Robust in die Zwanzigerjahre: Rück- und Ausblick der VR-Bank Westmünsterland

hzVR-Bank Westmünsterland

Die VR-Bank Westmünsterland blickt auf ein erfolgreiches Jahr 2019 zurück, wie der Vorstand auf der Pressekonferenz bilanzierte. Wir fassen die wesentlichen Aspekte zusammen.

von Peter Berger

12.01.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die VR-Bank Westmünsterland blickt auf ein erfolgreiches Jahr 2019 zurück. Hier die wesentlichen Aspekte:

Die allgemeine Lage

In den Bank-Zahlen spiegelt sich stets die wirtschaftliche Lage der Region wider, darüber hinaus der gesellschaftliche Wandel und die politische Agenda. Die Konjunktur sei im Westmünsterland „sehr robust“, stellt Bankvorstand Matthias Entrup fest. Die Unternehmen zeigten eine hohe Investitionsbereitschaft, insbesondere bei der Digitalisierung. Ausnahme sei die Landwirtschaft, was mutmaßlich damit zusammenhänge, dass inzwischen die „Stallkapazitäten“ ausgereizt seien.

Deutlich gewachsen sei auch das Auslandsgeschäft. Bei sogenannten Kurssicherungsgeschäften habe man es nicht mehr nur mit den Standardwährungen zu tun. Dies sei ein Indiz dafür, dass sich der Mittelstand neue Märkte suche.

Im Plus sind auch die Baufinanzierungen: 72 Millionen Euro mehr, das sind 9,2 Prozent. Immer häufiger seien dabei „neue Wohnformen“ wie beispielsweise Mehr-Generationen-Häuser anzutreffen.

Der beginnende CO2-Handel werde insbesondere die emissionsintensiven Betriebe der Region betreffen. Den Transformationsprozess, der neue Investitionen auslösen werde, wolle man aktiv begleiten. Eine neue Balance zwischen Ökonomie und Ökologie – dies sei eine der Haupt-Herausforderungen in den 20er Jahren, die nun begonnen haben, betont der Vorstandsvorsitzende Dr. Wolfgang Baecker.

Negativzins

Anfang Dezember hatte die VR-Bank als eine der bundesweit ersten Banken einen Negativzins von 0,5 Prozent eingeführt. Dieser betraf Neukunden, die Tagesgeldkonten über die Webseite eröffneten. 99 Prozent der Kunden seien von diesem „Verwahrentgelt“ nicht betroffen, so Dr. Baecker. Die Negativzinsen seien das Ergebnis der Strafzinspolitik der EZB, die VR-Bank reagiere lediglich darauf.

Kreditinstitute könnten es betriebswirtschaftlich nicht mehr verantworten, den EZB-Negativzins im vollen Umfang weiterhin zu tragen. In den vergangenen Wochen habe man, so Vorstand Berthold te Vrügt, zunehmend feststellen müssen, „dass Neukunden bei uns Gelder parken wollten, ohne gleichzeitig in eine aktive Geschäftsbeziehung eintreten zu wollen“.

Regelmäßig handele es sich um Anleger, die anderweitig ihre Freibeträge bereits ausgeschöpft hätten. Insofern habe man zum Schutz der Mitglieder handeln müssen. Bei Mitgliedern und Bestandskunden mit großen Einlagen würden individuelle Vereinbarungen getroffen, die Freibeträge beinhalteten. Baecker rechnet damit, dass weitere Kreditinstitute nachziehen werden.

Jetzt lesen

Die Entscheidung der VR-Bank sorgte für Aufsehen in der Bankenwelt – und darüber hinaus. Neulich habe ihn die Anfrage eines japanischen Fernsehsenders zum Thema erreicht, so Dr. Baecker.

Mitglieder und Mitarbeiter: Mehr als 1300 neue Mitglieder kamen 2019 zur Genossenschaft dazu. Damit hat die VR-Bank inzwischen rund 47.600 Mit-Eigentümer. Voraussichtlich im Juni wird für sie eine 5,5-prozentige Dividende ausgeschüttet. Dieser Erfolg sei den 358 Mitarbeitern, darunter 29 Auszubildenden, zu verdanken, so Baecker.

Digitalisierung

„VR sieben.neun“ – abgeleitet aus der Adresse „Am Campus 7 und 9“ – so lautet der Name des neuen Büroquartiers auf dem d.velop-Campus in Gescher. Darin fand am Freitag die Jahrespressekonferenz statt. Die VR-Bank habe im Herzen des westlichen Münsterlandes ein Bürogebäude für das eigene Immobilienportfolio gebaut und vervollständigt damit den ersten Bauabschnitt auf dem rund 55.000 Quadratmeter großen Campus-Areal.

Das Gebäude zeichne sich durch seine Nachhaltigkeit aus. So sei es nicht nur nach neuesten Standards erstellt, geheizt werde beispielsweise mit einer Wärmepumpe. Auf dem Dach befinde sich eine Fotovoltaikanlage zur Stromerzeugung. Diese wird von der Sonnenregion Westmünsterland eG betrieben, die die VR-Bank vor zehn Jahren initiiert hat.

Das Gebäude wolle man teils selbst nutzen, teils Start-ups zur Verfügung stellen. Im Erdgeschoss werde das innovative Kundenservicecenter einziehen. „Hier ist der neue Wohnsitz unserer virtuellen Mitarbeiterin ‚VRanzi‘“, erklärte Baecker. Von hier aus werde künftig das Dienstleistungsangebot einschließlich des Videoservices von unseren 21 Niederlassungen und Filialen gesteuert – persönlich und digital. Die virtuelle Mitarbeiterin sei mittlerweile in neun Filialen mit der Videobox eingezogen.

Vor dem Abschied

Nach 20 Jahren im Vorstand, davon 18 Jahre als dessen Vorsitzender, tritt Dr. Baecker zum 1. April in den Ruhestand. Ein Umstand, über den er beim Jahrespressegespräch nicht viel Aufhebens machen wollte: „Wir haben im Team viel erreicht und sind in der Region ein gern gesehener Partner“, sagte er auf Nachfrage. Baeckers Nachfolger wird, wie berichtet, Dr. Carsten Düerkop, der bislang im Vorstand der WL Bank AG in Münster tätig ist.

Lesen Sie jetzt