Nicht zugelassene Krebstherapie: Stadtlohner Biologe ist wegen Betrugs angeklagt

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Die Krebstherapie eines Stadtlohner Biologen beschäftigt die Justiz Heilbronn. Tatvorwurf: Betrug. Fünf Monate saß er in Untersuchungshaft, erkrankte schwer und ist zurzeit nicht haftfähig.

Stadtlohn

, 28.10.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

Michael Reißer, Richter und Pressesprecher am Amtsgericht Heilbronn, bestätigt auf Nachfrage eine Anklage wegen Betrugs, bei dem es um einen promovierten Immunbiologen und eine nicht zugelassene Krebstherapie geht. Nach intensiven Recherchen sei wegen „dringenden Tatverdachts“ bereits am 15. März dieses Jahres Untersuchungshaft veranlasst worden.

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Laut Richter Michael Reißer wird dem Angeklagten zur Last gelegt, für ein „neuartiges Krebsmedikament mit Exosomen“ geworben zu haben. Besagte Exosome werden aus Stammzellen gewonnen, sind bisher nicht an Menschen erprobt worden und in Deutschland nicht zugelassen. Michael Reißer: „Wir befinden uns noch im Stadium der Grundlagenforschung.“

Hohe Honorarforderungen

Der Angeklagte aber habe das bei Krebskranken im Endstadium eingesetzt und sich die Therapie teuer bezahlen lassen. Reißer nennt Beträge zwischen 20.000 und 50.000 Euro, die als Honorar gefordert waren. Der Erfolg sei indes ausgeblieben. Beide Patienten, deren Fälle im Verfahren in Heilbronn berücksichtigt werden, seien gestorben.

Eigentlich hätte bereits am 15. Oktober das Hauptverfahren eröffnet werden sollen. Inzwischen aber wurde nicht nur dieser Termin, sondern auch alle anderen in diesem Jahr anberaumten Folgetermine aufgehoben.

Verhandlungstermine abgesagt

Der Grund: In der U-Haft erkrankte der Angeklagte so schwerwiegend, dass die Haftfähigkeit geprüft werden musste, was letztlich darin mündete, dass sich der Angeklagte auch zurzeit noch auf freiem Fuß befindet, die bisher angesetzten Verhandlungstermine ausfallen mussten. Er werde intensiv medizinisch betreut, befinde sich in ärztlicher Behandlung und unterziehe sich auch Reha-Maßnahmen, sagt Michael Reißer.

Aber: „Der Haftbefehl ist nicht aufgehoben, sondern nur gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt“, betont der Heilbronner Richter ausdrücklich. Und: Am 24. Januar soll es einen „Neustart“ geben und die ausgefallene Hauptverhandlung „nachgeholt“ werden.

Jedenfalls setzt Michael Reißer darauf, dass der Angeklagte bis dahin gesundheitlich entsprechend genesen ist.

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