Kunst und Kirche im Einklang: Werke an der St.-Otger-Kirche sorgen für neue Perspektiven

hzSkulpturenschau

Die Serie zur Skulpturenschau „Kunststation Stadtlohn 2019“ in der Innenstadt sorgt für neue Perspektiven, denn drei Künstler setzen sich intensiv mit der St.-Otger-Kirche auseinander.

28.08.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Faltboot aus Papier, eine Kirche aus vergoldeten Stäben, eine rote Hand an der Mauer – Kunst an oder in der Kirche muss nicht sakral daherkommen. Das zeigen die drei Künstler der Skulpturenschau „Kunststation Stadtlohn 2019“, deren Kunstwerke sich von der Pfarrkirche St. Otger inspirieren ließen.

Als die Anfrage der Ausstellungsmacher Dechant Jürgen Lürwer und den Kirchenvorstand erreichten, zeigten die sich offen für das Wagnis, moderne Kunst an und in die Kirche zu holen.

Praktische Bedenken wurden aus dem Weg geräumt

„Es gab nur ein paar praktische Bedenken“, sagt Dechant Jürgen Lürwer. Würde das große Papierschiff nicht die Gottesdienstabläufe stören? Könnte das Mauerwerk der Kirche durch Befestigungshaken Schaden nehmen? Diese Probleme waren schnell gelöst, das Papierschiff wurde kurzerhand in eine Höhe gehievt, in der es niemanden stört.

„Es gab nur ein paar praktische Bedenken.“
Dechant Jürgen Lürwer

Dechant Jürgen Lürwer mag die neuen Perspektiven und Anregungen, die die moderne Kunst im Zusammenspiel mit dem Kirchenraum bietet. Besonders mag er Yevgeniya Safronovas namenloses Kunstwerk vor der Kirche.

Kunstwerke inspirieren zu einer Predigt

Die 1977 in der Ukraine geborene Künstlerin, die heute in Duisburg lebt und arbeitet, hat den St.-Otger-Kirchenbau frei mit vergoldeten Edelstahlstäben nachempfunden – auf einem Fundament aus spiegelpoliertem Blech.

„Je mehr man sich dem Kunstwerk nähert, desto komplexer wird es.“ Dann eröffnet der Spiegel einen Blick in den blauen Himmeln, voller goldener Linien. „Das Kunstwerk hat mich schon zu einer Predigt inspiriert. Darin ging es um die schwierige Frage der Dreifaltigkeit, die ja nicht gerade einfacher wird, wenn man genau hinguckt.“

Smartphone an der Mauer

Der 1964 in Bochum geborene Künstler Christoph Platz lässt am Außenmauerwerk des Chores zwei aus Holz gefertigte rote Hände auf ein Smartphone hinweisen. Jahrhunderte lang verortete die Kirche die Menschen in der Welt. Heute bietet das Smartphone den Menschen Orientierung. „Touch“ erweist sich so als spannungsreiche Installation.

Kunst und Kirche im Einklang: Werke an der St.-Otger-Kirche sorgen für neue Perspektiven

„Touch“ von Christoph Platz am Chor-Mauerwerk der St.-Otger-Kirche. Gehring © Markus Gehring

Das Papierschiff in der Kirche hat der Kölner Künstler Frank Bölter (geboren 1969 in Lippstadt) in einer Performance zum Auftakt der Kunststation mit Freiwilligen errichtet. Es „übersommert“ nun im Kirchenraum von St. Otger.

Am letzten Tag der Ausstellung überführt das Publikum das Schiff in die Berkel, um es von dort ins ‚Ungewisse treideln‘ zu lassen. „So haben bis ins 18. Jahrhundert die Menschen den aus den Baumbergen gewonnenen Sandstein über die Berkel verschifft“, sagt Frank Bölter.

„Die Kunstwerke werden umso spannender, je mehr man über sie erfährt.“
Dechant Jürgen Lürwer

Eine Führung ist sinnvoll für das Verständnis

„Die Kunstwerke werden umso spannender, je mehr man über sie erfährt“, sagt Dechant Jürgen Lürwer. Zusammen mit dem Pfarreirat und dem Kirchenvorstand hat er an einer Führung von Dr. Hanna Koch zu allen Werken der Kunststation mitgemacht. „Das kann ich jedem nur empfehlen“, so Lürwer.

Ob auch das Smartphone an der Kirchenwand oder das Papierschiff noch Predigtthemen werden, ist noch nicht entschieden. „Warum nicht?“, sagt Dechant Lürwer. „Nur eine konkrete Idee habe ich noch nicht, aber die Werke bleiben uns ja noch bis Oktober erhalten.“

Lesen Sie jetzt