Ein Schiff wird ins Ungewisse treideln und eine Tuba hat ihren großen Auftritt

hzKunststation Stadtlohn

Zwei Kulturereignisse markieren das Ende der „Kunststation Stadtlohn“. Erst wird ein großes Schiff aus Papier auf eine ungewisse Reise geschickt, dann erklingt Jazzmusik auf der Tuba.

Stadtlohn

, 26.10.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Gefragt nach einer Bilanz zur „Kunststation Stadtlohn“ hat Ludger Gevers nur ein Wort: „Überwältigend“. Nach knapp einem halben Jahr werden die Kunstwerke Stadtlohn jetzt wieder verlassen. Zur Finissage gibt es noch einmal eine Kunstaktion, außerdem ein Konzert mit dem Norweger Daniel Herskedal innerhalb des Münsterland Festivals. Das Projekt soll Spuren hinterlassen.

Mindestens 15.000 Besucher haben die „Kunststation Stadtlohn“ besucht. Das sagen Irmgard und Ludger Gevers als Organisatoren dieser großen Kunstaktion. Dafür haben 15 Künstler ihre Skulpturen beigesteuert. „Die Akzeptanz für moderne Kunst ist gestiegen“, sagt Irmgard Gevers und erzählt von der durchweg positiven Resonanz.

Neun Meter langes Schiff aus Papier

Jetzt hofft das Ehepaar noch einmal auf viele Zuschauer. Am Donnerstag, 31. Oktober, 16.30 Uhr, werden dazu viele der Künstler erwartet. Zur Finissage wird Frank Bölter seine Kunstaktion vollenden. Zum Auftakt im Mai hatte er gemeinsam mit vielen Besuchern ein neun Meter langes Schiff aus Papier gefaltet, das seitdem in der Kirche St. Otger hing.

Jetzt soll das Publikum das Schiff in die Berkel überführen, um es dort „ins Ungewisse treideln“ zu lassen. „So haben bis ins 18. Jahrhundert die Menschen den in den Baumbergen gewonnenen Sandstein über die Berkel verschifft“, hatte Frank Bölter seine Kunstaktion erklärt.

Ein Schiff wird ins Ungewisse treideln und eine Tuba hat ihren großen Auftritt

Die Tonköpfe von Katharina Gerold am Haus Hakenfort wollen viele Stadtlohner nicht mehr missen. © Ronny von Wangenheim

Es wird das erste Kunstwerk sein, das Stadtlohn wieder verlassen wird. Ob alle verschwinden werden? Irmgard und Ludger Gevers berichten beide, dass einige Kunstwerke wie die Tonköpfe am Haus Hakenfort den Stadtlohnern ans Herz gewachsen seien. Publikumslieblinge sind vor allem aber die lebensgroßen Pferde aus Bronze von Johannes Brus vor der Kirche. Immer wieder wird das Ehepaar auf die Pferde angesprochen.

Viele Stadtlohner wollen einige Kunstwerke nicht mehr missen

„Es laufen Gespräche“, verrät Ludger Gevers. Auf jeden Fall müssen kreative Ideen entwickelt werden, um das Kunstwerk zu halten. Johannes Brus ist international bekannt. Die Pferde, zum Beispiel, waren gleichzeitig vom Centre Pompidou angefragt. Er hat allerdings zugesagt, dass die Bronzeskulptur erst einmal über das Ende der Kunststation Stadtlohn stehen bleibt.

Wie viele Menschen genau wegen die Kunststationen abgelaufen sind, können Irmgard und Ludger Gevers nur schätzen. Von Mai bis Oktober haben sehr viele die QR-Codes genutzt, um Wissenswertes über die Kunstwerke zu erfahren. Andere haben die Führungen besucht. Aus Holland, so hat Irmgard Gevers beobachtet, kamen Gruppen mit eigenen Kunstführern.

