Der K+K-Markt an der Eschstraße war an 20. Juni Schauplatz eines blutigen Streits, der sich um Corona-Abstände und Maskenpflicht entzündet hatte. © Archiv
Schlägerei

Streit um Corona-Abstand in Stadtlohner Supermarkt endete blutig

Ein Streit um Coronaregeln im K+K-Markt an der Eschstraße hat einen blutigen Ausgang gefunden. Wegen schwerer Körperverletzung musste sich am Dienstag ein 34-Jähriger vor Gericht verantworten.

Hart zugeschlagen hat ein 34 Jahre alter Softwareentwickler in einem Streit auf dem K+K-Parkplatz an der Eschstraße: Ein junger Mann erlitt eine blutende Platzwunde am Hinterkopf, als ihm der 34-Jährige mehrere Hiebe mit einer gefüllten PET-Cola-Flasche versetzte. Der Streit hatte sich bereits im Supermarkt entzündet. Es ging um Mindestabstände und das Tragen von Masken.

Staatsanwaltschaft stuft Cola-Flasche als gefährliches Werkzeug ein

Der Vorfall ereignete sich am 20. Juni 2020. Am Dienstag musste sich der 34-Jährige wegen schwerer Körperverletzung vor dem Amtsgericht in Ahaus verantworten. Die Staatsanwaltschaft stufte die Cola-Flasche juristisch als „gefährliches Werkzeug“ ein.

Vor Gericht gab der 34-Jährige an, er habe sich mit den Schlägen nur gegen einen Angriff des jungen Mannes wehren wollen. Der junge Mann war als Hauptbelastungszeuge geladen, aber nicht zum Prozess erschienen.

„Will der was aufs Maul?“

Nach Aussage des Angeklagten hat sich am fraglichen Tag Folgendes zugetragen. Er habe im Supermarkt an der Kasse angestanden, als sich drei junge Leute Anfang 20 an ihm vorbeigedrängt hätten. „Sie hatten keinen Einkaufswagen, wie es ja vorgeschrieben war, und die junge Frau trug keine Maske. Alle haben mich im Vorübergehen gestreift, also körperlich berührt.“

Über das respektlose Verhalten habe er sich sehr geärgert. Er habe die jungen Leute aber nicht direkt angesprochen. Er habe sich nur für sich selbst „echauffiert“ und „still aufgeregt“. Daraufhin habe der junge Mann aus der Dreigruppe gedroht: „Was brabbelt der denn da? Will der was aufs Maul?“

Das wollte der Angeklagte nicht auf sich sitzen lassen. Er fasste den jungen Mann an den Hals, „um ihn einzuschüchtern“ und auf sein schlechtes Benehmen hinzuweisen. Das habe auch funktioniert. Er habe sich aber auch gleich selber gefragt: „Was mache ich hier eigentlich?“ Im Gerichtsprozess räumte er ein: „Ich habe nicht so smart reagiert, wie ich es hätte tun sollen. Aber ich fühlte mich bedroht.“

Zeugen: „Eskalation trotz Entschuldigung“

Die Begleiterin (23) und der Begleiter (22) des jungen Mannes erzählten, dass sie von einer Party gekommen seien und noch ein Flasche Tequila hätten kaufen wollen. Beide erklärten, sie hätten gar nicht mitbekommen, dass sie den Mann berührt hätten. „Wir haben uns aber entschuldigt“, sagte die 23-jährige. Dennoch habe sich ein Streit zwischen ihrem Begleiter und dem Angeklagten entfacht. „Die haben sich gegenseitig beschimpft.“ Sie selbst habe schlichtend eingegriffen.

Von der späteren blutigen Eskalation auf dem Parkplatz bekamen die beiden nur wenig mit, weil sie an der Kasse noch ihren Einkauf bezahlten. Der Angeklagte schilderte das Geschehen so: Auf dem Weg zum Auto sei er von dem jungen Mann von hinten mit einem Faustschlag auf den Kopf attackiert worden. „Jetzt gibt‘s was auf die Fresse!“, habe der Angreifer gerufen.

„Ich hatte extreme Angst“, erklärte der Angeklagte. „Seit der Grundschule habe ich mich von Prügeleien ferngehalten. Mit solchen Menschen gebe ich mich nicht ab.“ Dann schilderte er, wie er dem Angeklagten drei Schläge mit der Cola-Flasche versetzt habe. „Er taumelte und sah wohl Sterne, aber er kam immer wieder auf mich zu.“ Am Ende lag der junge Mann auf der Kühlerhaube des Autos des Angeklagten. Weil er immer noch mit den Armen gefuchtelt habe, so der Angeklagte, habe er ihm noch „zwei, drei Faustschläge ins Gesicht“ versetzt, bis ihn der Supermarkt-Kassierer festgehalten haben.

Angeklagter: „Ich bin jetzt der Gelackmeierte“

Die beiden Zeugen kamen nach eigener Aussage erst dazu, als die Schlägerei schon in vollem Gange gewesen sei. Wer der Angreifer gewesen sei, konnten die Zeugen nicht sagen. Auch das Gericht sah eine Klärung dieser Frage als schwierig an, selbst wenn bei einem neuen Verhandlungstermin der Hauptbelastungszeuge aussagen würde.

Am Ende kamen Richter, Staatsanwaltschaft und Angeklagter überein, das Verfahren gegen Zahlung einer Geldauflage von 2000 Euro einzustellen. Zufrieden war der Angeklagte damit nicht. „Ich wollte mich nur wehren und bin jetzt der Gelackmeierte. Aber ich will die Sache vom Tisch haben.“

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Redaktion Ahaus
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