Stadtlohner Tierarzt hat die Gefahren durch Zecken täglich vor Augen

hzGefahr durch Zecken

Schon ein kleiner Stich kann dramatische Folgen haben. Machen Zecken aber nur die Menschen krank, oder auch Bello und Co.? Ein Stadtlohner Tierarzt berichtet aus seiner Praxis.

Stadtlohn

, 16.05.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit Zecken haben Dr. Michael Bühs und seine Kollegen eigentlich jeden Tag zu tun. Besonders jetzt, da die Parasiten Hochsaison haben. Und ja, auch Tiere können durch sie richtig krank werden. Der Stadtlohner Veterinär zählt eine ganze Liste an Krankheiten auf, die durch Zecken übertragen werden können: Anaplasmose, Ehrlichiose, Borreliose, FSME zum Beispiel. „Hier bei uns steht auch beim Tier die Borreliose im Vordergrund“, sagt Dr. Bühs.

Warten auf den passenden Wirt

Das Problem für die Vierbeiner: Zecken halten sich in Wald und Wiese in Bodennähe auf und warten auf einen passenden Wirt. Da seien Hund und Katz einfach ganz nah dran. Und Hunde zum Beispiel seien sogar regelrechte Zeckensammler. Dr. Bühs: „Nach einem ausgedehnten Spaziergang können sie schnell schon mal an die 20 Zecken mit nach Hause bringen.“

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Wenn es aber erst einmal dazu gekommen ist, geht es vor allem darum: Die Zecke(n) fachgerecht zu entfernen, vorzugsweise mit einer passenden Pinzette mit einer langsamen Bewegung nach oben, und dann die Bisstelle zu desinfizieren. Tierarzt Bühs weiß aber, dass das für Frauchen und Herrchen oft gar nicht so einfach ist: „Die finden Zecken eklig und melden sich sogar nachts bei mir mit der Bitte, sie zu entfernen.“ Solche „Hausbesuche“ schließt er allerdings kategorisch aus. Nur dann, wenn eine Zecke nicht komplett entfernt wurde, ist das ein Fall für den Tierarzt. Tagsüber!

Riesiges Angebot an Abwehr-Mitteln

Vielmehr rät er dazu, die Tiere in der nächsten Zeit genau zu beobachten. Sowohl die Stichstelle als auch deren Verhalten. Wichtige Fragen: Gibt es Rötungen, Schwellungen, Fieber, Antriebslosigkeit? Sinnvoller sei es aber ohnehin, dem Befall mit Zecken vorzubeugen. Und da gibt es für Hunde und Katzen eine ganze Palette an Prophylaxe-Möglichkeiten: Halsbänder mit chemischen oder pflanzlichen Substanzen,Nahrungsergänzungsmittel, Sprays, Spot-on-Präparate, die auf die Haut aufgebracht werden, und jetzt auch verstärkt Tabletten.

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Alle haben eine unterschiedliche Wirkdauer, und nicht von allen kennt man die genauen Nebenwirkungen. Auch eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Während Tabletten und Spot-on-Mittel nur über den Tierarzt bezogen werden, halten auch Tierfachmärkte und Apotheken eine wahre Fülle an Angeboten bereit.

Allerdings ist Michael Bühs da aus fachlicher Sicht durchaus skeptisch: „Es mag ja vielleicht etwas komisch klingen, dass ich für den Gang zum Tierarzt werbe, das hat aber wirklich Gründe.“ Die Mittel, die dort ausgeben werden, seien „getestet, zugelassen und wirksam“. Was drauf steht, sei eben auch drin.

Präparat muss zum Tier passen

Von den frei verkäuflichen Zecken-Abwehr-Mitteln wisse man das nicht unbedingt. Vor allem aber werde die besondere Situation des Tieres, sein Alter, seine Vorerkrankung, die Wechselwirkung mit Medikamenten gar nicht bedacht. Und das könne dann im Zweifelsfall auch gefährlich werden. Dr. Bühs: „Das gute Mittel für jeden gibt es nicht.“ Denn auch die Art der Anwendung werde nicht von allen gleich toleriert. Katzen zum Beispiel mögen Zecken-Halsbänder nicht. Erst recht dann nicht, wenn sie einen starken Geruch verbreiten.

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Dabei gehe es beim Zecken-Schutz nicht nur um die Tiere sondern auch um den Menschen, betont der Tierarzt: „Da Hund und Katze sich häufig auch in Schlafzimmern aufhalten, können sich suchende Zecken auch im Bett oder auf den Kleidern zu den Besitzern gelangen.

Auch Pferde können übrigens von Zecken heimgesucht werden, werden aber selten krank. „Die müssen es durch die dicke Haut des Pferdes schaffen und dann auch noch den Erreger in sich tragen.“

Große Vielfalt bei den Angeboten und den Kosten

  • Die Kosten für Mittel gegen Zecken sind ganz unterschiedlich: abhängig vom Produkt und auch der Größe des Tiere.
  • Die Preise reichen von wenigen Euro für ein „Abwehr-Öl“ bis hin zu Preisen von zig bis über 50 Euro für Halsbänder, Spot-ons und Tabletten.
  • Die Schutzzeit ist unterschiedlich und kann auch durch äußere Faktoren zum Beispiel durch Regen oder Baden abgeschwächt werden.
  • Klar ist, dass die hochwirksamen Präparate meist auch hochpotente, eben auch giftige, Wirkstoffe enthalten.
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