Besucher haben „nebenbei“ Stadtlohn entdeckt

Es ist aber noch mehr passiert. „Viele haben uns erzählt, dass sie Stadtlohn näher kennengelernt haben. Viele wussten gar nicht, wie schön Stadtlohn ist“, sagt Ludger Gevers. „Die Besucher haben nicht nur Kaffee getrunken. Sie waren auch in den Geschäften“. Das bestätigt dem Vorsitzenden der Stadtlohner „Immobilien- und Standortgemeinschaft“ (ISG), dass es richtig war, das Kunstprojekt in die Innenstadt zu holen. „Wir haben gezeigt, dass Kunst und Kultur wichtig ist für das Image einer Stadt.“

Münsterland Festival

  • Das Münsterland Festival part 10 feiert unter dem Motto „10 aus Europa“ vom 10. Oktober bis 10. November mit mehr als 40 Veranstaltungen – Konzerte, Ausstellungen und Exkursionen – in der gesamten Region sein Jubiläum.
  • Veranstalter ist der Münsterland e.V. Die Künstlerische Leitung obliegt Christine Sörries.

Gelungen waren auch die Sommerkonzerte sonntagnachmittags auf dem Marktplatz. Begünstigt vom guten Wetter wurden sie ein großer Publikumserfolg. „Die Konzerte werden wir im kommenden Jahr fortsetzen“, sagt Ludger Gevers. Vielleicht „hören“ die beiden Bronzepferde dann auch zu.

Jazzmusiker spielt Tuba

Erst einmal aber freuen sich Irmgard und Ludger Gevers auf den 31. Oktober und die Finissage. Und auf das Konzert. Das Münsterland Festival, das in diesem Jahr seine zehnte Ausgabe feiert, schickt dazu einen besonderen Künstler in den Saal des Otgerushauses. Die Künstlerische Leiterin Christine Sörries spricht von einem Highlight des Festivals.

Ein Schiff wird ins Ungewisse treideln und eine Tuba hat ihren großen Auftritt

Daniel Herskedal kommt mit seiner Tuba aus Norwegen nach Stadtlohn. © Knut Åserud

Der Norweger Daniel Herskedal hat sich mit der Tuba als Musiker einen Namen gemacht. „Er hat die Tuba neu erfunden“, sagt Christine Sörries über den Jazzmusiker und ist überzeugt: „Er wird einer der ganz Großen“.

Nach Stadtlohn bringt der Norweger drei Musiker mit: Bergmund Waal Skaslien, Bratsche, Eyolf Dale, Piano, und Helge Andreas Norbakken, Perkussion. „Daniel Herskedal gelingt es, mit dem Instrument faszinierende und hypnotisierend schöne Musik zu erschaffen“, heißt es in der Ankündigung des Münsterland Festivals.

Programm am 31. Oktober

  • Start zur Finissage ist am Donnerstag, 31. Oktober, um 16.30 Uhr. Dann beginnt die letzte Führung mit Dr. Hanna Koch. Anmeldungen (Kosten 5 Euro) dazu beim Stadtmarketing.
  • Gleichzeitig startet die Kunstaktion mit Frank Bölter, der sein rund neun Meter langes Boot aus Papier zur Berkel begleitet und auf viele Weggefährten hofft.
  • Teilnehmer von Führung oder Konzert können die Zwischenzeit bei einem Imbiss überbrücken, dazu führt ein Shuttleservice zur Firma Hülsta.
  • Einlass zum Konzert im Otgerushaus, Dufkampstraße, ist um 19.30 Uhr, Beginn um 20 Uhr.
  • Karten für das Konzert sind im Vorverkauf für 18 Euro erhältlich, an der Abendkasse für 20 Euro. Die Teilnahme am Konzert sowie an der Finissage inklusive Imbiss und Busshuttle kostet 26 Euro im Vorverkauf und 30 Euro an der Abendkasse (Ermäßigung für Kinder 50 Prozent).
  • Tickets gibt es unter anderem online sowie telefonisch beim Münsterland e.V. unter Tel. (02571) 94 93 92 und beim Stadtmarketing Stadtlohn, Dufkampstraße 11, Tel. (02563) 878 66.
Lesen Sie jetzt