenalter. Es würden dann aber mehr kleinere Wohnungen gebraucht.

Das waren die Erkenntnisse des Jahres 2019. Die FDP zweifelt nun daran, dass Stadtlohn weiterhin die Wohnbauentwicklung forcieren muss. „In den Jahren 2017 bis 2020 wurden für Stadtlohn insgesamt etwas mehr als 500 Wohneinheiten genehmigt, das sind etwa 126 Wohneinheiten pro Jahr. Damit haben wir per 2020 den in 2019 ausgewiesenen ,Mangel‘ behoben“, so rechnet der FDP-Fraktionsvorsitzende Dr. Albert Daniels.

FDP: Nicht aus dem Bauch heraus entscheiden

Für die FDP beantragte Ludwig Kuckuck daher, die 2019 vorgestellte Pestel-Studie zu aktualisieren, um eine fundierte Basis für städtebauliche Entscheidungen zu haben. „Wir sollten bei Fragen des Wohnungsbaus nicht nach Bauchgefühl entscheiden müssen.“

Eine neue Untersuchung könnte nach Ansicht von Albert Daniels „einen Orientierungswert für den Bedarf an Wohnraum, Einfamilienhäusern, Doppelhaushälften, großen und kleinen Wohnungen sowie sozialem Wohnungsbau bieten.“

Otger Harks (SPD) lehnte das ab. Die Ergebnisse der Pestel-Studie könnten leicht fortgeschrieben werden. Eine neue Untersuchung sei nicht erforderlich. Das Geld könne sinnvoller in die Erstellung eines Frei- und Brachflächenkataster investiert werden.

„Die Flächenverfügbarkeit ist der entscheidende Punkt. Wir müssen uns keine Sorgen darum machen, dass zu viele Wohnungen gebaut werden. Wenn der Bedarf nicht da ist, dann bauen die Investoren auch nicht.“ Auch Mike Eilhardt (UWG) wandte sich gegen den FDP-Vorschlag: „Wir können die Situation in Stadtlohn einschätzen. Die Pestel-Studie ist nicht entscheidend für uns.“

Knappe Entscheidung

In der CDU-Fraktion sei lange über dieses Thema diskutiert worden, erklärte Cäcilia Völker. „Einerseits werden ja viele Wohnungen gebaut, andererseits gehen die ja auch alle gut weg.“ Dennoch, so Cäcila Völker weiter, sei es interessant zu wissen, was die Ergebnisse einer aktualisierten Studie wären. „Mehr Informationen sind ja nicht schlecht.“ Ihr Fraktionsvorsitzender Dr. Markus Könning ergänzte: „Wir wollen neuen Wohnraum entwickeln und parallel untersuchen lassen, wie der künftige Bedarf ist.“

Am Ende lehnte der Ausschuss den FDP-Antrag, eine Aktualisierung der Wohnungsbaustudie in Auftrag zu geben, ab. Und zwar mit der denkbar knappen Mehrheit von acht zu sieben Stimmen. Gegen den Antrag stimmten UWG, SPD und Grüne, während die CDU den FDP-Antrag unterstützte.

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Redaktion Ahaus
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