Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am 11. Dezember im Livestream sieben Bürgerinnen und Bürger zu seiner ersten „Bürgerlage" getroffen. Einer der Gesprächsteilnehmer war der Stadtlohner Norbert Vos. © Guido Bergmann
Coronavirus

Stadtlohner Norbert Vos spricht mit dem Bundespräsidenten über Coronalage

Norbert Vos geht beim Bundespräsidenten ein und aus – zumindest virtuell. Der 52-jährige Stadtlohner ist einer von sieben Bürgerinnen und Bürgern, mit denen Steinmeier online das Gespräch sucht.

Norbert Vos sitzt ganz entspannt in seinem Bürosessel, nippt an seiner Kaffeetasse und chattet so locker, als würde er mit seinen Sportsfreunden von der DJK Stadtlohn reden. Sein Gesprächspartner aber ist dieses Mal der Bundespräsident höchstpersönlich.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am 11. Dezember im Livestream sieben Bürgerinnen und Bürger zu seiner ersten
Interessiert hört Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (l.) zu, als der Stadtlohner Norbert Vos in der Videokonferenz über die Sorgen der DJK Eintracht wegen der Coronalage erzählt. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am 11. Dezember im Livestream sieben Bürgerinnen und Bürger zu seiner ersten „Bürgerlage“ getroffen. Einer der Gesprächsteilnehmer war der Stadtlohner Norbert Vos. Weitere Gespräche sind geplant. Schon am 22. Januar wird Norbert Vos den ersten Mann im Staat zum zweiten Mal virtuell treffen. Und die Stadtlohner können im Internet live dabei sein.

Bundespräsident will Bürger direkt zu Wort kommen lassen

Die „Bürgerlage“ ist eine Gesprächsrunde, in der der Bundespräsident aus erster Hand von den Bürgerinnen und Bürgern erfahren möchte, wie ihre aktuelle Lage in der Pandemie aussieht und wie ihre Sicht auf die weiteren Entwicklungen im Land ist. Eine Gastronomin aus Bayern, eine Facharbeiterin aus Sachsen-Anhalt, eine Schulleiterin aus Paderborn, ein Berufsschüler und eine Flötistin aus Berlin, eine Pflegekraft aus Bremen – und Norbert Vos, der Maler und Lackierer aus Stadtlohn, gehören zu dem festen Gesprächskreis.

„Sehr gerne hätte ich Sie hierher ins Schloss Bellevue eingeladen, aber Corona steht uns im Wege“, mit diesen Worten begrüßte Frank-Walter Steinmeier die Runde. „Ich möchte von Ihnen erfahren, was Sie umtreibt, was Sie erleben in diesen Tagen, Wochen und Monaten, was Sie denken. Wie ist Ihre persönliche Lage? Welche Wirkungen und Nebenwirkungen haben die Beschränkungen?“

Norbert Vos berichtet Frank-Walter Steinmeier von den DJK-Sorgen

Und er bittet um klare Worte: „Sprechen Sie offen aus, was Sie bewegt. Was zählt, sind Ihre Eindrücke.“ Da ist der Bundespräsident bei Norbert Vos an der richtigen Adresse. Vos mag es konkret: Er erzählt vom ausgefallenen Hönningen-Lager, von der Furcht, die Erfolgsgeschichte des integrativen Lagers könnte durch eine erneute Zwangspause abbrechen. Er spricht von den abgesagten Hallenturnieren der DJK, von der Rückerstattung von Mitgliedsbeiträgen für die 3000 Mitglieder und von den finanziellen Einbußen des Vereins.

