Dr. Albert Daniels aus Stadtlohn ist Professor für Rohstoffgewinnung über und unter Tage an der Technischen Fachhochschule (TFH) Georg Agricola in Bochum. Hier zeigt er auf einem Tabletcomputer eine geologische Karte des Kreises Borken, die im Westen Steinsalz und im Osten Tongestein aufweist - beide geologischen Formationen kommen theoretisch für die Endlagersuche in Frage. © Stefan Grothues
Endlagersuche

Stadtlohner Professor: Sachkundig und kratzbürstig gegen Atommüll-Endlager

Stadtlohn ist wie weite Teile des Kreises Borken noch ein möglicher Standort für ein Atommüll-Endlager. Höchste Zeit, sich Gedanken zu machen, findet Bergbauexperte Dr. Albert Daniels.

Östlich von Stadtlohn in Richtung Vreden dichtet Tongestein die tieferliegenden geologischen Schichten ab. Westlich von Stadtlohn in Richtung Gescher gibt es eine dicke Steinsalzschicht. Ob Ton oder Stein – beide geologischen Formationen sind nach Ansicht der Bundesgesellschaft für Endlagerung theoretisch geeignet, um dort gefährlichen radioaktiven Müll bestmöglich zu lagern – für eine Million Jahre.

Bergbau-Professor aus Stadtlohn will Standortsuche kritisch begleiten

Nach dem Willen der Stadtlohner FDP soll sich der Rat in der kommenden Woche mit dem Thema Endlagersuche befassen. Dr. Albert Daniels, Fraktionsvorsitzender der FDP im Rat der Stadt Stadtlohn, hat einen entsprechenden Antrag gestellt. Albert Daniels ist aber nicht nur Kommunalpolitiker. Der 58-Jährige ist zugleich auch ein Experte für den Blick in die Tiefe.

Die Erkundungsarbeiten im Salzstock Gorleben, hier ein Bild aus dem Jahr 2011, werden nicht fortgeführt. Die Salzstöcke sind nach Expertenmeinung für eine Endlagerung nicht geeignet. Jetzt sucht  die Bundesgesellschaft für Endlagerung bundesweit nach einem neuen Standort für ein Endlager. Dabei gerät auch der Kreis Borken in den Blick.
Die Erkundungsarbeiten im Salzstock Gorleben, hier ein Bild aus dem Jahr 2011, werden nicht fortgeführt. Die Salzstöcke sind nach Expertenmeinung für eine Endlagerung nicht geeignet. Jetzt sucht die Bundesgesellschaft für Endlagerung bundesweit nach einem neuen Standort für ein Endlager. Dabei gerät auch der Kreis Borken in den Blick. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Als Kommunalpolitiker sagt Albert Daniels: „Wir als FDP möchten nicht, dass das Endlager in diese Region kommt.“ Als Wissenschaftler sagt Albert Daniels: „Ich möchte ein kritisches Bewusstsein bei den Menschen wecken. Wer dann zu dem Schluss kommt, er möchte kein Endlager hier, der muss sich rechtzeitig dagegen formieren und aktiv werden.“

Professur für Rohstoffgewinnung

Der Stadtlohner studierte Bergbau an der RWTH Aachen. Seit 2013 ist der promovierte Bergbau-Ingenieur Professor für Rohstoffgewinnung über und unter Tage an der Technischen Fachhochschule (TFH) Georg Agricola im Wissenschaftsbereich Geoingenieurwesen, Bergbau und Technische Betriebswirtschaft.

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) führt zurzeit unter Aufsicht des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) deutschlandweit Standortauswahlverfahren für ein Atommüll-Endlager durch. Im vergangenen Herbst hat die BGE einen ersten Zwischenbericht veröffentlicht. Er weist Gebiete aus, die günstige geologische Voraussetzungen für die sichere Endlagerung hochradioaktiver Abfälle erwarten lassen. Auch der Kreis Borken ist dort als potenzielle Standortregion ausgewiesen.

Dem Zwischenbericht liegen ausschließlich geologische Kriterien zugrunde. Raumplanerische Aspekte wie Abstand zur Wohnbebauung oder Nähe zu Naturschutzgebieten spielen erst in den weiteren Arbeitsschritten eine Rolle.

„Politisch rechtzeitig positionieren“

„Technisch und wissenschaftlich gesehen ist die Endlagersuche für mich eine spannende Angelegenheit. Als Kommunalpolitiker denke ich aber: Wir müssen uns rechtzeitig positionieren“, sagt Albert Daniels. Schließlich gebe es neben geologischen Fragestellungen noch eine „sozioökonomische“ Ebene und natürlich eine „menschliche und emotionale Ebene“.

Und da hat er eine Befürchtung: „Die Münsterländer sind abwartend und geduldig. Wenn sie das Endlager hier nicht haben wollen, dürften sie ruhig ein wenig kratzbürstiger sein.“ Er selbst sei gegen ein Endlager in der Region, aber das weniger aus wissenschaftlicher und geologischer Sicht. Daniels: „Ich finde, der Kreis Borken hat mit dem Zwischenlager in Ahaus und der Urananreicherungsanlage Gronau schon genug Lasten der atomaren Stromerzeugung getragen.“

„Endlager-Beauftragter“ der FDP im Kreis Borken

Nun vertritt Albert Daniels die FDP auf Kreisebene als „Endlager-Beauftragter“. In dieser Eigenschaft und als Wissenschaftler hat er bereits mehrere Gespräche mit der Kreisverwaltung geführt. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Kreis Borken mit meiner Hochschule eine Forschungskooperation zur sachlichen Bearbeitung dieses sehr komplexen Themas eingehen wird“, sagt Albert Daniels.

In Gronau seien Professoren-Kollegen seiner Hochschule in den vergangenen Wochen bereits beratend tätig gewesen. Weil dort beim Bau der Gas- und Ölkavernen im Amtsvenn bereits in die Geologie eingegriffen worden sei, sei Gronau jetzt als Endlagerstandort tabu.

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Redaktion Ahaus
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