Frank-Walter Steinmeier hört interessiert zu und fragt nach. „Wie sieht es an Ihrem Arbeitsplatz aus? „Bei uns gibt‘s Arbeit satt, überhaupt kein Problem“, sagt Norbert Vos, der beim Unternehmen Schunk Mobilraum arbeitet. Auch von Infektionen sei der Betrieb bislang verschont geblieben. Dennoch sagt er dem Bundespräsidenten zum Abschluss des anderthalbstündigen Gesprächs: „Ich bin der Meinung, wir müssten noch mal einen knallharten Lockdown haben. Denn jetzt wird es wirklich gefährlich. Und jeder Tote ist einer zu viel.“

Fortsetzung des Gesprächs am 22. Januar ist live zu sehen

In seiner „Bürgerlage“ geht es dem Bundespräsidenten darum, unmittelbar und über einen längeren Zeitraum zu hören, wo seine Gesprächspartner in dieser besonderen Zeit Herausforderungen und Probleme sehen, welche Sorgen sie haben, aber auch, welche Fortschritte und Erfolge aus ihrer Sicht seit dem Ausbruch der Pandemie zu verzeichnen sind. Norbert Vos freut sich schon auf das zweite Gespräch am Freitag, 22. Januar, um 11 Uhr. Es wird wie auch die erste Bürgerrunde live und als Videoaufzeichnung auf der Internetseite des Bundespräsidialamtes zu sehen sein.

Norbert Vos wurde Anfang Dezember von einem Anruf des Bundespräsidialamtes aus Berlin überrascht: Ob er sich vorstellen könnte, an einer Bürgerrunde mit dem Bundespräsidenten teilzunehmen? Gegenfrage des zunächst skeptischen Norbert Vos: „Woher haben Sie denn überhaupt meine Telefonnummer?“

Die Frage war schnell geklärt. Norbert Vos ist ja im Bundespräsidialamt aktenkundig. Schließlich hatte der Bundespräsident ihn vor einem Jahr für sein vielfältiges ehrenamtliches Engagement in der DJK Eintracht Stadtlohn mit der Bundesverdienstmedaille ausgezeichnet. Das Hönningen-Lager und der Mädchenfußball der DJK wären ohne den Lagerleiter und Trainer Norbert Vos nicht das, was sie sind.

Norbert Vos (Mitte) ist im Januar 2020 mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. Landrat Dr. Kai Zwicker (l.) überreichte die Auszeichnung im Beisein des damaligen Bürgermeisters Helmut Könning (r.).
Norbert Vos (Mitte) ist im Januar 2020 mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. Landrat Dr. Kai Zwicker (l.) überreichte die Auszeichnung im Beisein des damaligen Bürgermeisters Helmut Könning (r.). © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Die Gesprächsrunde mit dem Präsidenten hat Norbert Vos beeindruckt. „Ich war schon vorher der Meinung, dass wir mit Herrn Steinmeier einen guten Bundespräsidenten haben. Jetzt habe ich ihn als sehr sympathischen Menschen erlebt. Ich bin ganz angetan von seiner Ausstrahlung. Mein Respekt vor ihm ist noch gewachsen.“

Norbert Vos strahlt Optimismus aus

Aber auch Steinmeiers Respekt gegenüber Norbert Vos ist im Gespräch spürbar. Denn der 52-jährige Stadtlohner vermittelt bei der Videokonferenz mit dem Schloss Bellevue das, was seine Sportsfreunde in der DJK Eintracht an ihm schätzen: erfrischenden Optimismus und keine Spur von Eitelkeit: „Ich bin ein positiv denkender Mensch“, sagt Norbert Vos.

Um das Gespräch mit dem Bundespräsidenten hat er auch nicht viel Aufhebens in seinem Bekanntenkreis gemacht. „Ich habe das gar nicht groß herumerzählt. Ich sage ja immer: ,Erwarte nie Dank fürs Ehrenamt!‘ Ich mache es ja freiwillig und ich mache es gerne.“

Dass nun die Münsterland Zeitung über seine virtuelle Stippvisite im Bundespräsidialamt berichtet, findet Norbert Vos aber trotzdem gut. Lachend sagt er: „Da freut sich meine Mutter.“ So war es ja auch mit den persönlichen Weihnachtsgrüßen, die der Bundespräsident per Karte nach Stadtlohn schickte.

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Redaktion Ahaus
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